Bevorzugung Bekannter Unregelmäßigkeiten bei Corona-Schutzimpfungen in Thüringen

Millionen Menschen wollen sich gegen das Coronavirus impfen lassen, doch noch fehlt es bundesweit an allen Ecken und Enden an Impfdosen. Zuletzt häuften sich die Fälle, in denen Menschen Impfungen erhalten haben sollen, die nicht priorisiert waren, während Alte, chronisch Kranke und medizinisches Personal sich vergeblich um Impftermine bemühten. Auch in Thüringen ist es zu so einem Fall gekommen.

Eine Mitarbeiterin bereitet den Impfstoff vor in der Impfstelle im mon ami in Weimar, Thüringen, am 13. Januar 2021.
Die Corona-Schutzimpfungen sind hoch begehrt – das führt mancherorts auch zu falschen Verteilungen. Bildrechte: imago images/Jacob Schröter

In Thüringen hat es offenbar mehrere Fälle von Unregelmäßigkeiten bei Corona-Schutz-Impfungen gegeben. Die Kassenärztliche Vereinigung prüfe die Fälle derzeit, teilt das Thüringer Gesundheitsministerium auf Anfrage mit.

Nach MDR-Informationen handelt es sich bei einem der Fälle um einen leitenden Angestellten eines Pflegeheimes, der mehrere Bekannte auf die Impfliste gesetzt haben soll. In einem weiteren Fall sollen Menschen geimpft worden sein, die nicht im medizinischen Bereich arbeiten. Beide Fälle wollte die Kassenärztliche Vereinigung nicht offiziell kommentieren.

Leitender Angestellter soll Arzt unter Druck gesetzt haben

Nach MDR-Informationen soll es sich bei einem der Fälle um eine Pflegeeinrichtung im Landkreis Weimarer Land handeln. Dabei sollen Personen geimpft worden seien, die weder im medizinischen Bereich tätig noch älter als 80 Jahre alt sind. So soll ein leitender Angestellter der Einrichtung den impfenden Arzt unter Druck gesetzt haben, seine persönlichen Bekannten vorzeitig zu impfen. Bei einer dieser bevorzugten Personen handelt es sich dem Vernehmen nach um einen Lokalpolitiker.

Auf MDR-Anfrage bestritt der leitende Angestellte, dass es zu Unregelmäßigkeiten gekommen sei. Das zuständige Gesundheitsministerium in Thüringen bestätigte auf MDR-Anfrage, dass es Prüfungen der Kassenärztlichen Vereinigung gebe, wollte sich aber mit Verweis auf laufende Verfahren nicht weiter äußern.

Angebrochener Impfstoff muss verimpft werden

Aktuell werden nach Vorgaben des Bundesgesundheitsministeriums nur Menschen gegen Covid-19 geimpft, die entweder im medizinischen Bereich arbeiten oder älter als 80 Jahre sind. Dieser Personenkreis zählt zur sogenannten Stufe 1.

Allerdings gilt in Thüringen die Regelung, dass bereits angebrochene Impfflaschen an Menschen verimpft werden können, die nicht zur Prioritätengruppe 1 gehören. Dies solle aber nur geschehen, wenn vorher alle greifbaren Menschen aus der Stufe 1 geimpft worden sind. Dies soll bei der Pflegeeinrichtung im Landkreis Weimarer Land nicht der Fall gewesen sein. Ob Verstöße gegen die Verordnung überhaupt juristisch belangt werden können, ist derzeit noch offen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Februar 2021 | 16:00 Uhr

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