Lokal starke Regenschauer Erneut Überflutungen in Mitteldeutschland

Über weite Teile Deutschlands sind am Wochenende Unwetter mit heftigen Gewittern und Starkregen gezogen. Auch in Mitteldeutschland waren die Feuerwehren im Dauereinsatz. Viele Keller liefen voll, teils mussten Straßen und Schienen gesperrt werden. Einige Orte meldeten binnen Stunden Regenmengen wie sonst im gesamten Monat Juni.

In Zwickau steht eine Bahnunterführung unter Wasser. Rettungskräfte sind im Einsatz.
Überflutete Bahnunterführung in Zwickau. Bildrechte: André März

Nach heftigen Gewittern mit Starkregen sind am Wochenende in Mitteldeutschland vielerorts die Feuerwehren im Dauereinsatz gewesen. Am Sonnabend gab es regional mehr als 80 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, mehr als normalerweise im gesamten Monat Juni.

Thüringen stark betroffen

Besonders stark betroffen war Thüringen. In Gierstädt mussten Dutzende Keller leergepumpt werden, viele Straßen standen unter Wasser. Die Polizei blockierte die Zufahrtswege, der Ort wurde quasi abgeriegelt. Die Feuerwehr musste ein Flusswehr aufbrechen, weil das Wasser aufgrund von Schwemmgut nicht ablaufen konnte. Auch in Weimar-Legefeld musste die Feuerwehr am Sonntag ausrücken, weil Wasser und Schlamm eine Straße und einen Bahnübergang fluteten.

Die Leitstelle Gera meldete rund 200 Einsätze, vor allem in Altenburg. Auch im Unstrut-Hainich-Kreis mussten die Feuerwehren Keller leerpumpen. Zudem gab es nach Angaben der Rettungsleitstelle in Mühlhausen viele Einsätze wegen umgestürzter Bäume sowie überfluteter und verschlammter Straßen. Schwerpunkte im Landkreis Gotha waren Waltershausen und Langenhain. Es gab mehrere wetterbedingte Verkehrsunfälle mit Verletzten, unter anderem auf der A71 und A4.

Überflutungen auch in Sachsen und im Harz

Im Landkreis Nordsachsen hatte die Feuerwehr am Samstag in Delitzsch und den umliegenden Dörfern besonders viel zu tun. Vielerorts liefen die Kanalisation und Gullys über. Die Feuerwehr musste Dutzende Keller auspumpen. Auch Wiesen und Rasenflächen mussten abgepumpt werden, um Schäden an Wohngebäuden zu vermeiden. Die Arbeiten zogen sich bis weit in die Nacht hinein.

In Leipzig liefen ebenfalls Unterführungen und Straßen voll, nach Angaben der Feuerwehr vor allem in den Stadtteilen Lindenau und Plagwitz. Taucha bei Leipzig meldete knapp 80 Liter Niederschlag binnen 24 Stunden.

Nach heftigen Unwettern am Samstagabend hatten einige Erzgebirgsregionen am Sonntag mit Folgeschäden zu kämpfen. Anwohner etwa in Marienberg und Pockau-Lengefeld beklagten Stromausfälle, Störungen von Telefon, Internet und Fernsehen.

In Sachsen-Anhalt verzeichnete die Feuerwehr vor allem im Harz Probleme mit vollgelaufenen Kellern und überfluteten Straßen.

Regenmenge von Samstag 8 Uhr bis Sonntag 8 Uhr
Ort Liter pro Quadratmeter
Sachsen  
Taucha 78,5
Meerane 62,6
Reinsdorf 58,2
Sachsen-Anhalt  
Bitterfeld-Wolfen 61,7
Arnstein-Ulzigerode 61,5
Calvoerde 57,6
Thüringen  
Meuselwitz 78,6
Ponitz 51,5
Göschitz 47,2

Zum Vergleich: Magdeburg hat nach Angaben von MDR-Meteorologe Jörg Heidermann im langjährigen Durchschnitt knapp 52 Liter Niederschlag pro Quadratmeter im gesamten Juni.

Seniorin aus überfluteter Unterführung gerettet

Auch in anderen Regionen Deutschlands sorgten Gewitter und starker Regen für Überschwemmungen und Unfälle. Im niedersächsischen Springe drang Wasser in Häuser ein. In einem Ortsteil waren Straßen überflutet und teilweise durch Schlamm unpassierbar. In Laatzen bei Hannover musste die Feuerwehr eine Seniorin aus einer überfluteten Fußgänger-Unterführung retten.  

In der Oberpfalz richteten Unwetter im Landkreis Neumarkt Schäden an. Auf der A93 verursachte Starkregen mehrere Unfälle. Auch am Sonntag gab es vor allem im Süden Deutschlands und auch in Mitteldeutschland weitere Unwetterwarnungen, am Abend beruhigte sich die Lage.

Am Freitag ging es los

Bereits am Freitagabend hatte es heftige Gewittergüsse in Teilen Thüringens gegeben. In Zella-Mehlis wurde die B62 überflutet. Die Feuerwehr pumpte Keller aus, ein Sportgeschäft musste geräumt werden. Im Wartburgkreis stand ein Ortsteil der Gemeinde Wutha-Farnroda bis zu 20 Zentimeter unter Wasser.

Unwetter im Wartburgkreis Anwohner und Feuerwehr kämpfen in Mosbach gegen Wassermassen

Der Starkregen vom Freitagabend hat in Mosbach im Wartburgkreis immense Schäden hinterlassen.

Ein Mann zeigt auf Schäden nach einer Überschwemmung.
Bei Peter Bensch stand das Wasser einen Meter hoch im Keller. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Ein Mann zeigt auf Schäden nach einer Überschwemmung.
Bei Peter Bensch stand das Wasser einen Meter hoch im Keller. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Eine beschädigte Straße
Sowohl an Privathäusern als auch an öffentlichen Straßen und Gehwegen sei vieles zerstört worden, sagte Bürgermeister Jörg Schlothauer. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Ein Auto steht quer über einem Bachlauf.
Fahrzeuge wurden abgetrieben, landeten in Gärten oder quer über dem Bach. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Ein Auto steht quer über einem Bachlauf.
Aus drei Autos musste die Feuerwehr eingeschlossene Menschen retten. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Ein Mann zeigt seine überschwemmte Garage.
Allein in Mosbach zählte die Feuerwehr 76 Einsatzstellen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Ein Mann räumt nach einer Überschwemmung auf.
Peter Zimmermann und seine Familie haben die ganze Nacht durchgearbeitet. Das Wasser hat Möbel, Kühltruhe und Waschmaschine schwer beschädigt. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Sandsäcke stehen aufgereiht auf einer Wiese.
Viele Menschen packten mit an, füllten Sandsäcke und halfen beim Aufräumen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
Ein Feuerwehrauto auf einer Straße
Landrat Reinhard Krebs (CDU) kündigte an, gemeinsam mit der Gemeinde nach Wegen zu suchen, um den Geschädigten zu helfen. Bildrechte: MDR/Ruth Breer
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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. Juni 2021 | 11:30 Uhr

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