Unwetter im Westen Dutzende Vermisste und mindestens 33 Tote

Dutzende Menschen werden nach Unwettern in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz vermisst. Mindestens 33 Menschen kamen ums Leben. Die Bergungsarbeiten laufen auf Hochtouren – doch die Lage bleibt angespannt.

Weitgehend überflutet ist das Dorf Insul in Rheinland-Pfalz nach massiven Regenfällen (Luftaufnahme mit Drohne).
Das Dorf Insul in Rheinland-Pfalz nach massiven Regenfällen fast komplett überflutet. Bildrechte: dpa

Nach schweren Unwettern und Dauerregen im Westen Deutschlands sind zahlreiche Menschen ums Leben gekommen. Bis zum frühen Nachmittag stieg die Zahl der gemeldeten Toten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen auf mindestens 42. Besonders stark betroffen sind nach Polizeiangaben der Landkreis Ahrweiler in der Eifel mit 18 Toten und der Kreis Euskirchen südlich von Köln mit 15 Toten. In Unna, Köln und Solingen wurden mehrere Menschen tot in vollgelaufenen Kellern gefunden. Neben den Todesopfern werden immer noch dutzende Menschen vermisst.

In den Hochwassergebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sind immer noch hunderte Soldaten und Soldatinnen der Bundeswehr sowie Hubschrauber im Einsatz, um Menschen zu retten. Den Behörden zufolge helfen sie mit Berge-Panzern und schwerem Gerät, um so zu von Wassermassen eingeschlossenen Menschen vorzudringen.

Auch Polizei-Hubschrauber aus mehreren Bundesländern retten Menschen von Haus- und Autodächern. Außerdem musste in mehreren Regionen der Strom abgeschaltet werden und teilweise brach auch das Mobilfunknetz zusammen.

Eingestürzte Häuser in der Eifel

Im Ort Schuld in der Eifel werden nach dem Einsturz von sechs Häusern etwa 30 Menschen vermisst. Nach Polizeiangaben sind 25 weitere Häuser instabil und drohen einzustürzen. Ein Polizeisprecher sagte, die Lage in dem Ort sei unübersichtlich. "Sehr viele" Menschen befinden sich demnach auf den Hausdächern, die Rettungseinsätze liefen auf Hochtouren.

Die Unwetter und Überschwemmungen in der Eifel haben zu einem großflächigen Stromausfall geführt. Es ständen zahlreiche Ortsnetzstationen unter Wasser und hätten abgeschaltet werden müssen, teilte der Netzbetreiber Westnetz mit.

Dreyer und Laschet wenden sich an Betroffene

Die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, hat sich am Morgen über den Nachrichtendienst Twitter an die Betroffenen gewandt. Sie schrieb: "Das Unwetter hat unser Land hart getroffen. Ich bange mit allen, die in Gefahr sind." Sie danke allen Helfern und Einsatzkräften, die unermüdlich mit großem Einsatz gegen die Wassermassen ankämpften. Dreyer zufolge wolle sich die Landesregierung auch am Donnerstag zu einer Sondersitzung treffen, um über die aktuelle Lage zu sprechen.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident, Armin Laschet, hat derweil seinen geplanten Besuch bei der Klausur der CSU-Landesgruppe abgesagt und ist in der Nacht nach NRW zurückgekehrt. Am Donnerstag will Laschet die von den Unwettern besonders betroffene Stadt Hagen besuchen, teilte die Staatskanzlei mit. Zudem will er über die Folgen der Unwetter in Nordrhein-Westfalen informieren und mögliche Hilfen des Landes in den Fokus nehmen.

Merkel zeigt sich erschüttert

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich erschüttert zu den Überschwemmungen im Westen Deutschlands geäußert. Merkel erklärte, ihr Mitgefühl gelte den Angehörigen der Toten und Vermissten. Sie danke von Herzen den vielen unermüdlichen Helferinnen, Helfern und Einsatzkräften.

Auch Vize-Kanzler Olaf Scholz will am Donnerstag in die betroffenen Gebiete reisen. Er sprach zudem den Betroffenen Hilfe vom Bund zu und betonte: "Die Menschen im Katastrophengebiet sind in Not, die Schäden sind immens. Da muss der Bund mitanpacken."

Vier Menschen in Ahrweiler ums Leben gekommen

In mehrere Landkreisen in Rheinland-Pfalz wurde der Katastrophenfall ausgerufen. Im Landkreis Ahrweiler sind vier Menschen nach schweren Überflutungen ums Leben gekommen. Das bestätigte ein Sprecher der Polizei in Koblenz am Donnerstagmorgen. Die genauen Umstände seien noch unklar. Die Opfer wurden demnach an mehreren Orten gefunden.

Mehrere Orte waren wegen des Hochwassers von der Außenwelt abgeschnitten. Die Rettungskräfte erreichten laut Polizei nicht alle betroffenen Orte, auch Hubschrauber sind im Einsatz. Mittlerweile ist auch die Bundeswehr mit Hunderten Soldaten und Soldatinnen im Einsatz. Es gebe sehr viele Vermisste, sagte Dreyer. Es sei unklar, ob sie sich selbst hatten retten können. Sie zu erreichen sei schwierig, da das Mobilfunknetz zum Teil auch ausgefallen sei.

Überlaufende Talsperren in NRW

Auch in Nordrhein-Westfalen sorgt Tief "Bernd" für heftige Regenfälle. In Solingen und Unna starben Rentner in ihren überfluteten Kellern. In Leverkusen muss ein Krankenhaus evakuiert werden, weil der Strom ausgefallen ist.

Im Oberbergischen Kreis lief die Bever-Talsperre über, rund 1.500 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Sie wurden größtenteils per Boot evakuiert. Die Wupper-Talsperre wurde kontrolliert abgelassen, um ein Überlaufen zu verhindern. Auch der Damm einer Talsperre bei Euskirchen droht zu brechen.

Bei der Rettung eines Mannes kam ein Feuerwehrmann am Mittwoch ums Leben. Laut Polizei sei der Mann beim Einsteigen ins Einsatzfahrzeug selbst ins Wasser gefallen und abgetrieben. Ein zweiter Feuerwehrmann kollabierte und starb.

Bahnverkehr in NRW eingeschränkt

Außerdem kommt es durch Überflutungen und den Dauerregen zu massiven Beeinträchtigungen im Bahnverkehr in Nordrhein-Westfalen. Die Bahn rief dazu auf, Fahrten von und nach NRW nach Möglichkeit zu verschieben. Wie die Deutsche Bahn mitteilte, fahren zahlreiche S-Bahn- und Regionallinien nicht oder nur eingeschränkt.

An vielen Stellen sei es zu überspülten Gleisen, Fahrbahnstörungen und Beschädigungen von Betriebsanlagen gekommen. Eine Erfassung der Unwetterschäden sei erst mit abfließenden Wassermassen möglich. Auch auf den Autobahnen gibt es erhebliche Wetter-Folgen und einige Streckenabschnitte sind derzeit noch gesperrt.

Quelle: Reuters, AFP, dpa, MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 15. Juli 2021 | 07:30 Uhr

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