Veranstaltungsbranche Prognose: 2021 keine großen Konzerte möglich

Nach Ansicht von Veranstaltern wird es auch in diesem Jahr keine großen Konzerte und Open-Airs geben. Bereits angesetzten Veranstaltungen drohen erneut Verschiebungen. In der Veranstaltungsbranche wird derweil über Maßnahmen nachgedacht, unter denen das ein oder andere Event dennoch möglich wäre.

Ein Publikum bei einem Konzert vor einer Lichtershow
Bis Konzertnächte wieder möglich sind, müssen wir wohl noch eine Weile warten. Bildrechte: imago images/ Addictive Stock

Der Impfstoff ist da, der Sommer kommt. Fehlt nur noch ein schönes Open-Air-Konzert. Zum Beispiel vom Leipziger Musiker Johann Beger. Bis zum Pandemieausbruch war er weltweit auf Festivals unterwegs. "Ab 2022 ist es vielleicht Stück für Stück möglich", sagt er, aber in diesem Jahr sieht er keine großen Möglichkeiten.

Prognose: keine Club- und Konzertnächte in diesem Jahr

Noch sind die Konzertkalender für 2021 voll. Meist sind es Verschiebungen aus dem Vorjahr. Juliane Kindermann vertritt Booking United, einen Zusammenschluss von Konzert- und DJ-Agenturen. Ihre Prognose für dieses Jahr: maximal kleine Open-Air-Events im Sitzen, mehr nicht. "Ich glaube nicht, dass wir dieses Jahr noch richtige Club- und Konzertnächte erleben werden, wie wir das kennen." Der Weg zur Normalität sei noch weit. Terminen drohten die nächsten Verschiebungen.

In Halle arbeitet Rudenz Schramm vom Steintor-Variété mit am sogenannten "Sachsen-Anhalt-Plan 2021" der Landesregierung. Es geht um schrittweise Lockerungen, auch im Kulturbereich. Noch ist der Plan im Entwurfsstadium. "Stehkonzerte, sowas wird ganz weiter nach hinten rücken. Aber überall, wo ich platzgebunden die Eintrittskarten verkaufen kann, wo ich auch weiß, wer wo sitzt, dass im Infektionsfall die Nachverfolgung möglich ist – das ist sicherlich denkbar."

Veranstaltungen höchstens mit Lüften und Abstand halten

Entscheidend ist das Hygienekonzept: Also Lüften und Abstand halten. Auch ohne Impfungen und Tests sind Veranstaltungen so möglich. Aber nur bei geringen Auslastungen. Das hat der Hallesche Infektiologe Stefan Moritz vergangenes Jahr mit der Restart19-Studie herausgefunden. Der Popmusiker Tim Bendzko spielte dafür drei Konzerte in Leipzig – bei unterschiedlicher Auslastung. Da lag ein Impfstoff noch in weiter Ferne.

Die ersten Geimpften könnten Stand jetzt aber nicht einfach zusätzlich hereingelassen werden. Das Problem: Noch ist unklar, ob Geimpfte das Virus übertragen. Hoffnung machen Moritz die zunehmend billig produzierten Schnelltests. "Wenn man Besucher unmittelbar vor einer Veranstaltung abstreichen würde, dann könnte man – da müsste man genau über die Rahmenbedingungen nachdenken – nah an die 100 Prozent herankommen und das wäre vertretbar."

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Ein Lichttechniker mit Mund-Nasen-Schutz sitzt während eines Konzertes an seinem Lichtmischpult. 10 min
Bildrechte: MDR / Yellowtable Media

Veranstalter fordern Unterstützung vom Bund

Das Problem ist die Logistik dahinter. Geschultes medizinisches Personal wäre nötig, sagt Jens Michow vom Verband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft. "Da entstehen Kosten, die weit über das Material herausgehen. Und da erwarten wir schon, dass der Bund sich daran beteiligt. Wir werden das nicht auf den Verbraucher abwälzen können und dass die Veranstalter das unter gegebenen Umständen nicht tragen können, ist auch jedem klar."

Ob es im Herbst Konzerte geben wird, hängt also von vielen unbekannten Variablen ab: dem Infektionsgeschehen und der Durchimpfung sowie der Bereitschaft, Schnelltests zu finanzieren, und den Erkenntnissen der Wissenschaft. Für viele aus der Konzertbranche ist das zu viel Unsicherheit. Der Musiker Johann Beger ist mit seiner Geduld ein Jahr nach Pandemieausbruch am Ende. Er hat sich entschieden, seine Musikerkarriere auf Eis zu legen und ein Referendariat anzufangen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. Februar 2021 | 09:05 Uhr

3 Kommentare

ElBuffo vor 6 Wochen

Jaja, der Staat soll wieder zahlen und nicht der Kunde. Dass es der Staat auch nur von irgendwem und damit letztlich vom Kunden nehmen muss, ist dem nicht klar?

Ritter Runkel vor 6 Wochen

Es wäre ganz leicht, Transparenz, eine offene und ehrliche Kommunikation, keine Politisierung der Pandemie, mehr miteinander Reden, weniger Polarisierung durch die Medien, keine Angstmacherei durch die Politik, Presseabteilungen, die nicht bewusst die Spaltung der Gesellschaft betreiben, usw. Es gibt da viele Ansatzpunkte. Aber natürlich ist es immer leichter, die Symptome als Problem darzustellen, als die Ursachen zu recherchieren. Die liegen wie immer etwas tiefer und sind nicht so sichtbar wie eine Demonstration.

wo geht es hin vor 6 Wochen

Meiner Meinung nach wäre es ehrlicher, den Menschen das zu sagen, was mit Sicherheit kommen wird: ein Leben, wie wir es mal kannten, wird es nicht mehr geben. Unbeschwert und frei kommt in dem Wortschatz der Zukunft nicht mehr vor und wurde ersatzlos gestrichen.

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