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Der Großbrand am Brocken im September konnte auch dank massiver Bekämpfung aus der Luft eingedämmt werden. Doch beim Hubschraubereinsatz gab es Probleme. Bildrechte: dpa

Waldbrand am BrockenHubschrauber unterbrachen Löscharbeiten im Harz wegen Routine-Wartung

von Edgar Lopez und Lars Frohmüller

Stand: 22. September 2022, 15:17 Uhr

Die Löscharbeiten beim verheerenden Waldbrand am Brocken sind beendet. Dabei kam es während des Einsatzes zu Problemen: Nach MDR-Informationen musste die Bundespolizei zwischenzeitlich aus Wartungsgründen ihre Hubschrauber abziehen – und hatte keinen Ersatz.

Am 3. September, einem Samstag, wird der Brocken evakuiert. Grund ist ein Waldbrand am Goetheweg. Hunderte Feuerwehrleute werden eingesetzt, um die Flammen zu löschen, Löschflugzeuge aus Italien sind ebenso im Einsatz wie Hubschrauber von der Bundespolizei, die noch am Sonnabend die ersten Löschmittel über den Harzwäldern abwerfen. Mehr als 241.000 Liter, so bilanziert die Bundespolizei, lassen allein ihre Hubschrauber über den Brandherden im Harz ab.

Routine-Wartung trotz Gefahrenlage

Doch ausgerechnet am 7. September, dem Tag, an dem die Hubschrauber Feuerwehrleute zum Löschen von Glutnestern in die Brandregionen transportieren sollten, sind sie nicht da. Sie wurden nach Informationen des MDR für eine jährlich notwendige Wartung abgezogen. Demnach werden an einem Tag im Jahr alle Hubschrauber der Super-Puma-Serie der Bundespolizei zum selben Zeitpunkt überprüft.

Am 7. September gab es damit aus dem gesamten Bundesgebiet keinen Super-Puma-Hubschrauber der Bundespolizei als Ersatz für die Waldbrandlage im Harz, wie der Kreisbrandmeister des Landkreises Harz und Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbandes, Kai Uwe Lohse, dem MDR sagte.

BMI: Wartungsintervalle müssen eingehalten werden

Tatsächlich bestätigt eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums, dass "die luftseitige Unterstützung" am Mittwoch, den 7. September 2022, "wegen erforderlicher Wartungsarbeiten an den Bundespolizeihubschraubern nach Rücksprache mit den anfordernden Behörden zunächst ausgesetzt" worden sei. Die vom Hersteller vorgeschriebenen regelmäßigen Wartungsintervalle seien aus Sicherheitsgründen zwingend einzuhalten, erläuterte die Sprecherin. Auch könnten darüber hinaus ungeplante Instandhaltungsmaßnahmen nötig werden.

Hubschrauber der Bundespolizei vom Typ Super-Puma Bildrechte: dpa

Nach Abschluss der Wartungsarbeiten ging der Löscheinsatz der beiden Hubschrauber laut Bundesinnenministerium ab dem 8. September weiter. Wie viele Hubschrauber am 7. September insgesamt gewartet wurden und ob es für die beiden abgezogenen Hubschrauber keinen Ersatz gab, wollte die Sprecherin des Bundesinnenministeriums nicht beantworten. "Zur Verfügbarkeit von Hubschraubern der Bundespolizei können wir Ihnen aus einsatztaktischen Gründen keine Angaben machen". Sie fügte hinzu, dass es sich bei dem Einsatz nicht um eine originäre Zuständigkeit des Bundespolizei-Flugdienstes handelte, sondern lediglich um Unterstützungsleistungen für die Länder.

Löscheinsatz musste umorganisiert werden

Der Abzug der Bundespolizeihubschrauber soll dazu geführt haben, dass der Einsatz zwischenzeitlich umgekrempelt werden musste. Der Grund: Der Fokus der Brandbekämpfer lag zu diesem Zeitpunkt nach Feuerwehrinformationen vor allem darauf, Einsatzkräfte im unwegsamen Gelände abzusetzen, damit diese dort Glutnester löschen können. Der von der Bundespolizei abgezogene "Super-Puma"-Helikopter hätte zwischen 15 und 18 Brandbekämpfer tragen können. Andere Modelle im Einsatz wie die der Landespolizei Sachsen-Anhalt hätten pro Flug nur maximal fünf Personen aufnehmen können. Die ursprüngliche Strategie sei so nicht aufgegangen, sagte der stellvertretende Kreisbrandmeister Sebastian Petrusch dem MDR. Über ein Amtshilfeersuchen sprang allerdings kurzfristig die Bundeswehr ein.

Der Einsatz der Bundespolizei-Hubschrauber ging am 8. September weiter. Am 9. September, also eine Woche nach Brandausbruch, meldete das Landratsamt Harz, "das Feuer ist unter Kontrolle. Es existieren nur wenige Glutnester". Am Abend wurden Brocken und Schierke wieder geöffnet. Beobachtungsflüge mit Wärmebildkamera dokumentierten nur noch geringe Wärme im Boden. Einen Tag später, am 10. September, gab der Feuerwehrleiter der Stadt Wernigerode das Signal "Feuer aus". Allein die Brandbekämpfung kostete der Feuerwehr zufolge etwa 3,2 Millionen Euro. Über die betroffene Waldfläche wird derzeit noch gestritten.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 16. September 2022 | 15:00 Uhr