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Um Wälder zukunftsorientiert umzubauen, sind Waldbesitzer auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Bildrechte: imago images/ari

ForstwirtschaftKlimastabiler Waldumbau extrem kostenaufwendig

von Jan Bräuer, MDR AKTUELL

Stand: 25. Januar 2022, 05:00 Uhr

Deutschlands Wälder kämpfen seit Jahren mit dem Borkenkäfer. Hinzu kommen allmählich auch die Folgen des Klimawandels. Deshalb muss der Wald umgebaut werden. Für Forstbesitzer ist das finanziell alleine kaum zu stämmen, sie sind auf Unterstützung seitens der Politik angewiesen.

Jörg Göring ist jeden Tag im Wald. Berufsbedingt. Er ist Chef der Forstbetriebsgemeinschaft Mechterstädt in der Nähe von Gotha. Seit 30 Jahren gehören ihm 400 Hektar, auf denen aktuell ein Mischwald entsteht, "der umgebaut wird auf Mischfunktionen. Ein Anteil von Laubholz, aber auch Nadelholz".

Der Umbau auf der Fläche hat längst begonnen. Was dort wachsen soll, wird später den neuen Thüringer Wald prägen. Mehr Mischung zwischen Laub- und Nadelwald. Resistenter Schädlingen gegenüber und widerstandsfähiger den Naturgewalten.

Mischung ist Experimentierfeld

Noch ist die Fläche jedoch ein Experimentierfeld: "Selbst bei der neuen Baumartenauswahl kann ihnen kein Wissenschaftler sagen, ob das funktioniert oder nicht. Also machen wir viele Baumarten in die Fläche, um das Risiko zu streuen", erklärt Göring.

Er ist auch Präsident des Thüringer Waldbesitzer-Verbands. Ein Zusammenschluss von Forstbetriebsgemeinschaften, Waldgenossenschaften, Forstbetrieben und Einzelwaldbesitzern. Das Wort Risiko steht normalerweise auf dem Index in seinem Verband. Denn die Mitglieder haben kaum finanziellen Spielraum für Risiko.

Holzverkauf seit zwei Jahren massiv eingebrochen

Die Einnahmen aus dem Holzverkauf sind seit zwei Jahren massiv eingebrochen. Verursacht unter anderem durch Trockenheit und Borkenkäfer-Plage. "Wir müssen ja mit den Holzerlösen die Investitionen in die Zukunft irgendwie finanzieren. Und das ist das Riesenproblem", bedauert der Waldbesitzer.

In Zahlen ausgedrückt: 42.000 Hektar stehen kahl und warten auf eine Neubewaldung, 100.000 Hektar auf den klimastabilen Umbau.

Finanzielle Unterstützung aus der Landespolitik

Die Politik muss helfen. Im vergangenen Jahr haben die Waldbesitzer neben den normalen Förderprogrammen eine zusätzliche Klimaschutz-Prämie vom Freistaat Thüringen bekommen – knapp 15 Millionen Euro. In diesem Jahr gibt es die Prämie nicht mehr.

Marcus Malsch, agrarpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag, findet das bedauerlich: "Das ist die Ökosystemleistung Wald für die Gesellschaft, und die muss ausgeglichen werden. Egal, ob das jetzt bei der Wiederbewaldung ist, oder bei den jungen Pflänzchen. Es bedarf eines großen Pflegeaufwands, wo kein Ertrag kommt. Und diese Zeit müssen wir dem Waldbesitzer geben und ihn dort unterstützen."

Diese Notwendigkeit erkennt auch die Forstministerin Suzanna Karawanskij von der Linkspartei. Sie rechnet vor, dass in diesem Jahr – so der Haushalt Anfang Februar vom Landtag beschlossen wird – etwa 20 Millionen Euro Fördermittel für die Privatwaldbesitzer bereitstehen. Und sie hofft auf außerdem auf Mittel vom Bund.

Zusätzliche Mittel vom Bund

Von 200 Millionen Euro für ganz Deutschland aus dem Energie- und Klimafonds ist die Rede. "Wir warten jetzt auf ein konkretes Umsetzungsmodell. Dazu habe ich mich auch schon mit dem Bundeslandwirtschaftsminister verständigt. Ich bin sehr optimistisch, dass dies gelingt", sagt Karawanskij. Wann das Geld zur Verfügung steht, kann sie allerdings noch nicht sagen.

Auf diesen Geldregen hofft Jörg Göring, der Präsident des Thüringer Waldbesitzer-Verbands und Chef der Forstbetriebsgemeinschaft Mechterstädt. Für die nächsten Wochen würde er sich aber über etwas anderes genauso freuen: Frost – damit der Boden gefriert und weiter Schadholz geborgen werden kann.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 25. Januar 2022 | 06:55 Uhr