Bevölkerungsschutz Leitstellen wollen Warnungen direkt an Auto-Navis schicken

Um Autofahrer schnell bei Gefahren zu informieren zu können, können die Leitstellen Warnmeldungen des Bevölkerungs- und Katastrophenschutzes künftig direkt an das Auto-Navi senden. Es ist eine erste Neuerung, um den Warnmittelmix in Deutschland besser aufzustellen.

Eine Frau tippt in einem Pkw auf den Screen eines Navigationssystems
In Zukunft können Leitstellen Warnungen auch direkt ans Auto-Navigationssystem senden. Bildrechte: dpa

Warnungen vor Gefahrenlagen können künftig direkt von der Leitstelle an das Navigationssystem des Autos gesendet werden. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) teilte mit, dass mit der Einführung des neues Dateienformates "TPEG2-EAW" Warnmeldungen direkt in das Auto übermittelt werden können.

Autofahrer sollen bei Gefahrenlagen schneller gewarnt werden

Das Dateiformat wird bereits für Verkehrsmeldungen genutzt. Künftig können die Leitstellen auch offizielle Warnungen etwa zu Unwettern oder Waldbränden versenden. Das soll nach BBK-Angaben Autofahrerinnen und Autofahrer schnell informieren und ihnen dabei helfen, eine sichere Route für die weitere Fahrt zu wählen. Die Warnungen werden in mehreren Sprachen widergegeben.

Warnmittelmix in Deutschland soll erweitert werden

Das System wurde zwei Jahre lang getestet und soll nun kontinuierlich eingeführt werden. Die Warnungen über das neue System können über DAB+ und über mobile Internetkanäle verbreitet werden.

Das "TPEG-EAW" ergänzt den Warnmittelmix in Deutschland und wird an das Modulare Warnsystem (MoWaS) angeschlossen. Weiterhin in Arbeit ist das Cell Broadcasting System als neues Warnmittel. Dieses System kann Warnungen per SMS an alle Handys schicken, die in einer bestimmten Mobilfunkzelle eingeloggt sind. So können örtlich sehr genaue Warnungen verschickt werden.

Diese Warnapps gibt es und das können sie

Name: NINA (Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes)  Herausgeber: Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe  Warnt vor: Großbränden, Unwettern, Hochwasser, Stromausfall, Ausbreitung eines  Gefahrstoffes, Terroranschlägen  Vorteile: Personalisierbar, Handlungstipps bei bestimmten Katastrophen, greift auch auf  Informationen von anderen Apps zu wie zum Beispiel DWD WarnWetter   Nachteile: vereinzelt Fehlalarme, viele Daten werden gespeichert
Bildrechte: MDRklärt
Name: NINA (Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes)  Herausgeber: Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe  Warnt vor: Großbränden, Unwettern, Hochwasser, Stromausfall, Ausbreitung eines  Gefahrstoffes, Terroranschlägen  Vorteile: Personalisierbar, Handlungstipps bei bestimmten Katastrophen, greift auch auf  Informationen von anderen Apps zu wie zum Beispiel DWD WarnWetter   Nachteile: vereinzelt Fehlalarme, viele Daten werden gespeichert
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Name: KATWARN   Herausgeber: Fraunhofer-Institut FOKUS  Warnt vor: Großbränden, Unwettern, Hochwassern, Stromausfällen, Ausbreitung von  Gefahrstoffen, Terroranschlägen  Vorteile: Begrenzung auf definierte Empfängergruppen und Gebiete, greift auch auf  Informationen von anderen Apps zu wie DWD WarnWetter zu  Nachteile: Warnt vor allem bundesweit, weder Sachsen-Anhalt noch Thüringen oder Sachsen bekommen landesweite Gefahrenmeldungen, Funktionen regional unterschiedlich,  Maximal Informationen für 8 Postleitzahlen können eingesehen werden
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Name: BIWAPP (Bürger-Info- und Warn-App)  Herausgeber: Marktplatz GmbH  Warnt vor: Bombenfunden, Chemieunfällen, Feuern, Hochwassern, Erdrutschen, Großschadenslagen, Unwettern, und Seuchenfallen. Zudem: Schulausfällen, Fahndungen und  Verkehrsunfällen  Vorteile: Notruffunktion, personalisierbar  Nachteile: Nicht alle Kommunen teilen Informationen über BIWAPP
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Name: BIWAPP (Bürger-Info- und Warn-App)  Herausgeber: Marktplatz GmbH  Warnt vor: Bombenfunden, Chemieunfällen, Feuern, Hochwassern, Erdrutschen, Großschadenslagen, Unwettern, und Seuchenfallen. Zudem: Schulausfällen, Fahndungen und  Verkehrsunfällen  Vorteile: Notruffunktion, personalisierbar  Nachteile: Nicht alle Kommunen teilen Informationen über BIWAPP
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Quelle: bbk

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 29. August 2021 | 21:45 Uhr

4 Kommentare

Freies Moria vor 1 Wochen

@MDR-Team: Wenn Gefahrenmeldungen gezielt bestimmten Personenkreisen zugespielt werden können, dann könnte man z.B. Demonstranten (oder Gegendemonstranten) einen Umweg fahren lassen, der sie zu spät kommen läßt, weil sie einer Evakuierungsmeldung wegen Bombenbergung vertrauen.
Das Problem ist: Es ist möglich gezielt bestimmten Verkehrsteilnehmer diese gefälschte Meldung zukommen zu lassen. Dadurch nehmen nur wenige Leute Kenntnis von dem Problem und es wird auch nicht nachverfolgt. Die Zielpersonen vertrauen aber der Meldung und damit ist sie effektiv.
Digitalkompetenz ist, wenn man solche Möglichkeiten in neuen Techniken sofort erkennt. Offensichtlich sind wir in Deutschland davon noch ganz ganz weit entfernt.

MDR-Team vor 1 Wochen

Hallo Freies Moria,
es geht hier nicht um die Umleitung nach einem "Gusto", sondern um Informationen über eventuelle Verkehrsbehinderungen und Gefahrenmeldungen. Welche Strecke Sie letztendlich fahren, bleibt in vielen Fällen weiterhin Ihnen überlassen. Das Navigationssystem soll so unterstützt werden, eine Umleitung zu finden. Die Szenarien, die Sie beschreiben liegen nicht im Sinne des des Bevölkerungs- und Katastrophenschutzes.
Liebe Grüße aus der MDR.de-Redaktion

Freies Moria vor 1 Wochen

Lese ich richtig? Der Staat leitet den Verkehr nach seinem Gusto um? Hooligans schaffen es einfach nicht mehr rechtzeitig ins Stadion? Mercedes-Fahrer werden weiträumig um das Golf-Treffen umgeleitet? SUV-Fahrer finden Berlin-Kreuzberg nicht mehr im Navi?
Wer hat da nochmal nach Digitalisierung gerufen?

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