Hörer machen Programm Warum die Krankenkassen keine Corona-Impfzertifikate ausstellen

Lydia Jakobi, Autorin und Reporterin
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Seit dem Ende der kostenlosen Corona-Tests sind in Deutschland vermehrt gefälschte Impfnachweise im Umlauf. Allein in Sachsen und Thüringen gab es zuletzt in mehr als 70 Fällen den Verdacht, dass Menschen mit nachgemachten Impfpässen an ein digitales Zertifikat kommen wollten. MDR AKTUELL-Hörer Thomas Krüger aus Leipzig schlägt deshalb vor, die Zertifikate von den Krankenkassen ausstellen zu lassen. Warum passiert das aber nicht?

Eine Kundin übergibt ihren Impfpass und ein Covid-19 Impfzertifikat in einer Apotheke
Der Umweg der Impfnachweise über die Apotheken macht es Impfpass-Fälschern leichter. Bildrechte: dpa

Die Idee klingt erstmal logisch: Normalerweise werden medizinische Behandlungen, auch Impfungen, von den Krankenkassen bezahlt. Warum sollen sie dann nicht auch die Zertifikate für die Covid-19-Impfungen ausstellen? So würde der Umweg über die Apotheken entfallen.

Krankenversicherung keine Voraussetzung für Corona-Impfung

Im Fall von Corona sei die Sache anders gelagert, erklärt Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping MDR AKTUELL: "Da ist es ganz einfach so, dass alle Personen, die ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthaltsort in der Bundesrepublik haben, eben auch nach der Coronavirus-Impfverordnung des Bundes einen Anspruch auf die Impfung haben." Das heiße, die Krankenversicherung sei damit nicht die Voraussetzung, sondern dass die Menschen hier wohnten.

Die Krankenkassen haben mit der Covid-Impfung also eigentlich nichts zu tun. Deshalb müssen Patientinnen und Patienten, die sich gegen Corona impfen lassen wollen, auch nicht zwingend ihre Chipkarte vorlegen. Es genügt ein Ausweis. Denn die Kosten trägt der Bund – egal, ob das Vakzin in einem Impfzentrum oder einer Arztpraxis gespritzt wurde.

AOK: Krankenkassen sind nicht in Impfprozess involviert

Folglich habe man auch keine Abrechnungsdaten der Geimpften und könne keine Zertifikate ausstellen, sagt Hannelore Strobel, Sprecherin der Krankenkasse AOK Plus: "Also die Daten der Geimpften bekommen die Krankenkassen überhaupt nicht. Und insofern ist dieser ganze Vorgang des Impfens gegen Covid-19 für uns genauso wenig transparent wie für viele andere, eben weil diese Impfung aus dem Steuertopf bezahlt wird und nicht aus dem Topf der gesetzlichen Krankenversicherung."

Deswegen könnten die Krankenkassen auch nie Zahlen liefern über Impfquoten, weil sie in diesem ganzen Prozess nicht involviert seien. Das bestätigen auch Nachfragen beim GKV-Spitzenverband, der zentralen Lobbyorganisation der Versicherer und bei der Techniker Krankenkasse.

Frewilliger digitaler Pass für alle Impfungen ab 2022

Trotzdem wünscht sich Hannelore Strobel von der AOK Plus perspektivisch ein anderes System für die Impfnachweise: "Dieser Zertifizierungsvorgang ist ja jetzt eine einmalige Geschichte. Und für uns wäre es schon sinnvoll, dass man die Corona-Impfung wie jede andere Impfung in einem elektronischen Impfpass speichert – sodass man immer, wenn man nachweisen muss, dass man diese Impfung hat, das auch einfach digital tun kann."

Ein solcher digitaler Pass für alle Impfungen wird Anfang 2022 als Teil der elektronischen Patientenakte eingeführt. Die Versicherten können aber selbst entscheiden, ob sie ihn nutzen wollen.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. November 2021 | 06:23 Uhr

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