Infektionsrisiko Mehr Erkältungen durch Wegfall der Maskenpflicht?

Die Maske hat in den letzten zwei Jahren nicht nur das Risiko einer Corona-Infektion minimiert, sondern auch vor anderen Atemwegserkrankungen geschützt. Nun nehmen die Erkältungen wieder leicht zu, Tendez steigend. Experten sehen darin Zusammenhänge, geben jedoch auch ein stückweit Entwarnung vor einer schweren Erkältungswelle.

Frau mit Erkältung, eingemummelt auf dem Sofa
Laut Experten könnten sich nun durch den Wegfall der Maskenpflicht Erkältungsinfektionen wieder häufen. Bildrechte: IMAGO/Westend61

Eine laufende Nase, Husten oder Halsschmerzen – seit Beginn der Corona-Pandemie kramt man bei diesen Symptomen zu Hause schon nach dem nächsten Selbsttest. Habe ich jetzt Corona oder doch eine Erkältung? Eins ist klar: Die Maske hat dafür gesorgt, dass wir viel weniger Viren ausgesetzt waren. Jetzt, da die Maskenpflicht weg ist, könnte das auch wieder mehr Erkältungen bedeuten – sagt Torben Ostendorf.

Er ist Vorsitzender des Sächsischen Hausärzteverbandes und beobachtet aktuell durchaus eine Zunahme: "Das ist auch auf einem Niveau, was über dem Niveau vor der Pandemie liegt. Ob das jetzt tatsächlich mit dem Wegfall der Maskenpflicht in Zusammenhang zu bringen ist, kann ich natürlich noch nicht sagen. Das muss man später wissenschaftlich beantworten."

Immunsystem hat "verlernt" mit Erkältungsviren umzugehen

Aber er könne sich durchaus vorstellen, dass es da eine Verbindung gibt: "Einfach weil wir über die letzten Jahre die Maske getragen haben, dadurch unser Immunsystem mit Erkältungsviren nicht mehr so in Kontakt gekommen ist durch die vorsorglichen Schutzmaßnahmen. Und wir, salopp gesagt, ein bisschen verlernt haben, mit diesen dann umzugehen."

Bei Kindern hat das Melanie Ahaus vor allem im vergangenen Jahr beobachtet. Sie ist Kinderärztin in Leipzig und meint, am extremsten sei die Erkältungswelle kurz nach dem Lockdown gewesen: "Als gerade die kleineren Kinder nicht in die Kindertageseinrichtungen gehen und einfach keine gute Immunabwehr aufbauen konnten. Diesen Effekt sehen wir in diesem Jahr eigentlich nicht so stark, weil die Kinder ja in den Einrichtungen waren, Infekten ausgesetzt waren und deshalb würde ich das für jetzt nicht so sehen."

Im Frühling dominieren Allergien

Schaut man auf die Wochenberichte der Arbeitsgemeinschaft Influenza vom Robert-Koch-Institut, ergibt sich ein ähnliches Bild. So gingen im April die Fälle akuter Atemwegserkrankungen in Sachsen zurück. Von knapp 250 auf 120. Aktuell liegen sie bei 100.

Ursula Gütle betreibt eine Apotheke in Halle und glaubt, das liege vor allem an der Saison: "Na es wird ja auch Frühling. Das heißt, dass die Erkältungskrankheiten sowieso zurückgehen. Aber ganz viel, was wir im Moment haben, sind eigentlich Allergien."

Mit Blick auf den Sommer plädiert Holger Fischer vom Hausärzteverband Sachsen-Anhalt dafür: Wenn die Erkältungskrankheiten und positiven Corona-Tests weiter sinken, die Maskenpflicht auch in Bus und Bahn abzuschaffen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. Mai 2022 | 06:00 Uhr

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