Corona-Regeln Weihnachten mit zehn Personen – eine praktikable Lösung?

Zehn Personen über 14 Jahren: Das sieht eine Beschlussvorlage der Bundesländer als Maximalbelegung unterm Tannenbaum vor. Heute beraten die Länder darüber mit der Bundesregierung.

Zwei Erwachsene sitzen mit drei Kindern vor einem Buch
Weihnachten soll dieses Jahr in kleinem Kreis gefeiert werden. Bildrechte: Panthermedia

Tobias Krull stellt sich selbst schon auf, wie er sagt, persönliche Verluste ein. Heißt: Weihnachten nicht wie gewohnt feiern zu können, erklärt der familienpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt: "Dieses Weihnachten wird sicher für viele Familien ein komplett anderes Weihnachten sein und nicht unbedingt ein schönes Weihnachten."

Zehn Personen aus mehreren Haushalten

Während die Länder die Kontakte bis kurz vor dem Fest auf maximal fünf Personen aus zwei Haushalten beschränken wollen, soll Weihnachten dann eben wieder mehr drin sein: zehn Personen, auch aus mehreren Haushalten.

Aus Sicht von Tobias Krull ist das richtig: "Wir müssen auch gerade zu den Feiertagen immer wieder feststellen, dass das eine emotional herausfordernde Zeit ist für viele. Von daher sollten wir diese Familienkontakte auf jeden Fall ermöglichen zu Weihnachten."

Kritik an Lockerung von der Linken

Anderer Meinung ist da Rico Gebhardt, Fraktionschef der Linken im sächsischen Landtag. Als Mann aus dem Erzgebirge, praktisch dem Weihnachtsland schlechthin, wisse er um die Bedeutung des Fests. Aber: "Es lohnt sich, glaube ich nicht für dieses Fest, das einmal im Jahr stattfindet, Lockerungen zu beschließen, um dann im Januar in einen harten Lockdown zu gehen."

Aktuell erwarten die Länderchefs, dass sich die Verlängerung des sogenannten "Lockdowns light" bis Weihnachten positiv auswirkt, etwa mit Blick auf die Intensivstationen.

Unklare Lage

Rico Gebhardt, 2015
Rico Gebhardt, Fraktionschef der Linken im sächsischen Landtag, verweist auf eine sich ständig verändernde Lage. Bildrechte: dpa

Und wenn nicht? Rico Gebhardt warnt davor, die Aussichten auf die Lockerungen zu Weihnachten jetzt als gesetzt anzusehen: "Sollten die Zahlen aber nicht stark zurückgehen, könnte ich mir vorstellen, dass es dann eine ernsthafte Beschränkung gibt. Im Moment ist das eher eine Orientierung für das Weihnachtsfest."

Falls Bund und Länder in Betracht ziehen, im Notfall  doch wieder einen Kurswechsel zu vollziehen, hin zu einem Fest unter dem Motto: Jeder unterm eigenen Baum, dann sollte das auch klipp und klar kommuniziert werden, empfiehlt Politikwissenschaftler Hendrik Träger von der Universität Leipzig.

Regelung unter Vorbehalt

Hendrik Träger sagt: "Das muss man auch der Bevölkerung sagen: Wir haben die Form der Feier des Weihnachtsfestes im starken Maße selbst in der Hand. Insofern ist es dann auch wichtig, dass die Regelung für Weihnachten, die jetzt diskutiert wird, noch unter Vorbehalt gesehen wird, weil wir noch vier Wochen Zeit haben."

Grundsätzlich aber hält Träger die Zehner-Regel für eine praktikable Sache. Patricia Arndt sieht das anders. Sie spricht für den Verband kinderreicher Familien in Deutschland. Wenn man an einer Kleinfamilie Maß nehme, könnte das eine praktikable Lösung sein. Es gebe in Deutschland aber etwa 1,4 Millionen Familien, die drei und mehr Kinder haben. Für die sehe das ganz anders aus.

Kinderreiche Familien

Einen konkreten Vorschlag hat der Verband nicht. Patricia Arndt verlangt auch keine Ausnahmen, wohl aber alltagstaugliche Tipps für Familien mit vielen Kindern: "Es wäre ihnen sehr geholfen, wenn man ihnen Wege an die Hand gibt, die auch für sie und ihre Familienrealität umsetzbar wären."

Angst vor Kontrollen müssen Familien aus Sicht des familienpolitischen Sprechers der CDU-Fraktion aus Sachsen-Anhalt, Tobias Krull, aber nicht haben: "Eine Weihnachtspolizei nach dem Motto: Jetzt sitzen hier elf Personen in einem Raum wird es nicht geben."

Tatsächlich dürfte die Polizei wohl kaum spezielle Einsatzkommandos bilden. Die Polizeidirektion Leipzig werde die Verfolgung von Ordnungswidrigkeiten, wozu auch Verstöße gegen die Corona-Schutz-Verordnung gehören - analog zu allen anderen polizeilichen Maßnahmen bewältigen, heißt es auf Anfrage von MDR AKTUELL.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. November 2020 | 05:00 Uhr

41 Kommentare

Normalbuerger vor 21 Wochen

Die neuerlichen Beschlüsse und Verlängerungen sind an Aktionismus und purer Sinnlosigkeit nicht mehr zu überbieten! Alle Freizeitbeschäftigungen draußen werden verboten , damit sich dann auch ja alle zu Hause in beengten Wohnungen treffen ! Warum wird Skifahren verboten ? Es ist eine Einzelsportart an der frischen Luft mit großem Abstand. Bei den Liften könnte man nur jeden 2.Platz , wenn fremder Hausstand, besetzen und die Apres Ski Parties fallen halt dieses Jahr aus . Wo liegt das Problem? Alle sagen 2 Meter Abstand ohne Maske verringert das Infektionsrisiko deutlich, nun muss mit Maske im Laden 20qm ( also 5x4 Meter Platz gehalten werden , statt 2x2m? Und ja die Öffnung zu Weihnachten ist richtig! Für viele Großeltern und Ältere Leute wird es das letzte Weihnachten sein, sollen diese Menschen das in Einsamkeit verbringen ? Die Regierung brauch sich nicht wundern, wenn aufgrund dieser Unlogik der Maßnahmen eine Coronamüdigkeit entsteht.

Ritter Runkel vor 21 Wochen

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind im Jahr 2019 in Deutschland 939.500 Menschen gestorben. Das waren durchschnittlich 2.574 pro Tag. Viele davon sind sogenannten Zivilisationskrankheiten erlegen. Wer erzählt die Geschichten all derer, die schlechter Luft, falscher Ernährung, Alkohol, Umweltgiften u.s.w. zum Opfer gefallen sind, weil unsere Wirtschaft unbedingt wachsen muss, koste es, was es wolle? Müsste, wer den an Corona Verstorbenen ein Gesicht geben, ihre Geschichten erzählen möchte, nicht auch an alle anderen Verstorbenen erinnern? Und ist das zu schaffen: jeden Tag 2.574 Gesichter und ebenso viele Geschichten? Wenn nicht, wer entscheidet dann über Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit? Genügt es denn nicht, dass unter den Lebenden willkürlich Privilegien verteilt werden? Muss es jetzt auch noch Tote erster Klasse geben und solche, die grade vollkommen uninteressant sind für die Lebenden?

KeineAusreden vor 21 Wochen

Schlimm finde ich, das man hört (Nachbarin ist Krankenschwester auf der Intensivstation eines großen Krankenhauses in Dresden) das dem Krankenhaus mehr Geld zur Verfügung gestellt wird, wenn der Patient Corona hat.... Das ist praktisch, da es bisherkaum Akutpatienten mit Virusgrippe gibt.

Schlimm finde ich auch Beschlüsse die keiner kontrollieren kann. Ich lasse am 24.12. 18Uhr keine Kontrolleure in die Stube. Das macht Frau Merkel oder Herr Lauterbach sicher auch so. Wer weiß was die Kontolleure dort feststellen würden.

Mehr aus Panorama

Zwei Piktogramme, die ein Krankenhaus und ein Bürogebäude symbolisieren. Das Bürogebäude trägt die Aufschrit "DIVI". 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mehr aus Deutschland