Hundeleid in der Pandemie Corona heizt illegalen Hundehandel an

Hunde gelten als des Menschen bester Freund. Sie bieten Gesellschaft, Bewegung und Beschäftigung – alles gute Gründe, um sich während der Pandemie einen vierbeinigen Gefährten zu suchen. Die Nachfrage ist so hoch wie lange nicht. Die Preise steigen - auch die der illegal gehandelten Tiere. Am Wochenende wollen Tierschützer mit Mahnwachen, Plakaten und einer Social-Media-Kampagne auf das Problem aufmerksam machen.

Illegal gehandelte Hundewelpen verschiedener Rassen sitzen in einem großen Plastekorb.
Illegal importierte Welpen werden beschlagnahmt und in ein Tierheim gebracht. Bildrechte: Lausitznews.de

Dass die Deutschen immer mehr Freude am Hund haben, ist inzwischen bekannt: In den vergangenen sechs Jahren wurden jedes Jahr mehr Hunde registriert. Das zeigen Zahlen der Kommunen aber auch von Tierschutzorganisationen.

In den Corona-Monate hielt diesen Trend weiter an. Das zeigen auch Zahlen der Tierschutzorganisation TASSO. Sie führt rund fünf Millionen Hunde in ihrem Register – und damit etwa jeden zweiten in Deutschland registrierten Hund. Die Organisation registrierte im Pandemie-Jahr 2020 rund 433.000 neue Hunde, acht Prozent mehr als 2019 mit 402.000 Hunde-Registrierungen. Die Steigerung fällt damit doppelt so hoch aus wie in den Jahren zuvor. Besonders wachstumsstark laut TASSO: Unter anderem die Monate um den Jahreswechsel.

Der Trend hält an. Diesen Schluss lassen zumindest Zahlen aus Leipzig und Erfurt zu, die aktuelle Zahlen bereits für dieses Jahr haben. Demnach fällt der Zuwachs schon in der ersten Jahreshälfte so hoch aus wie sonst nur im gesamten Jahr. Und das Zahlenwerk deckt sich mit den Erfahrungen von Züchter wie Heike Longino-Ziecke in Kabelsketal, die fast aggressiv von Käufern umworben wurde. Hatte sie sonst für einen Wurf um die zehn Anfragen, erzählt sie, waren es schon im vergangenen Frühjahr 30 bis 40.

Der Trend hält an. Diesen Schluss lassen zumindest Zahlen aus Leipzig und Erfurt zu, die aktuelle Zahlen bereits für dieses Jahr haben. Demnach fällt der Zuwachs schon in der ersten Jahreshälfte so hoch aus wie sonst nur im gesamten Jahr. Und das Zahlenwerk deckt sich mit den Erfahrungen von Züchter wie Heike Longino-Ziecke in Kabelsketal, die fast aggressiv von Käufern umworben wurde. Hatte sie sonst für einen Wurf um die zehn Anfragen, erzählt sie, waren es schon im vergangenen Frühjahr 30 bis 40.

Die Züchterin aus Sachsen-Anhalt sucht sich die Halter für ihre Würfe immer sehr genau aus. Einige Interessenten warten ihren Angaben zufolge bis zu zwei Jahre. Wartezeiten, die nicht in diese Zeit passen. Und das macht den Verband für das Deutsche Hundewesen Sorgen. Der Sprecher der führenden Interessenvertretung von Hundehaltern in Deutschland, Udo Kopernik, fürchtet, dass viele Interessenten auf anderen Wegen suchen.

Denn das Angebot steht: "Die meisten Hunde kommen über illegale Wege nach Deutschland", so seine Einschätzung. "Welpen kommen aus hygienisch schwierigen Umständen, werden viel zu früh von der Mutter getrennt, also bevor sie acht Wochen alt sind. Oft sind sie nicht entwurmt, nicht korrekt geimpft. Letztlich ist das Betrug am Käufer."

Tierärzte spüren Lockdown

Dr. Uwe Hörügel, Präsident der Sächsischen Landestierärztekammer kann das bestätigen. Die Einfuhr illegaler Welpen sei ganz deutlich zurückgegangen, als die Grenzen zu Polen und Tschechien im Lockdown geschlossen waren, sagt er. Mit der Wiederöffnung der Grenze sei sie wieder gestiegen, sprunghaft. Auch die Preise. Für Hörügel deutliche Indiz für die hohe Nachfrage.

Wer Hunde von illegalen Händlern kauft, bekommt oft ein krankes Tier, oft zu jung, oft mit auf Menschen übertragbaren Virusinfektionen. Viele der angehenden Halter wissen nach Erfahrung der Ärzte auch nicht, worauf sie beim Kauf achten müssten, das richtige Alter, die richtigen Impfungen, den EU-Heimtierausweis, Chip und Ausweisnummer, die bestenfalls zusammenpassen.

Dabei ist das Problem bekannt. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft informiert im Netz über die wichtigsten Kriterien inklusive einer Checkliste für den Welpenkauf.

Auch ebay Kleinanzeigen bekämpft illegalen Hundehandel

Ebay Kleinanzeigen beispielsweise hat ebenfalls reagiert. Wer dort einen Hund sucht, bekommt ein Popup eingeblendet, worauf zu achten ist, inklusive Muster-Kaufvertrag. Das Portal sucht bereits seit einigen Jahren aktiv nach Anzeigen, die auf illegalen Welpenhandel hindeuten. User sind aufgefordert, missbräuchliche Anzeigen zu melden.

"Noch vor wenigen Jahren wären wir sicher ein guter Seismograph für die Entwicklung von Angebot und Nachfrage nach Hunden gewesen", sagte ein Sprecher dem MDR. Inzwischen ist die Zahl der auf ebay Kleinanzeigen eingestellten Hunde-Anzeigen stark gesunken: Von 36.500 im 4. Quartal 2017 auf 14.500 im 4. Quartal 2019 auf 4.200 Ende 2020. Im Corona-Herbst hat die Plattform weiter nachgelegt: Seit Oktober 2020 gilt ein Qualzuchtverbot. Damit können einige Mode-Rassen nicht mehr angeboten werden. Auch können Tiere nicht mehr verliehen werden. "Es mag grotesk erscheinen: Unser Ziel ist es, möglichst unattraktiv zu sein; zumindest für unseriöse Anbieter. Die Entwicklung der Anzeigenzahlen zeigt, dass uns das offensichtlich geglückt ist."

Schmuggel zieht an

Doch es gibt noch andere Plattformen und Möglichkeiten, an junge Hunde zu kommen. Das haben in den vergangenen Monaten insbesondere Bundespolizisten an der sächsischen Grenze zu spüren bekommen: Sachsen gilt neben Bayern als Einfalltor für Tierschmuggler aus Osteuropa. Während des Lockdowns und den damit verbundenen schärferen Grenzkontrollen beschlagnahmten die Bundespolizisten mehr Welpen auf als in den Vorjahren: Waren es in den Jahren 2018/19 noch 25 bis 30 Tiere, waren es 2020 schon 49 Welpen. Allein in den ersten vier Monaten dieses Jahres wurden 82 Hundewelpen bei Kontrollen sichergestellt, so Sprecher Steffen Ehrlich von der Bundespolizeidirektion Pirna.Darunter waren Labrador-Retriever, Bichon frisé und Pomeranian-Zwergspitze.

Tierheim: Historischer Tiefstand an zu betreuenden Tieren

Die Bundespolizei übergibt die Tiere an Tierheime. Einige von ihnen kommen auch in Sachsens größtes Tierheim in Leipzig-Breitenfeld. Ein Tier, weiß dessen Geschäftsführer Michael Sperlich, kann Schmugglern bis zu 5.000 Euro einbringen. Ein lukratives Geschäft für die Dealer. Doch für die Hunde oft eine Qual, denn sie müssen in Tollwut-Quarantäne. "Das bedeutet, dass der Hund im Durchschnitt drei Monate in einem Quarantäne-Zwinger sitzt. Da ist nix mit Gassi-Gehen. In der wichtigsten Prägungsphase sitzt dieses arme Wurm in diesem Zwinger."

Eindringlich rät Sperlich vom Kauf solcher Tiere ab. Dann gäbe es keinen Schmuggel und "keine Hündinnen, die irgendwo unter unvorstellbaren Bedingungen in irgendwelchen osteuropäischen Ländern innerhalb und außerhalb der EU als Gebärmaschinen agieren. Die gibt es nur, weil es hier Bürger gibt, die eben diese Hunde kaufen – für aus meiner Sicht absurde Beträge."

In den Tierheimen aber werden die potenziellen Hundekäufer jetzt auch nicht mehr fündig – denn dort wurden mit Beginn des ersten Lockdowns alle vermittelbaren Tiere vergeben. Sperlich zufolge erlebt das Leipziger Tierheim im Februar und März einen historischen Tiefstand an zu betreuenden Tieren. Übrig geblieben seien nur Hunde, die "gestuft" sind: als gefährlich, vermutlich gefährlich oder gefährlich im Einzelfall. Also Tiere, die kaum eine Chance haben, vermittelt zu werden und in ein normales Leben zurück zu kommen.

Protestaktionen am Wochenende

Sperlich sorgt sich, dass sich diese Lage bald ändern wird. "Ich habe mich mit Hundetrainern unterhalten, die gesagt haben: Wenn wir uns die Leute angucken – in ein paar Monaten hast Du die Hälfte der Hunde bei Dir im Tierheim. Das wird sowieso nie was, bei den Leuten. Ich hoffe nicht, dass sich diese sehr negative Bewertung bewahrheitet. Wir wünschen uns inständig, dass die meisten Hunde wirklich dort auch glücklich werden und die Familien mit ihnen glücklich werden oder die Personen und dass sie zusammenbleiben, bis das der Tod sie scheidet."

Weil auch immer wieder Welpen durch illegalen Handel sterben, schlagen deutsche Tierschutzvereine und Tierheime nun Alarm. Unter dem Titel "Süße Ware, schneller Tod: Welpenhandel stoppen!" starten am Wochenende, am 29. Mai, mehr als 60 Tierschutzpartner eine bundesweite Kampagne. Mit Mahnwachen, Plakataktionen und in den sozialen Netzwerken wollen sie die Menschen für das Leid der Tiere sensibilisieren.

#welpenhandelstoppen ist eines ihrer Hashtags. "Bin ich nicht süß? Mein Name ist Yuri und ich bin tot", heißt es auf einem der Plakate, die potenzielle Käuferinnen und Käufer wachrütteln sollen.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN UMSCHAU | 23. Februar 2021 | 20:15 Uhr

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