Immunisierung Erst wenige Boosterimpfungen in Mitteldeutschland

Der Winter naht, die Inzidenzzahlen steigen und bei den Ersten lässt der Impfschutz langsam schon wieder nach. Seit September gibt es in Mitteldeutschland deshalb Boosterimpfungen. Als erstes waren auch diesmal die besonders vulnerablen Gruppen dran. Ein Blick auf die Statistik zeigt allerdings: Besonders viele sind es noch nicht, die die Auffrischung bis jetzt bekommen haben.

Spahn bekommt Auffrischungsimpfung
Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sich vor wenigen Tagen eine Auffrischungsimpfung mit dem Wirkstoff von Biontech/Pfizer verabreichen lassen. Bildrechte: dpa

Menschen über 70, Pflegekräfte in Altenheimen, Ärztinnen und Ärzte, Personen mit Vorerkrankungen – alles Kandidaten für eine Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus. In den Arztpraxen in Sachsen-Anhalt fragt man sich allerdings, wo diese Menschen bleiben, berichtet Jörg Böhme, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung: "Die Auffrischungsimpfungen gehen relativ schleppend voran, das liegt zum einen daran, dass die Nachfrage nicht sehr groß ist, das heißt, es melden sich nicht sehr viele Patienten in den Praxen, die um einen Termin bitten."

Sehr niedrige Impfzahlen bisher

Wie viele Personen aus diesen Gruppen schon eine Auffrischungsimpfung bekommen haben, ist schwer zu sagen. Das Sozialministerium in Sachsen-Anhalt führt dazu keine gesonderte Statistik. Und auch in Sachsen und Thüringen kann man auf Nachfrage keine Zahlen nennen. Alle drei Ministerien verweisen auf das Robert Koch-Institut, das die Anzahl der Auffrischungsimpfungen erfasst. In Sachsen-Anhalt sind demnach bislang rund drei Prozent aller Durchgeimpften zur Auffrischung erschienen. In Thüringen sind es knapp vier Prozent, in Sachsen nur zwei.

Stefan Windau, Arzt aus Leipzig und Vorstandsmitglied der Landesärztekammer, räumt ein, absolut gesehen seien zwei Prozent wenig: "Aber relativ gesehen würde ich das nicht zu stark bewerten, denn viele Patienten sind an der Sache interessiert, haben aber einfach noch nicht die Kenntnis dessen, dass das möglich ist, sie sind verunsichert".

Thüringen gibt Booster-Impfung für alle frei

Jonas Schmidt-Chanasit, Immunologe am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg, bewertet die Lage anders: "Das sind sehr niedrige Zahlen und die müssen uns Sorgen machen, da muss wesentlich mehr Schwung in diese Kampagne in die Auffrischimpfung."

Und in Thüringen geben die Zahlen offenbar Anlass zur Sorge. Dort haben das Sozialministerium und die Kassenärztliche Vereinigung (KV) am Freitag beschlossen, dass die Altersbegrenzung für die Booster-Impfung ab November wegfallen soll. Auch die Wartezeiten sollen sich verkürzen – je nach Impfstoff auf teils nur noch vier Wochen, berichtet die KV-Vorsitzende Annette Rommel: "Sodass wir denken, dass es doch dann wesentlich mehr Menschen in Anspruch nehmen werden, die dritte Impfung, und das halten wir auch für notwendig mit Hinblick auf die steigende Infektionszahl in Thüringen."

Booster-Freigabe für alle in Sachsen umstritten

In Sachsen hat die Impfkommission des Landes Ende der Woche ihre Empfehlung auf ähnliche Art ausgeweitet. Nach Meinung des Immunologen Jonas Schmidt-Chanasit ist das allerdings nicht der richtige Weg.

Jonas Schmidt-Chanasit
 Jonas Schmidt-Chanasit Bildrechte: imago images / teutopress

Er stehe hinter der Empfehlung der Stiko. "Das ist unsere unabhängige Kommission, die das wissenschaftlich bewertet, und sie ist zu dieser Entscheidung gekommen, und ich halte es für kontraproduktiv das anders zu kommunizieren."

Die Impfung müsse zur Zielgruppe – also vor allem die über 70-Jährigen und Menschen in Pflegeeinrichtungen – gebracht werden. Und es müsse dort eine Aufklärung darüber geben, wie wichtig die Auffrischung ist, so der Virologe. Das werde einer der entscheidenden Punkte sein, damit man ohne größere Belastungen in den Krankenhäusern durch den Herbst und Winter komme.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. November 2021 | 06:00 Uhr

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