Ausgependelt Auch nach Corona weniger Berufspendler erwartet

Weil derzeit vermehrt im Homeoffice gearbeitet wird, gibt es weniger Pendlerverkehr. Nun könnte man meinen, das ist halt so in der Coronakrise, logischerweise. Experten rechnen aber mit einem langfristigen Effekt.

Stau auf der B14 Richtung Stadtmitte Stuttgart Baden-Wuerttemberg Deutschland
Auch nach Corona weniger im Stau stehen und einige Tage zu Hause arbeiten? Experten sehen auch langfristig einen Trend zum Homeoffice. Bildrechte: imago images/Lichtgut

Ein Schreibtisch, ein Computer, eine Pflanze – Jörg Behrend hat sich in seinem Einfamilienhaus in Bennstedt bei Halle in einem Zimmer unterm Dach sein Homeoffice eingerichtet. Hier arbeitet er nun schon seit Wochen, Tag für Tag.

Er sagt, das Hommeoffice habe schon seine Vorteile. Man könne länger schlafen, man habe die Fahrerei nicht, die jeweils früh als auch abends eine Stunde in Anspruch nehme. Die Decke falle ihm schon manchmal auf den Kopf, weil ihm die Kollegen fehlen.                                                                   

Auch nach Corona zwei Tage Homeoffice

Eigentlich ist Jörg Behrend Pendler. Wenn gerade keine Coronakrise herrscht, fährt er jeden Tag mit dem Auto nach Leipzig in ein großes Bürogebäude hinterm Hauptbahnhof. Doch Corona hat seine Arbeit verändert – und wird sie wohl auch in Zukunft verändern. Sein Arbeitgeber hat für die Zeit nach Corona angekündigt, dass alle Mitarbeiter pro Woche zwei Arbeitstage zu Hause arbeiten können.

Jörg Behrend sagt dazu: "Das heißt drei Tage in die Firma fahren und zwei Tage sind wir dann im mobile Working. Das ist natürlich eine schöne Sache und ich hoffe, das wird auch so umgesetzt."

Corona schafft Digitalisierungsschub

Weniger Pendeln, mehr Homeoffice – diesen Trend sagen Verkehrs- und Wirtschaftsexperten ohnehin seit Jahren voraus. Die Digitalisierung der vergangenen Jahre habe dafür die Grundvoraussetzung geschaffen.

Doch die Corona-Krise werde das in fast allen Branchen beschleunigen, erklärt Prof. Dr. Regine Gerike, Verkehrswissenschaftlerin an der TU Dresden: "Ich denke, dass das die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen stärker einfordern werden, weil sie die Qualitäten jetzt auch schätzen."

Regine Gerike meint auch, dass die Unternehmen auch Dinge für sich gefunden haben, die sie bewahren wollen. Sei es weiter Platzbedarf im Unternehmen und vielleicht auch das Vertrauen, dass die Zusammenarbeit gut funktioniere aus der Ferne.

3.000 Berufspendler kommen nicht mehr nach Mitteldeutschland

Die vergangenen Monate hatten aber auch eine viel direktere Folge für viele Berufspendler. Eine Statistik der Arbeitsagentur legt nämlich nahe, dass im ersten Lockdown Pendler entlassen wurden oder sich einen Job in der Heimat gesucht haben.

Demnach hatten in Mitteldeutschland im vergangenen Jahr 400.000 Menschen ihren Arbeitsplatz in einem anderen Bundesland. Diese Zahl ist während der Corona-Krise – gegen den Trend der letzten Jahrzehnte – gesunken. Und zwar um 4.000. Gesunken ist auch die Zahl der Menschen, die aus anderen Bundesländern nach Mitteldeutschland pendelten. Nämlich um reichlich 3.000.

Arbeitsagentur geht von langfristiger Entwicklung aus

Auch die Arbeitsagentur Sachsen-Anhalt/Thüringen rechnet mit einer langfristigen Entwicklung, sie schreibt: "In Zukunft wird gerade in administrativen und technischen Berufen das Arbeiten von zu Hause zur Normalität werden. Lange Fahrten zur Arbeit werden weniger häufig nötig sein. Der Wandel in der Automobilindustrie hin zur E-Mobilität wird dazu führen, dass in dem Bereich weniger Arbeitskräfte gebraucht werden, so dass viele Pendler sich in den kommenden Jahren in Richtung Heimat umorientieren könnten."

Für den Klimaschutz sei das im Grunde eine positive Entwicklung, sagt die Dresdner Verkehrswissenschaftlerin Regine Gerike. Jedoch warnt sie vor einer Zersiedelung, also davor, dass Arbeitnehmer gerade weil sie weniger pendeln müssen, in Zukunft noch weiter wegziehen. Und dass sie dann zwar seltener, dafür aber noch länger auf Arbeit fahren. Diese Entwicklung, so sagt Regine Gerike, sei wiederum kontraproduktiv.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. Januar 2021 | 07:05 Uhr

5 Kommentare

ElBuffo vor 10 Wochen

Geht auch nicht um komplett. Und selbst wenn man 2 Tage die Woche fährt und das nur 25 Kilometer für die einfache Strecke sind, spart man sich eben an den anderen 3 Tagen 150 km. Ist ja nicht nur der Sprit. 6 gesparte Kaltstarts, weniger Reifenabnutzung, die nächste Inspektion ist viel später dran. Und vor allem die gesparte Zeit, Nerven sowieso. Das wird nicht für jeden gehen, aber auf alle Arbeitnehmer gesehen, wird es im Durchschnitt diesen Effekt geben. Und auch die anderen haben was davon, wenn zu den Stoßzeiten weniger rumfahren.

Anni22 vor 10 Wochen

@ El Buffo Naja wer nicht in der Stadt wohnt braucht trotzdem ein Auto. Andererseits ist gerade in Städten Wohnraum knapp und teuer und auch Familien mit Bürojob wohnen dort nicht selten beengt. Es gibt eigentlich wenige Berufe, die man komplett von zuhause ausüben kann und wenn Sie 1-2 Tage in die Firma müssen, dann brauchen Sie auch wieder ein Auto....
Natürlich gibt es auch Pluspunkte, eben die gesparte Zeit und die geschonten Nerven, wenn man weit fahren muss.

ElBuffo vor 10 Wochen

Das wird sich überall einpendeln. In Beruf, wo das geht, wird das ohnehin längst praktiziert, was, wie im Artikel auch angeklungen, durchaus auch nur 2-3 Tage die Woche bedeuten kann.
Keine Ahnung welche Unmengen an Wasser so ein Heimarbeitsplatz so vernudelt. Für die Büropflanze? Dem überschaubaren Aufwand für Strom, Internet und Möbel steht der gesparte Aufwand für das Pendeln gegenüber. Für den einen oder anderen sind sogar die gesparten Stunden Lebenszeit etwas wert. Und die bekommt man sogar cash auf die Kralle. Kein Drittel für SV und keine Steuern gehen davon weg. Der AG darf sich sogar an den Kosten für das Home-Office beteiligen. Passiert auch schon längst.
Kein Platz ist natürlich ein Argument. Für die Leute wird es ausfallen. Da wird allerdings die Masse wohl gar keinen entsprechenden Arbeitsplatz haben.

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