Drogenkonsum Synthetische Drogen: Mischkonsum kann tödlich enden

Der Fall sorgte für Schrecken und der Schock steckt vielen Eltern noch in den Knochen: Am Wochenende sind in Augsburg zwei Jugendliche tot aufgefunden worden. Der Obduktionsbericht zeigt: Die beiden 15- und 16-Jährigen hatten Amphetamine genommen. Also synthetische Drogen, von denen vor allem Ecstasy oder Crystal Meth bekannt sind. Die "BILD" berichtet, im Fall von Augsburg könnte das sogenannte MDA konsumiert worden sein. Doch was genau steckt dahinter?

Ecstasy
Spielt MDA-Konsum auch hierzulande bei den Jugendlichen eine Rolle? Bildrechte: imago/United Archives International

Direkt neuartige Drogen seien nicht im Umlauf, sagt Katja Hilbig. Seit 19 Jahren arbeitet sie bei der ambulanten Suchthilfe und -prävention der Stadtmission Chemnitz. "Gerade das MDA, das ist eine alte – in Anführungszeichen – Hippiedroge, die es also schon sehr lange gibt. Und auch das MDMA. Das sind allesamt synthetische Substanzen, das gibt's auch schon seit den 60er-Jahren. Also, das ist jetzt nichts, was irgendwie ganz neu auf den Markt gekommen ist."

Die Mischung ist gefährlich

MDA, MBDB oder MDEA – das ist kein Buchstabensalat, sondern das sind Abkürzungen für die chemischen Formeln, die hinter den synthetischen Drogen stecken. Die drei Stoffe sind eng verwandt mit MDMA und das kennen eigentlich fast alle unter dem Alltagsnamen: "Ecstasy". Die Wirkung fällt bei allen vier Drogen ein wenig anders aus, dass eine jedoch gravierend gefährlicher sei als die andere, könne man nicht sagen, erzählt Jana Valentin von der Magdeburger Jugend- und Drogenberatungsstelle.

Das Risiko lauere vor allem in der Zusammensetzung, denn man könne nie wissen, was im Labor nicht alles noch mit hineingemischt wurde, so Valentin: "Das sind dann oft die Gründe dafür, dass solche tragischen Fälle passieren, weil man vielleicht versehentlich eine Überdosierung erwischt hat, ohne es zu ahnen oder weil irgendein Wirkstoff drin ist, den ich überhaupt nicht vertrage, mit dem ich aber überhaupt noch nichts zu tun hatte."

Ecstasy heute billiger als in den 90ern

Hinzukommt, dass gerade Ecstasy heutzutage viel höher dosiert und billiger ist als noch in den 90er-Jahren, berichtet Laura Graubaum, Expertin bei den Drugscouts Leipzig. "Also früher ist so etwas nicht passiert, dass die Leute tatsächlich in einem Serotonin-Syndrom, wie das dann heißt, gelandet sind und Krampfanfälle gekriegt haben und umgekippt sind und tatsächlich auch bewusstseinseingeschränkt ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten."

Im Verhältnis gesehen, seien MDMA und Co. jedoch längst nicht so gefährlich und abhängig machend wie etwa Crystal Meth, so Graubaum. Crystal Meth und Marihuana sind auch die Rauschmittel, die am meisten vom Zoll in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt sichergestellt werden, sagt der Pressesprecher vom Zollfahndungsamt Dresden.

Cannabis, Crystal Meth und Alkohol werden eher konsumiert

Ecstasy sei weniger dabei, so Frank Schröter, aber es sei ein Anstieg erkennbar: "Bei Ecstasy mit dem Wirkstoff unter anderem von MDMA haben wir von 2018 jetzt zu 2019 einen Anstieg von knapp 16.000 Tabletten. Also wir haben 2018 9.300 Stück Ecstasy Tabletten sichergestellt, im letzten Jahr waren es 25.000."

Bei den Jugendlichen und jungen Menschen in Sachsen und Sachsen-Anhalt spielen der Konsum von MDMA und Co. derzeit eine eher untergeordnete Rolle, erzählen die drei Suchtberaterinnen. Die Hauptrolle spielen immer noch Cannabis, Crystal Meth und Alkohol.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. Juni 2020 | 05:00 Uhr

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