Hörer machen Programm Wie wählen Jugendämter Adoptiveltern aus?

Malte Pieper
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

3.744 Kinder und Jugendliche wurden 2019 in Deutschland adoptiert. Doch wie wählt das Jugendamt geeignete Eltern aus? Und welche Voraussetzungen müssen die künftigen Adoptiveltern erfüllen? Diese Fragen stellt sich MDR-AKTUELL-Hörer Mike Dallmann aus Leipzig.

Zwei Frauen und ein Mädchen
Auch gleichgeschlechtliche Paare und alleinstehende Personen können ein Kind adoptieren. Bildrechte: Colourbox.de

Es war alles andere als ein Spaziergang für Pia* und ihren Mann in Erfurt, als die beiden vor gut zehn Jahren entschieden: Mit eigenen Kindern klappt es nicht, also bewerben wir uns um eine Adoption. "Wir haben uns mit dem Jugendamt bestimmt acht, neun, zehn Mal getroffen, verteilt auf einen Zeitraum von mehr als einem Jahr", erzählt sie.

Es sind teilweise lange Gespräche, es sind intime Gespräche. Es geht um die finanzielle Situation des Paares, es geht darum, wie sie wohnen, aber auch um zunächst merkwürdig anmutende Aufgaben. "Das eine war zum Beispiel so eine Art Ahnentafel, die wir erstellen mussten. Dabei geht es darum, sich mit seiner eigenen Familie auseinanderzusetzen", erläutert Pia die Aufgaben. "Dann ging es um die Gesundheit in der Familie oder auch wie man über Kindererziehung denkt. Aber auch um die Frage, wie offen steht man Adoptionen wirklich gegenüber. Schließlich muss man den Kindern ja auch vermitteln können und wollen, dass sie adoptiert sind."

Alleinstehende und gleichgeschlechtliche Paare können auch adoptieren

Jens Müller nickt, wenn man ihn auf den ganzen Prozess anspricht. Müller ist der zuständige Sachgebietsleiter des Adoptions- und Pflegekinderdienstes im Jugendamt der Stadt Erfurt. "Wenn es ein adoptionsbedürftiges Kind gibt, dann geht es wirklich darum, für genau dieses Kind die am besten geeigneten Eltern zu finden", erklärt Müller. "Das können auch zwei Frauen, das können auch zwei Männer sein."

Theoretisch können sich auch Alleinstehende bewerben, eine Ehe ist nicht Pflicht. "Aber", schränkt Müller gleich ein, "da müsse man auch ehrlich sein." Das Jugendamt suche für die Kinder immer die beste Möglichkeit und in den allermeisten Fällen komme dann ein Paar zum Zug. Es dürfen keine Einträge ins polizeiliche Führungszeugnis geben und die Kandidaten dürfen nicht zu alt sein. Als Faustregel gilt, mehr als 40 Jahre sollten nicht zwischen Adoptiveltern und dem Kind liegen.

Leibliche Eltern dürfen Wünsche äußern

Auch die leiblichen Eltern, also die, die ihr Kind zur Adoption frei geben, müssen Wünsche äußern können, stellt Carmen Thiele vom Bundesverband der Pflege- und Adoptionsfamilien klar. "Wenn das Jugendamt ein Kind hat, dessen abgebende Eltern gerne über die weitere Entwicklung des Kindes informiert werden möchten und auch ein Stück im Prozess drin bleiben möchten, wenn ich dann aber ein Adoptivbewerberpaar habe, das zu dieser Öffnung nicht bereit ist, dann passt es eben nicht."

Statistisch kommen auf jedes Kind sechs Bewerber

Ein gutes Beispiel findet Jens Müller vom Erfurter Jugendamt. Bundesweit gibt es rechnerisch auf jedes Kind, das zur Adoption freigegeben wird, etwa sechs Bewerber. Deshalb sagt Müller, tut man in dieser Hinsicht wirklich, was man könne. Etwa wenn sich die leiblichen Eltern wünschen, dass ein Kind eher auf dem Land aufwachsen oder wenn es Geschwister haben soll.

"Das können ganz wichtige Botschaften für das Leben eines Kindes sein, wenn es erfährt, dass sich seine leiblichen Eltern viele Gedanken gemacht haben, damit es ihm in seiner neuen Familie gut geht", erklärt der Sachgebietsleiter. "Das ist für ein Kind etwas ganz Wertvolles."

Pia und ihr Mann jedenfalls ließen sich von dem aufwändigen Weg nicht abschrecken. Inzwischen haben sie sogar zwei Kinder adoptiert und stellen nüchtern fest, dass es sogar eine sehr gute Idee war.

"Es ist nie einfach, es gibt immer Konflikte. Aber die hat man mit eigenen Kindern genauso wie mit Adoptiv- oder Pflegekindern. Ich glaube, das macht keinen Unterschied."

*Name wurde geändert

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. März 2021 | 06:25 Uhr

1 Kommentar

skydiver-sr vor 32 Wochen

Ich wünsche den Adoptiveltern alles Gute .
In meinem Beruf sehe ich jeden Tag die Randgebiete der Gesellschaft und nichts geht mir so nahe wenn Kinder involviert sind.
Kann sich hier jemand vorstellen, das eine Mutter ihren 10jährigen Sohn zu Hause rausschmeißt? Und das Kind läuft dann in zerschlissenen Sachen mit einem kleinen Trolley an einer Bundesstraße?
Ja so etwas gibt es hier.
Ich bin froh das ich meinen Kindern eine glückliche Zukunft bieten kann und sie sich super entwickeln.
So etwas wünsche ich allen Kindern

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