Terroranschlag Innenminister: Attentäter in Wien war IS-Anhänger

In der Innenstadt von Wien sind vier Passanten durch Schüsse getötet und 17 verletzt worden. Bei einem fünften Toten handelt es sich um einen von der Polizei erschossenen Attentäter, der nach Angaben des Innenministeriums IS-Anhänger war. Ob es weitere Attentäter gibt, war am Morgen noch unklar. Bundeskanzler Sebastian Kurz sprach von einem "widerwärtigen Terroranschlag".

Schwerbewaffnete Einsatzkräfte kontrollieren in der Wiener Innenstadt eine Person.
Wien in der Nacht: Die Polizei war mit einem Großaufgebot von mindestens 1.000 Leuten im Einsatz. Der Mann in Hintergrund wird kontrolliert. Es handelt sich nicht um einen Terrorverdächtigen. Bildrechte: dpa

In Wien hat es am Montagabend einen offenbar islamistisch motivierten Terrorangriff gegeben. Nach Angaben der Polizei fielen in der Innenstadt am späten Abend viele Schüsse. Vier Passanten wurden demnach getötet, zwei Männer und zwei Frauen. Hinzu komme der von der Polizei erschossene mutmaßliche Täter.

Österreichs Kanzler Sebastian Kurz zufolge handelt es sich bei den Todespofern um einen älteren Mann und eine ältere Frau, einen jungen Passanten sowie eine Kellnerin. Ein Polizist, der sich dem Täter entgegengestellt habe, sei niedergeschossen und verletzt worden.

Der österreichische Innenminister Karl Nehammer teilte am Dienstagmorgen mit, dass der von der Polizei erschossene Mann ein Anhänger der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) gewesen sei. Er sei 20 Jahre alt gewesen, hatte nordmazedonische Wurzeln und war einschlägig wegen Mitgliedschaft in einer terroristischer Vereinigung vorbestraft. Der Attentäter besaß nach Angaben von Nehammer die österreichische und die nordmazedonische Staatsbürgerschaft.

17 Verletzte

Nach Angaben des österreichischen Gesundheitsverbunds werden insgesamt 17 Opfer des Anschlags in Krankenhäusern behandelt. Sieben von ihnen befänden sich in lebensbedrohlichem Zustand, zehn hätten mittlere bis leichte Verletzungen. Der verletzte Polizist befinde sich in "kritisch-stabilem" Zustand. Die Opfer hätten vornehmlich Schuss-, aber auch Schnittverletzungen.

Schwerbewaffnete Polizisten sind in der Wiener Innenstadt im Einsatz.
Schwerbewaffnete Polizisten sind in der Wiener Innenstadt im Einsatz. Bildrechte: dpa

Bei Hausdurchsuchungen im Umfeld des erschossenen Täters seien mittlerweile mehrere Menschen festgenommen worden, teilte das Innenministerium weiterhin mit. Auch die Wohnung des Verdächtigen sei auf der Suche nach belastendem Material durchsucht worden, hieß es. "Wir können derzeit nicht ausschließen, dass es noch andere Täter gibt", sagte Nehammer am Morgen. Entsprechenden Ermittlungen liefen.

Sprengstoffgürtel war Attrappe

Laut dem Innenminister war der Mann mit einem Sturmgewehr bewaffnet und habe als Attrappe einen Sprengstoffgürtel getragen. Er habe offenbar Panik verbreiten wollen.

Die Polizei Wien war mit 150 Spezialkräften des Einsatzkommandos "Cobra" und weiteren bis zu 1.000 Polizeikräften im Großeinsatz. Sie appellierte auf Twitter an die Bevölkerung, ihren Aufenthaltsort nicht zu verlassen. "Bitte meiden Sie alle öffentlichen Plätze im Stadtgebiet", hieß es weiter. Laut Innenminister Nehammer ist die Schulpflicht in Wien für Dienstag aufgehoben.

Schwerbewaffnete Einsatzkräfte kontrollieren in der Wiener Innenstadt eine Person.
Einsatzkräfte kontrollieren in der Wiener Innenstadt eine Person. Bildrechte: dpa

Tatorte im Umkreis von Wiener Ausgehmeile

Bei dem Terrorangriff waren am Montagabend nahe einer Synagoge in der Nähe des Schwedenplatzes in Wien zahlreiche Schüsse abgefeuert worden. Die Gegend gilt als Ausgehviertel der österreichischen Hauptstadt.

Übersichtskarte der Wiener Innenstadt mit Schauplätzen/Tatorten vom 3.11.2020
Bildrechte: MDR/OpenStreetMap Contributors

Nach Polizeiangaben fielen die Schüsse an insgesamt sechs Tatorten, alle in unmittelbarer Nähe der Seitenstettengasse, wo sich die Hauptsynagoge von Wien befindet. Kurz nach den ersten Meldungen am Montagabend erklärte der Leiter der jüdischen Gemeinde in Österreich, es sei unklar, ob die Synagoge oder die angrenzenden Büros das Ziel waren. Die Einrichtungen seien zum Zeitpunkt des Vorfalls geschlossen gewesen.

Staatstrauer in Österreich – weltweite Anteilnahme

Angela Merkel gibt im Bundestag eine Regierungserklärung ab.
Bundeskanzlerin Angela Merkel Bildrechte: dpa

Österreich ehrt die Opfer des Terrorakts vom Montagabend mit einer dreitägigen Staatstrauer. Das beschloss der Sonder-Ministerrat am Dienstag in Wien. "Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei den Opfern, den Verletzten und den Angehörigen in diesen besonders schweren Stunden für die Republik Österreich", sagte Kanzler Kurz vor dem Kabinett. Die Staatstrauer gilt bis einschließlich Donnerstag. Die Ereignisse hätten das Land schwer erschüttert und betroffen gemacht. Es handele sich bei der Attacke um eine "abscheuliche Tat" und "einen Anschlag auf die Freiheit und Demokratie der Republik Österreich", so der Regierungschef.

Spitzenpolitiker in aller Welt zeigten sich betroffen. "Nach einem weiteren abscheulichen Terrorakt in Europa sind unsere Gebete bei den Menschen in Wien", schrieb US-Präsident Donald Trump bei Twitter. Sein demokratischer Herausforderer Joe Biden twitterte, er und seine Frau Jill beteten nach dem schrecklichen Terrorangriff in Wien für die Opfer und deren Familien. "Wir müssen alle vereint gegen Hass und Gewalt eintreten", ergänzte er.

Bundeskanzlerin Angela Merkel äußert sich erschüttert. "Ich bin in diesen schrecklichen Stunden, in denen Wien Ziel terroristischer Gewalt geworden ist, in Gedanken bei den Menschen dort und den Sicherheitskräften, die der Gefahr entgegentreten", erklärt die Kanzlerin bei Twitter. "Wir Deutschen stehen in Anteilnahmen und Solidarität an der Seite unserer österreichischen Freunde", schreibt die Kanzlerin weiter.

Der russische Präsident Wladimir Putin verurteilte den Terroranschlag als ein "brutales und zynisches Verbrechen". Israels Staats- und Regierungsspitze verurteilte die Attacke ebenfalls. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte Österreich volle Solidarität zu.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schrieb auf Deutsch auf Twitter: "Nach Frankreich ist es ein befreundetes Land, das angegriffen wird. Dies ist unser Europa. Unsere Feinde müssen wissen, mit wem sie es zu tun haben. Wir werden nichts nachgeben."

Auch die Türkei hat den Anschlag in Wien verurteilt. "Wir verurteilen diesen Angriff aufs Schärfste, sprechen den Familien derer, die ihr Leben verloren haben, unser Beileid aus und wünschen den Verwundeten baldige Genesung", teilte das Außenministerium in Ankara mit.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. November 2020 | 21:00 Uhr

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