Hörer machen Programm Haben Windkraftanlagen Auswirkungen auf Luftströmungen?

Interview mit Ine Dippmann, Hörfunk-Korrespondentin MDR.
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Windkraftanlagen gelten als ein Baustein der Energiewende. Bei dieser Stromproduktion fällt kein klimaschädliches CO2 an. Aber könnten sich die Windkraftanlagen aus einem anderen Grund negativ auf das Klima auswirken? Das beschäftigt MDR AKTUELL-Hörer Siegfried Götze. Er habe gelesen, dass große Windkraftanlagen einen merklichen Einfluss auf die Windgeschwindigkeit hätten, und fragt sich, ob sich dadurch auch ganze Luftströmungen verschöben oder veränderten.

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Windkraftanlage 4 min
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Windkraftanlagen liefern saubere Energie. Sie entziehen sie der Atmosphäre. Welche Auswirkungen das auf das Klima hat, wollte ein Hörer wissen.

MDR AKTUELL Di 20.07.2021 06:22Uhr 04:12 min

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Die rasche Entwicklung der Windenergie hat schon Anfang der 2000er-Jahre Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf das Klima ausgelöst und damit auch das Interesse von Wissenschaftlern geweckt. Marc Salzmann arbeitet am Institut für Meteorologie der Universität Leipzig kann die Frage von Siegfried Götze gut verstehen: "Wenn Sie da unten – von der Theorie her – den Wind abbremsen, erwarten Sie Auswirkungen."

Windräder haben kaum Einfluss auf globale Strömung

Aber was messbar sei und was eine Bedeutung habe, seien zwei völlig unterschiedliche Paar Schuhe. "Eine bedeutende Auswirkung auf die globale Strömung ist tatsächlich, nach dem derzeitigen Wissensstand, bei dem was derzeit geplant ist, nicht zu erwarten", sagt Salzmann weiter.

Eine Einschätzung, die auch Axel Kleidon teilt. Er leitet die Arbeitsgruppe "Theorie und Modellierung der Biosphäre" am Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena. Auch er hält die Effeke für gering, denn Windenergie gehe auch ganz natürlich durch Reibung an der Erdoberfläche verloren. "Mit anderen Worten: der Atmosphäre ist es eigentlich egal, ob die Bewegungsenergie durch Windturbinen genutzt wird oder ob das durch Bodenreibung verloren geht."

Harvard-Studie widerspricht Windkraftgegnern

Die Wissenschaftler Lee Miller und David Keith von der Harvard University haben simuliert, was passieren würde, wenn der gesamte Strombedarf der USA ausschließlich durch Windkraftanlagen gedeckt würde. In ihrer 2018 veröffentlichten Studie zeigen sie, dass so viele Windturbinen die Oberfläche über den kontinentalen USA um 0,24 Grad Celsius erwärmen würden. 0,24 Grad klingt viel – schließlich ist es erklärtes Ziel des Pariser Klimaabkommens, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Die Studie von Miller und Keith wird von Windkraftgegnern deshalb häufig zitiert.

Doch die Erwärmung um 0,24 Grad ist ein lokaler, höchstens regionaler Effekt – kein globaler. Marc Salzmann sagt: "Die Auswirkungen sind nicht so riesig. Felder kühlen sich zum Beispiel in der Nacht stark ab, und wenn sie da eine große Windkraftanlage haben, dann wird die Luft über den Feldern ein bisschen besser vermischt."

Konkret heißt das, in Bodennähe wird es etwas wärmer, in den Luftschichten über der Windturbine etwas kälter. Es kommt also keine Wärme hinzu. Auf das Mikroklima kann sich diese Luftvermischung aber schon auswirken. Kleinere Windräder werden tatsächlich von Landwirten genutzt, um Pflanzen vor Frost zu schützen.

Auswirkungen auf Regen ebenfalls gering

Untersucht worden ist auch, ob Windkraftanlagen, die vor Küsten liegen, den Niederschlag beeinflussen. Christina Archer von der Universität von Delaware entdeckte mit ihrem Kollegen, dass es auf der windabgewandten Seite der Turbinen etwas weniger regnet. Allerdings betont sie in einem Statement: "Wir wollen nicht, dass unsere Studie so interpretiert wird, dass Windparks Dürren verursachen. Es gibt eine sehr kleine Reduzierung der Niederschläge. Sie ist statistisch signifikant, aber nicht groß."

Die deutlich sichtbaren Nachläufe von großen Windparks wirken sich also nur in der unteren Grenzschicht der Atmosphäre aus und haben auch nach Einschätzung von Experten des Deutschen Wetterdienstes keine Einflüsse auf das großräumige Wettergeschehen. Die möglichen Auswirkungen der Windparks auf das Klima sind aber weiter Gegenstand aktuell laufender und geplanter Forschungsprojekte.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. Juli 2021 | 08:20 Uhr

40 Kommentare

Rico Marbach vor 9 Wochen

Seit dem letzten, instrumentalisierten, Großereignis -Unfall in Japan - zahlen die deutschen Steuerzahler., zumindest europaweit, die höchsten Strompreise. Ich höre durchaus gern MDR aktuell... Es sollte endlich thematisiert werden, dass Deutschland nur für zwei Prozent CO2 verantwortlich ist... China will erst 2060, wenn überhaupt, klimaneutral werden... Viele Länder bauen weiterhin Kohlekraftwerke und Atomkraftwerke... Ja, was denn noch!

AlexLeipzig vor 9 Wochen

Hallo Thomas, bis zum vorletzten Satz teile ich Ihre Meinung, es ist ja nicht nur der Stromverbrauch, auch der Ressourcenverbrauch in Form von abertausenden Computern, Tablets und Co. Schade, daß Sie am Ende Ihres Kommentars diesen undifferenzierten Seitenhieb auf FfF loslassen, das muß doch nicht sein... Seien Sie doch froh, daß es junge Leute gibt, die sich für die Erhaltung der Umwelt engagieren und nicht nur für Konsum und Verdienst interessieren!

THOMAS H vor 9 Wochen

handfriederleistner: Wen meinen Sie, mit "Da werden doch alle Naturgesetze nicht beachtet."? Ich verteufle doch nicht die Energie im Allgemeinen, sondern die Hochrüstung, auf "Alles" muß mit Strom betrieben werden, um angeblich Energie zu sparen. Es kann keine Energie gespart werden, wenn die einzelnen Geräte ständig unter Strom stehen müssen, so daß sie vom Handy o. ä. aus betrieben werden können oder die Voreinstellung funktionieren soll. Auch wenn ich an die Schulen denke, wo in Zukunft alle Schulpflichtigen und Lehrkräfte, einen Laptop betreiben müssen, um mit der Digitaltafel verbunden zu sein, wird kein Strom gespart, wobei m. M. 99 Prozent der Schulen mit Sicherheit keine Stromquellen anzapfen können, welche den Strom aus Erneuerbaren auf dem Schuldach erzeugen. Dafür sollten die Freitagsstreikenden sich einsetzen und durch geeignete Aktionen selbst auch Geld sammeln. Das wäre überzeugend.

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