Prozessauftakt Tödlicher Messerangriff in Würzburg: Verdächtiger bereut die Tat

Vor zehn Monaten hat ein Mann in Würzburg drei Menschen mit einem Messer attackiert und getötet, neun weitere Personen wurden verletzt. Jetzt begann der Prozess gegen den Mann aus Somalia. Die Staatsanwaltschaft geht von Schuldunfähigkeit aus.

Kerzen, Grablichter und Blumen liegen vor einem Kaufhaus in der Innenstadt, in dem ein Mann vor einer Woche Menschen mit einem Messer attackiert und getötet hatte.
Am 25. Juni 2021 hat ein Mann drei Frauen mit einem Messer getötet. Nun muss sich der Verdächtige im Prozess der Tat stellen. Bildrechte: dpa

Am Freitag hat der Prozess um den tödlichen Messerangriff eines Mannes auf arglose Menschen in Würzburg begonnen – fast 30 Verhandlungstage an drei Orten, 55 Ordner Ermittlungsakten, 13 Nebenkläger. Die Schwurgerichtskammer will bis Ende September herausfinden, warum der Beschuldigte am 25. Juni 2021 drei Frauen in der Würzburger Innenstadt tötete und neun Menschen verletzte. Er wird des Mordes in drei Fällen und des versuchten Mordes in elf Fällen beschuldigt.

Der Verhandlungsauftakt vor dem Landgericht Würzburg fand in einer Veranstaltungshalle im nahen Veitshöchheim statt, weil der Platz für einen coronakonformen Ablauf im Justizzentrum nicht ausreichte.

Hass auf Deutschland als Motiv

Die Generalstaatsanwaltschaft München geht davon aus, dass der einst Geflüchtete bei der Attacke schuldunfähig war. Daher gibt es in dem Fall keine Anklage, sondern eine sogenannte Antragsschrift auf ein Sicherungsverfahren. An dessen Ende könnte die dauerhafte Unterbringung des Somaliers in einer Psychiatrie stehen, denn Gutachtern zufolge hat der Mann eine Schizophrenie-Erkrankung.

Als Motiv vermutet die Generalstaatsanwaltschaft Hass auf Deutschland durch eine als ungerecht empfundene Behandlung. "Der Beschuldigte nutzte die Arg- und Wehrlosigkeit dieser Opfer bewusst aus", sagte Oberstaatsanwältin Judith Henkel von der Generalstaatsanwaltschaft München.

Während der Attacke soll er mindestens zweimal den Ausruf "Allahu Akbar" ("Gott ist groß") gerufen haben. Dschihadisten und Salafisten benutzen den Ausdruck oft wie einen Schlachtruf. Weitere Hinweise auf Extremismus fanden die Ermittler aber nicht. "Zu keinem Zeitpunkt hat es terroristische Motive gegeben", sagte sein Anwalt Hans-Jochen Schrepfer am Freitag.

Der Mann habe Stimmen in seinem Kopf gehört, die ihn angewiesen hätten, sich in einem Kaufhaus ein Messer zu beschaffen: "Die Anweisungen der Stimmen lauteten schlichtweg, alle zu töten – zuerst im Geschäft und anschließend draußen."

Verdächtiger fiel wegen psychischer Probleme auf

Die Täterschaft des Mannes gilt als erwiesen. Der mutmaßlich 33-Jährige – sein Geburtsdatum ist nicht sicher bekannt – kam 2015 nach Deutschland. Seither fiel er mehrmals wegen psychischer Probleme auf. Bis zum Tattag hatten die Behörden aber nach eigenen Angaben keine Hinweise darauf, dass der Mann andere Menschen gefährden könnte.

Nach Worten seines Verteidigers hat sich der Mann für seine Tat entschuldigt und sein Mitgefühl ausgedrückt. "Er bedauert das Leid, dass er vor allem den Opfern und den Angehörigen zugefügt hat", sagte sein Anwalt.

dpa/MDR (amu)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. April 2022 | 11:00 Uhr

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