Nach zehn Jahren eID des Personalausweises findet kaum Anwendung

Es war ein staatliches IT-Großprojekt: Mit viel Tamm-Tamm wurde am 1. November 2010, also vor zehn Jahren, der neue elektronische Personalausweis im Scheckkarten-Format eingeführt. Mit ihm sollten sich Bürgerinnen und Bürger im Internet sicher und verbindlich ausweisen können, Behördengänge erledigen und Verträge abschließen. Doch in der Praxis klappt das bis heute nur auf wenigen Webseiten.

Personalausweis
Mit dem Personalausweis soll man sich auch Online sicher ausweisen können, zumindest in der Theorie. Bildrechte: imago images / Jochen Tack

Für Antonia Maas von der Bundesdruckerei war es ein großer Moment: Auf der Fachmesse Omnicard in Berlin präsentierte sie vor gut zehn Jahren den neuen Personalausweis. "Wie sie sehen: Vor allen Dingen im Format hat sich etwas geändert", sagte sie damals bei der Präsentation.

"eID" soll das Ausweisen Online möglich machen

Der alte, laminierte Personalausweis sollte ab November 2010 auf das heute übliche Scheckkarten-Format zusammenschrumpfen. "Er passt quasi wie auch die Kredit-, EC-Karte oder der Führerschein in die Fächer im Portemonnaie", hieß es bei der Vorstellung weiter.

Die wichtigste Neuerung steckte allerdings unter der Oberfläche der Plastikkarte: der Chip für die Online-Ausweisfunktionen. Er ist der Schlüssel für die elektronische Identität oder kurz "eID". Bürger könnten sich damit im Internet zumindest theoretisch genauso sicher und verlässlich ausweisen wie in der analoge Welt durch das Vorzeigen des Personalausweises, erklärt Katja Henschler von der Verbraucherzentrale Sachsen: "Online-Bestellungen, Beantragung von vielen Dingen aus der öffentlichen Verwaltung. Aber eben auch den Nachweis, dass man über 18 ist für bestimmte Dienstleistungen im Netz, das sind beispielsweise Anwendungsfelder."

Lesegerät weicht der "Ausweisapp"

Anfangs war für die Nutzung dieser eID-Funktion noch ein spezielles Lesegerät nötig. Inzwischen lässt sich mit der sogenannten "Ausweisapp" praktisch jedes moderne Smartphone als sicheres Lesegerät für den Personalausweis nutzen und mit dem PC oder Laptop verbinden. Im Alltag funktioniere das allerdings längst nicht so gut, wie es Verbraucher sonst von ihrem Smartphone gewohnt seien, findet Verbraucherschützerin Henschler:

Meistens sind die Geräte sehr intuitiv, also selbsterklärend. Und das kann man von der elektronischen Personalausweisfunktion nicht so ganz behaupten.

Katja Henschler, Verbraucherschützerin

Es sei durchaus etwas sperriger, sagt sie. Dadurch falle es vielen Verbrauchern doch deutlich schwerer, und es werde eben nicht so angenommen, wie man es sich erhofft habe.

Nur wenige Behörden unterstützen elektronischen Personalausweis

Außerdem fehlt das Angebot: Selbst heute, zehn Jahre nach der Einführung, gibt es kaum Webseiten von Unternehmen oder Behörden, die den elektronischen Personalausweis unterstützen. Hier hätten Bund und Länder längst deutlich mehr und bessere Angebote schaffen müssen, findet IT-Expertin Constanze Kurz vom Chaos Computer Club:

Das ist ja tatsächlich ein Henne-Ei-Problem: Der Staat macht keine Angebote, also nutzt niemand die eID. Niemand nutzt die eID, also gibt es keine guten Angebote.

Constanze Kurz, Chaos Computer Club

Wird bis Ende 2022 alles besser?

In den nächsten Jahren könnte das Angebot allerdings endlich wachsen. Denn bis Ende 2022 sollen die 575 am häufigsten genutzten und nachgefragten Verwaltungsleistungen digitalisiert sein, so wurde es im sogenannten Online-Zugangsgesetz festgeschrieben. Und damit bekomme die eID-Funktion im Personalausweis eine wichtige Rolle, sagt Markus Richter, Staatssekretär im Bundesinnenministerium und IT-Beauftragter der Bundesregierung.

Der elektronische Personalausweis werde das Schlüsselmoment sein, wenn es darum gehe, dass man volldigital mit Verwaltung kommunizieren könne. "Denn es ist entscheidend, dass wenn ich eine Leistung beantrage oder irgendetwas von einer Behörde will – dann muss ich ja sicherstellen, wenn ich das über das Internet tue, dass die Behörde genau weiß: Ja wer ist denn das, der mit mir spricht", erklärt Richter.

Und auch die Ausweisapp für den elektronischen Personalausweis solle in den nächsten Jahren noch benutzerfreundlicher werden, verspricht Richter. Künftig müsse dann nicht mehr bei jeder einzelnen Anmeldung der Personalausweis an das Gerät gehalten werden. Die elektronische Identität werde dann nur noch einmal in der App registriert und dann auf dem Smartphone sicher verschlüsselt abgespeichert.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. November 2020 | 12:18 Uhr

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