CO2-Emission Klimaschädlicher Baustoff: Wie die Zement-Branche grün werden will

Wer ein Haus baut, denkt an alles Mögliche: an die Kosten, ob es rechtzeitig fertig wird, ob es am Ende so aussieht, wie man es sich vorgestellt hat. Auf einen Gedanken kommen allerdings die wenigsten Bauherren: Dass Bauen extrem klimaschädlich ist. Und das liegt vor allem am Zement. Die Zement-Branche ist für acht Prozent der weltweiten Klimagas-Emissionen verantwortlich. Nun suchen in Mitteldeutschland Firmen und Forscher nach klimaverträglichem Zement.

Arbeiter greifen nach einem Sack Zement.
Autobahnen, Flughäfen, Brücken – Zement ist überall. Bildrechte: imago/China Foto Press

Die Firma Opterra hilft dabei, dass in Mitteldeutschland ein Stein auf dem anderen bleibt. Das Unternehmen produziert in Karsdorf im Burgenlandkreis Zement. Und der, sagt Geschäftsführer Danilo Buscaglia, stecke nicht nur in den Brücken entlang der ICE-Trasse Leipzig-Erfurt: "Der Flughafen Leipzig-Halle wurde auch mit Karsdorf-Zement gebaut, ebenso wie das Gondwana-Land im Zoo Leipzig. Auch die A38, die A14 und die A9. Wichtig ist auch die Hochwasserschutzanlage in Grimma."

Zement ermöglicht stabile Bauten. Sein Nachteil: Bei der Herstellung von einer Tonne werden 600 Kilogramm CO2 freigesetzt. Das Bauen mit Zement verursacht jedes Jahr mehr Klimagas als die gesamte Luftfahrt. Doch die Branche will besser werden: "Unser Ziel als Konzern ist es, bis 2050 klimaneutral zu werden."

Klimafreundlicher durch neue Rezeptur

Bis 2050 nur noch klimaneutralen Zement zu produzieren, wird allerdings nicht einfach. Zement kommt aus großen Brennöfen. Diese kann man mit erneuerbaren Energien befeuern. Das spart aber höchstens 40 Prozent CO2 ein. Denn der Großteil des Klimagases entsteht durch einen chemischen Prozess im Ofen, wenn aus Kalk Zementklinker wird.

An der Universität Halle sucht Professor Herbert Pöllmann deshalb neue Zement-Rezepturen: "Der eine Ansatz ist, dass wir den Anteil an diesem Kalkstein vermindern. Und dadurch, dass wir den vermindern, wird natürlich weniger CO2 ausgestoßen."

Mann trägt Helm und Warnweste 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Außerdem untersuchen die Forschenden um Professor Pöllmann neue Zement-Typen, "die auf neuen mineralogischen Zusammensetzungen beruhen, indem wir andere Rohstoffe einsetzen. Wo wir beispielsweise zu Zementen sogenannte Mineralisatoren zusetzen". Damit könne man viel erreichen, sagt Pöllmann. Ganz auf Null bekomme man den CO2-Ausstoß allerdings nicht, wenn am Ende noch Zement herauskommen solle.

Zementwerke-Verein setzt auf CO2-Speicherstrategie

Der Verein Deutscher Zementwerke plädiert deshalb dafür, das restliche CO2 aufzufangen und zu speichern. Geschäftsführer Martin Schneider sagt, wolle man klimaneutral werden, komme man darum vorerst nicht herum: "In der Nordsee beispielsweise bei der Gas- und Ölgewinnung ist das Thema CO2-Speicherung seit 40 Jahren Stand der Technik."

Bei dieser Technik würde das mit dem Erdgas geförderte CO2 abgetrennt und in die alten Lagerstätten zurückgepumpt. "Also insofern gibt es hier schon eine Möglichkeit und auch  eine Infrastruktur, an die man andocken könnte", erklärt Schneider.

Die CO2-Speicherung ist in Deutschland allerdings umstritten. Viele Umweltschützer lehnen sie ab, weil das Klimagas ja nur versteckt werde.

CO2-Weiterverwendung durch Kraftstoffsynthese

Die Zement-Industrie hofft, dass man das CO2 langfristig weiterverwenden kann. Opterra-Chef Buscaglia setzt zum Beispiel auf eine Kooperation mit Leuna. Dort könnte man aus dem CO2 der Zementindustrie unter Einsatz von Wasserstoff synthetische Kraftstoffe machen: "Die Technologie ist noch nicht zu 100 Prozent getestet. Aber wir sind optimistisch, dass es funktionieren wird."

Die Umwandlung von CO2 in Kraftstoffe ist zwar möglich, aber extrem energieintensiv. Das Verfahren ist nur sinnvoll, wenn Ökostrom im Überfluss vorhanden ist. Bis dahin wird noch so manches Bauwerk entstehen. Und der Zement dafür wird etwas grüner, aber nicht ganz grün sein. Der Weg zu echter Klimaneutralität ist für die Branche im wahrsten Sinne des Wortes steinig.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Dezember 2020 | 07:24 Uhr

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