Passanten in einer Einkaufsstraße
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Zensus 2022 Bevölkerungswachstum geringer als erwartet

25. Juni 2024, 12:41 Uhr

Die Bevölkerung in Deutschland ist weniger stark gewachsen als angenommen. Nach amtlichen Daten des Zensus lebten Mitte 2022 rund 82,7 Millionen Menschen in Deutschland, 1,4 Millionen weniger als erwartet. Vor allem die Ausländerzahlen sind geringer als geschätzt. Weitere Ergebnisse gibt es zu Wohnverhältnissen. Der Zensus wird alle zehn Jahre erhoben. Wegen der Corona-Pandemie hatte er sich um ein Jahr verschoben.

Die Bevölkerung in Deutschland ist in den vergangenen Jahren weniger stark gewachsen als bislang angenommen. Wie aus den Ergebnissen des neuen Zensus hervorgeht, lebten am Stichtag 15. Mai 2022 rund 82,7 Menschen in Deutschland. Das sind rund 1,4 Millionen weniger, als bislang auf Basis der amtlichen Bevölkerungsfortschreibung angenommen wurde.

Die Veröffentlichung der Ergebnisse von Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder zu Basisdaten und Lebensverhältnissen der Bevölkerung startete am 25. Juni 2024. Die Daten werden nun schrittweise veröffentlicht.

Große Abweichungen bei ausländischer Bevölkerung

Der Zensus ermittelt genau die Bevölkerungszahlen aller 10.786 Gemeinden Deutschlands. Besonders groß war den Angaben zufolge die Abweichung in Köln, wo zum Stichtag 5,6 Prozent weniger Menschen lebten als gedacht.

Dabei betreffen bundesweit die Abweichungen zur Bevölkerungsfortschreibung den Statistikern zufolge besonders die ausländische Bevölkerung. Laut Zensus 2022 lebten Mitte Mai 2022 in Deutschland rund 10,9 Millionen Ausländerinnen und Ausländer, fast eine Million weniger als bislang amtlich ausgewiesen. Als Grund wird genannt, dass sich manche nicht in Deutschland abmeldeten, etwa wenn sie ihren Ruhestand im Ausland verbringen.

Wohnfläche in Mitteldeutschland stark gestiegen – Mieten hier am günstigsten

Mitte 2022 waren dem Zensus zufolge bundesweit 43,11 Millionen Wohnungen erfasst. Seit dem vorherigen Zensus 2011 war das ein Plus um 1,0 Millionen Gebäude und etwa 2,5 Millionen Wohnungen. Die durchschnittliche Wohnfläche stieg um drei auf 94 Quadratmeter pro Wohnung. In den ostdeutschen Ländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen stieg sie mit jeweils etwa fünf Quadratmetern stärker an als im Westen (+ 3 qm) oder in den Stadtstaaten Hamburg und Berlin (+1 qm).

Bundesweit betrug die durchschnittliche Nettokaltmiete 7,28 Euro. Wohnungen in Sachsen-Anhalt waren mit im Schnitt 5,38 Euro am günstigsten, gefolgt von Thüringen (5,65 Euro) und Sachsen (5,72 Euro). In Hamburg waren die Nettokaltmieten mit durchschnittlich 9,16 Euro am höchsten, gefolgt von Bayern (8,74 Euro) und Hessen (8,21 Euro).

Erneuerbare Energien im Privatbereich gering

Nach den jetzt vorliegenden Ergebnissen wurden drei Viertel aller Wohnungen in Deutschland mit Gas (56 Prozent) oder Öl (19 Prozent) beheizt und weitere 15 Prozent mit Fernwärme. Erneuerbare Energiequellen zum Heizen von Wohngebäuden spielen im Gesamtbestand bislang eine untergeordnete Rolle. Den Statistikbehörden zufolge wurden nur 4 Prozent aller Wohnungen mit Holz oder Holzpellets und 3 Prozent mit Solar- oder Geothermie, Umwelt- oder Abluftwärme (zumeist Wärmepumpen) beheizt. Im Neubau ab 2016 wird dagegen in jeder vierten Wohnung eine Wärmepumpe eingesetzt.

Fernwärme ist vor allem in den Stadtstaaten Hamburg (35 Prozent) und Berlin (43 Prozent) sowie in den östlichen Ländern (22 bis 34 Prozent) weit verbreitet. Seit 2010 spielen Ölheizungen im Neubau praktisch keine Rolle mehr (weniger als 2 Prozent der Wohnungen).

dpa (ans)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Juni 2024 | 11:00 Uhr

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