Ornithologie Vögel ziehen früher in den Süden

Rund zwei Drittel der Vogelarten in Deutschland ziehen im Spätsommer und Herbst Richtung Süden. Dieses Jahr sind viele von ihnen früher als sonst aufgebrochen. Fachleute suchen nach den Gründen dafür.

Zugvögel fliegen vor dem Mond am Himmel entlang.
Zugvögel wie Kraniche und Gänse fliegen in der typischen V-Formation - damit verringern sie etwa für die hinteren Vögel den Luftwiderstand. Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Unzählige Vögel haben sich in den vergangenen Tagen und Wochen wieder auf den Weg in den Süden gemacht – früher als normalerweise. Vogelkundler Guido Teenck vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) sagte, momentan sei Hauptflugzeit. Außergewöhnlich sei, dass der Vogelzug relativ früh losgegangen sei. Einige Vögel wie der Kranich seien schon Mitte September gestartet.

Nahrungsknappheit oder Rückenwind

Über die Gründe kann der Ornithologe nur mutmaßen. So könnte das trockene Klima in diesem Jahr dazu beigetragen haben, dass die Vögel aus Russland und Skandinavien nicht mehr ausreichend Insekten zum Fressen gefunden haben und losgezogen sind. Es sei daher wichtig, naturnahe Lebensräume zu erhalten und zu pflegen, betonte Teenck. Dazu zählten Schutzgebiete wie das Wattenmeer ebenso wie heimische Felder und Gärten.

Wenn es ungemütlich ist und sie keine Nahrung mehr finden, ziehen sie sofort los.

Guido Teenck Nabu-Vogelkundler

Zugleich könnte auch die Witterung gute Bedingungen für lange Flüge geboten haben. Die Vögel hätten Antennen dafür, wann gutes Zugwetter sei, etwa Rückenwind und möglichst keine Turbulenzen.

Laut Teenck brüten in Deutschland etwa 250 Vogelarten. Rund zwei Drittel davon ziehen im Spätsommer und Herbst in den Süden. Neben Kranichen, Gänsen oder Störchen zählten dazu auch weniger auffällig fliegende kleine Vögel wie Schwalben, Mauersegler, Kuckucke und Gartenrotschwänze.

September mit neuem globalem Hitzerekord

Weltweit war der diesjährige September der wärmste seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen. Das geht aus dem europäischen Erdbeobachtungsprogramm Copernicus hervor. Nach Januar und Mai ist es bereits der dritte Monat in diesem Jahr mit einem Hitzerekord.

In Europa war der September den Angaben zufolge im Schnitt 0,2 Grad Celsius wärmer als im bisherigen Rekord-September 2018. Besonders betroffen war demnach Südost-Europa.

Zugleich gab es vielerorts wenig Niederschlag, auch in Deutschland. Dem Deutschen Wetterdienst zufolge lag der September bundesweit mit knapp 50 Litern pro Quadratmeter (l/m²) etwa 20 Prozent unter dem vierteljährlichen Durchschnitt von 61 l/m².

EU-Parlament stimmt für verschärftes Klimaziel

Das EU-Parlament hat sich am Mittwoch unterdessen dafür ausgesprochen, die CO2-Emissionen bis 2030 um 60 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 zu senken. Derzeit gilt noch das Ziel von minus 40 Prozent, die EU-Kommission hatte als neues Ziel eine Minderung um "mindestens 55 Prozent" vorgeschlagen. Ein neuer Gesetzentwurf sieht zudem weitere Änderungen vor, über die das EU-Parlament noch abschließend abstimmen muss. Das Endergebnis wird am Donnerstag erwartet.

Das verschärfte Klimaziel soll die Einhaltung des Pariser Klimaschutzabkommens ermöglichen. Dazu ist aber auch noch eine Einigung mit den Mitgliedsstaaten nötig.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. Oktober 2020 | 10:30 Uhr

9 Kommentare

Eulenspiegel vor 28 Wochen

Hallo W. Merseburger
Also ich denke das Kachelmann meinte das 90 % der Wetterstationen in den neuen Bundesländern auf automatischen Betrieb umgestellt wurden.
Also etwas anderes sollten sie erst ein mal belegen.
Weiter wie ich schon schrieb haben wir die terrestrischen Wetterstationen, die Satellitenwetterstation und die Wetterstationen am Bord von Schiffen und Flugzeugen. Wir hätten somit auch ohne terrestrischen Wetterstationen in den neuen Bundesländern eine ganz gute Erfassung des Wetterablaufs.
Weiter muss ich prinzipiell feststellen. Nicht die Regenmenge die runter kommt ist entscheidend sondern die Regenmenge die hängen bleibt ist entscheidend. Was nützen den Boden Regenmengen die der Boden nicht aufnimmt, die nur zu Überschwemmungen führen und dadurch hohen Schaden anrichten.
Ganz klar geschrieben:
Ihre ganzen Denkmodelle stimmen Hinten und Vorne nicht.

W.Merseburger vor 28 Wochen

Hallo Eulenspiegel,
wir sind wieder beim Thema. Ich hoffe sie lesen hier intensiv. Neulich wurde in Freyburg von Kachelmann eine Wettermessstelle eingeweiht. Leider war diese zu nahe am Beton und am Asphalt gebaut, was die Temperaturmessung verfälscht. die Station muss umgesetzt werden. In diesem Zusammenhang sagte Kachelmann, dass in den neuen Bundesländern gegenwärtig nur noch 10% der Wettermessstellen im Vergleich zu den Jahren 1961 bis 1990 arbeiten. Soviel zu ihrer Vorstellung von der Messstellenverteilung. Da wir in Mitteldeutschland gegenwärtig sehr unter der Dürre leiden, glaube ich nach einigem Nachdenken nun, dass die wenigen Messstationen hier die tatsächlichen durchschnittlichen Regenmengen nicht exakt abbilden können und dies gilt für meine genannten osteuropäischen Länder wahrscheinlich genau so. Zur Regenmenge kann ich weiter sagen, dass Süddeutschland überdurchschnittlich viel Regen bisher abbekommen hat, und diese Länder sind ein bedeutender Teil der Fläche der BRD!

Eulenspiegel vor 28 Wochen

Hallo W. Merseburger
Also hier ist von Europa die Rede und nicht von EU-Gebiet. Denn schließlich werden auch die Vögel Russland mit einbezogen. Also ich denke die Messtationenverteilung ist nicht nur über dem gesamten Europäischen Gebiet sonder über den gesamten Erdball sehr gut. Denn wir haben terrestrische Messstationen, Satellitenmesstationen und Messtationen am Bord von Schiffen und Flugzeugen.
Weiter denke ich:
Wir mussten in diesem Jahrhundert fast jeder zweite Jahr den Titel wärmstes Jahr seit beginn der Aufzeichnung verleihen. Die absolute Spitze was das Jahr 2018. Und wenn nun der September diesen Rekord nun um 0,2 Grad übersteigt und zwar in ganz Europa so sagt das schon einiges aus.
Und was die Regenmenge in gesamt Deutschland angeht so muss ich feststellen das die von ihnen erwähnten 3 Mitteldeutschen Bundesländer doch nur ein sehr kleiner Teil von Deutschland sind.

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