Hörer machen Programm Winterwetter wegen Corona-Lockdown?

Schnee bis ins flache Land, Temperaturen deutlich unter 0 Grad – kurz gesagt: Es war mal wieder richtig Winter in den letzten Wochen. Ausgerechnet im Corona-Lockdown, dachte MDR-AKTUELL-User Sebastian Weiß. Und das brachte ihn auf folgende Fragen: Liegt es vielleicht gerade an Corona, dass wir dieses Jahr so ein tolles Winterwetter haben? Es gibt weniger Flugverkehr, Schiffsverkehr und Individualverkehr. Beeinflussen vorgenannte Faktoren das Wetter?

Ski-Langläufer in Loipe bei Sonnenschein und Schnee im Thüringer Wald
Verdanken wir das diesjährige Winterwetter dem Corona-Lockdown? Bildrechte: MDR/Michael Hesse

Die Frage nach dem Zusammenhang zwischen dem Verkehr und dem Wetter kommt MDR-Wetterredakteur Florian Rost bekannt vor: "Es gab vor einigen Jahren eine Studie der Universität Karlsruhe. Die haben erforscht, ob es vielleicht daran liegen könnte, dass es am Wochenende häufiger regnet, weil unter der Woche mehr Kondensationskeime durch den Verkehr und die Industrie produziert werden."

Einfluss von Feinstaub aufs Wetter bislang unbewiesen

2007 hatten die Meteorologen Dominique Bäumer und Bernhard Vogel die Daten von zwölf deutschen Wetterstationen aus insgesamt 15 Jahren ausgewertet. Die Ergebnisse zusammengefasst: Zu Wochenbeginn war es am sonnigsten, zum Wochenende hin stärker bewölkt und kälter. Der Montag war der trockenste Wochentag, am Samstag regnete es am häufigsten und am stärksten. Für Bernhard Vogel sei es naheliegend gewesen, dass Feinstaub-Emissionen damit zu tun hätten. Man könne sehen, dass die Konzentrationen von Dieselruß und von anderen Aerosolpartikeln Effekte hätten. So könne man ganz klar einen Wochengang erkennen.

Die Annahme lautete: Unter der Woche würden besonders viele Partikel ausgestoßen werden. An ihnen lagere sich Wasser an. So würden Kondensationskeime entstehen und für eine stärkere Wolkenbildung sorgen. Die Abgase der ersten Wochentage würden also den Regen am Wochenende bewirken. In vielen Medien fand die These großen Anklang: "Mensch ist schuld am miesen Wochenendwetter", war zum Beispiel in der österreichischen "Kronen Zeitung" zu lesen.

Aus der Fachwelt kam dagegen viel Kritik. Heute räumt auch Bernhard Vogel ein, seine Studie habe keinen Zusammenhang beweisen können. "Das Problem ist, dass es in der Atmosphäre viele andere Effekte gibt, die dem Ganzen noch überlagert sind. Somit ist es sehr schwierig, aus den Beobachtungsdaten alleine einen menschgemachten Einfluss auf das Wettergeschehen zu finden."

Winterwetter in diesem Jahr nicht ungewöhnlich

Eine eindeutige Antwort kann Bernhard Vogel dagegen auf die andere Frage geben: Hat sich der Lockdown in den letzten Wochen auf das Wetter ausgewirkt?

Das, was wir momentan bei uns sehen, ein relativ langanhaltendes – oder zumindest im Bergland anhaltendes –Winterwetter, hat mit den coronabedingten Emissionsrückgängen sicherlich nichts zu tun.

Bernhard Vogel, Meteorologe

Das bestätigt auch MDR-Redakteur Florian Rost. Weil es in den letzten Jahren außerhalb der Berge kaum geschneit habe, möge manchem der Winter außergewöhnlich vorkommen. Aber das sei er nicht: "Wir hatten es mit einer relativ stabilen Kaltluftphase zu tun." Diese sei noch unterstützt worden von Tiefdruckgebieten, die sich immer wieder darin gebildet und für Schneefälle gesorgt hätten. Das sei im Prinzip eine ganz normale Wetterlage, wie man sie häufiger in Mitteldeutschland erlebe.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. Februar 2021 | 06:24 Uhr

9 Kommentare

Ekkehard Kohfeld vor 33 Wochen

"Richtiger Winter geht von Mitte Dezember bis Ende Februar mit Schneehöhen von zeitweise 10cm im Flachland bis 1m und mehr im Mittelgebirge. So war es in meiner Kindheit und Jugend. Ob das mal wieder so wird?"

Aber nicht jedes Jahr und das kann man nachlesen.Aber träumen sie ruhig weiter.😱😱😱

W.Merseburger vor 33 Wochen

GEWY,
was Sie mir antworten kann ich so nicht stehen lassen. Die um + 1,1°C höhere Temperatur von 0,6°C gegenüber dem Referenzzeitraum ist im Gegenteil vergleichsweise gering und liegt in der natürlichen Spannweite der Abweichungen der Einzelwerte. Ich darf Ihnen die Durchschnittswerte des Januar 2020 entgegenhalten: Sachsen-Anhalt + 4,2°C; Thüringen +2,8°C und Sachsen +3,0°C. Weiterhin ist heute unbestritten, dass eine Temperatursteigerung von + 0,04°C/Jahr unser Klima verändert.

GEWY vor 33 Wochen

Hier die Antwort von "Deutscher Wetterdienst"
"Der Temperaturdurchschnitt lag im Januar 2021 mit 0,6 Grad um 1,1 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990"
Das ist viel!
Sonst noch Fragen?
Ich glaube damit kann der Artikel in die "Runde Ablage".

Alle Beiträge

Radio

MDR aktuell Podcastcover "Hörer machen Programm"
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Radio

MDR aktuell Podcastcover "Hörer machen Programm"
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mehr aus Panorama

Schweres Zugunglück zwischen der Bäderbahn Molli und einem Wohnmobil 1 min
Schweres Zugunglück zwischen der Bäderbahn Molli und einem Wohnmobil Bildrechte: NonstopNews

Mehr aus Deutschland