Wald und Jagd Klöckner verteidigt Entwurf für neues Jagdgesetz

Bundesagrarministerin Julia Klöckner hat ihren Entwurf für ein neues Jagdgesetz als Kompromiss unterschiedlicher Interessen verteidigt. Klöckner sagte MDR AKTUELL, es gehe um einen Ausgleich zwischen Wald und Wild. Jagdverbände halten die Vorgaben für nicht umsetzbar und kritisieren eine massive Bevorzugung der Forstwirtschaft. Tierschützer werfen der Ministerin vor, sie setze nur auf das Totschießen.

Zwei Rehe im Wald.
Der Mensch erfreut sich ihres Anblicks, für den Wald können sie aber schon mal zum Problem werden: Rehe. Bildrechte: imageBROKER/Horst Jegen

Bundesagrarministerin Julia Klöckner hat ihren Entwurf für ein neues Jagdgesetz verteidigt. Es sei ein Kompromiss unterschiedlicher Interessen. Klöckner sagte MDR AKTUELL, es gehe um einen Ausgleich zwischen Wald und Wild.

Der Wald sei durch Dürren und den Borkenkäfer massiv geschädigt. Deshalb habe man das bislang größte Wiederaufforstungsprogramm in Deutschland gestartet.

Die Verbissschäden bei Neuanpflanzungen lägen dabei aber bei 33 Prozent. Das sei schlichtweg zu viel. Deshalb müssten sich Waldbesitzer und Jagdpächter nun auf einen sogenannten Abschusskorridor einigen, der Mindest- und Höchstzahlen für den Abschuss von Wild festlegt.

Kritik von Jagdverbänden und Tierschutz

Doch es gibt auch Kritik an diesem Gesetzentwurf und daran, dass dadurch für Waldbesitzer die Pflicht wegfällt, ihre Baumschonungen mit Zäunen zu schützen. Klöckner wies diese Kritik zurück: Es gebe jetzt die Wahl, entweder Zäune zu errichten oder das Wild zu bejagen. Jagdverbände halten die Vorgaben für nicht umsetzbar und kritisieren eine massive Bevorzugung der Forstwirtschaft. Tierschützer werfen der Ministerin vor, sie setze nur auf das Totschießen.

Weitere Neuregelungen im Bundesjagdgesetz sollen die nächtliche Jagd auf Wildschweine erleichtern, um die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest einzudämmen. In Büchsenmunition soll das Blei und damit die Umweltbelastung reduziert werden. Außerdem soll die Jägerausbildung modernisiert und vereinheitlicht werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. November 2020 | 07:49 Uhr

3 Kommentare

Harka2 vor 23 Wochen

In meinem Heimatort sind sie mit den Wäldern fertig. Die Harvester haben den Wald komplett zerfahren und alle Wege ruiniert. Man kann nicht mal auf den Wegen noch durch den Wald, abseits der Wege kommt man nicht weit, denn dort liegen die unverwertbaren Überreste der Bäume rum. In dem Gestrüpp aus Baumkronen und abgeschnittenen Ästen kommt kein Mensch mehr durch. Nur den Borkenkäfer freut es und die Feuerwehr wartet auf den Supergau.

Und der großen Ameisenhaufen, der jedem Spaziergänger seit 70 Jahren bekannt war, den hat der Harvester komplett zerfahren und dem Erdboden gleich gemacht. Das ist moderne Forstwirtschaft.

Anni22 vor 23 Wochen

Das ist soweit okay. Es muss ein Gleichgewicht zwischen Rehen, Wildschweinen und Wald herrschen. Irgendwann begreifen wir vielleicht sogar noch, dass dieses Gleichgewicht auch die Menschen betreffen muss. (Mittels Geburtenkontrolle, ehe einige wieder ausrasten.)

kleinerfrontkaempfer vor 23 Wochen

Wer die vielfach liederlichen und unaufgeräumten Wälder betritt, ahnt zumindest wo er hier ist: in einem Wirtschaftsgebiet. Der Forstmann ist nur noch Waldmanager, der seinen (liederlichen) "Arbeitsplatz" vom Laptop und von der Drohnensicht her kennt. Diagramme und Zahlen bestimmen seinen Alltag. Verzweifelte Aufrufe als Gemeinschaftswerk mit Freiwilligen aus der Bevölkerung Umbau und Aufforstung zu betreiben. Thüringen hat seinen Forstbetrieb personell massiv runtergefahren. Subunternehmen arbeiten gegen Entgelt die Aufträge ab. Totholz und nicht verwertbare Holzreste modern (biologisch) wertvoll vor sich hin. Die Feuerwehr freut dieser Filz wenn es mal lodert.
Massenhaft Maisäcker für die Biogasproduktion haben zu einer massenhaften Zunahme der Wildschweine geführt. Und nun neue ministerielle Ideen für die Waldwirtschaft. Man darf gespannt sein.

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