Nach Schlappe bei Landtagswahlen Wie will sich die AfD in Zukunft ausrichten?

Malte Pieper
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Die Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg waren eine ziemliche Schlappe – nicht nur für die CDU, sondern ganz besonders auch für die AfD. Die Alternative für Deutschland verlor rund ein Drittel ihrer Stimmen. Seitdem hängt bei der AfD wieder einmal der Haussegen schief und die Flügel ringen darum, wie man zu alter Stärke zurückfinden könnte. Darüber wollen Bundes- und Landesspitzen nun beraten.

Jörg Meuthen (l), Bundessprecher, und Tino Chrupalla, Bundesprecher, stehen beim Bundesparteitag der AfD gemeinsam auf dem Podium
Die AfD-Chefs Meuthen (l.) und Chrupalla vertreten verschiedene Ansichten bei der Ausrichtung ihrer Partei. Bildrechte: dpa

Tino Chrupalla sitzt in seinem Bürgerbüro in Weißwasser – ein Ladenlokal mit schwarz-rot-goldener Umrandung, direkt an der Hauptstraße. Hier in der Oberlausitz ist der AfD-Co-Bundesparteivorsitzende zu Hause.

Die Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sind jetzt ein paar Tage vorbei und der 45-Jährige seufzt, als er darauf angesprochen wird: "Wir sollen und müssen uns als Alternative für Deutschland darstellen und ich denke, einige Wähler im Westen haben den Eindruck, dass wir inzwischen in vielen Punkten mit FDP und CDU gleichgeschaltet sind. Die CDU ist ja genauso mächtig abgeschmiert. Da ist es erstaunlich für uns, dass wir davon nicht profitieren konnten."

Arbeiterfamilien als Zielgruppe

Stattdessen verlor die AfD in alle Richtungen, so zeigen es die Analysen beispielsweise des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap. In Baden-Württemberg wechselten ungefähr gleich viele Wähler von der AfD zu den Bürgerlichen von CDU und FDP wie ins Lager der Nichtwähler. In Rheinland-Pfalz konnte Schwarz-Gelb dagegen von den AfD-Verlusten kaum profitieren. Dort gingen die AfD-Wähler in der überwiegenden Mehrheit einfach gar nicht mehr abstimmen.

Und genau auf die müsse man sich nun konzentrieren, fordert Co-Parteichef Chrupalla im Gespräch mit MDR AKTUELL, mit einer klaren Fokussierung auf "soziale Themen".

Chrupalla sagt: "Sozial heißt für diejenigen, die in diesem Land arbeiten gehen und die früh aufstehen und nach getaner Arbeit spät nach Hause kommen und sich um ihre Familie kümmern. Diese Personengruppe, vor allem die prekär Beschäftigten, muss mehr Würdigung in diesem Land bekommen. Für die muss auch mehr politisch gemacht werden. Ich bin der Meinung, diese Klientel wird von fast allen Parteien vernachlässigt. Wir im Osten machen das sehr gut, dass wir genau diesen Menschen auch eine Stimme geben."

Grafik Wahltermine in Sachsen-Anhalt, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gemäßigter oder radikaler Kurs?

Es ist der seit langem bestehende Richtungsstreit in der AfD: Setzt man auf eine eher wirtschaftsfreundliche, vielleicht sogar neoliberale Politik oder liegt die Lösung im Sozialen, das eben auch national bei der AfD flankiert wird?

Für Nico Siegel, Geschäftsführer von Infratest dimap, ist mit Blick auf die bevorstehenden Wahlen klar, dass soziale Angebote in den tendenziell eher schwächeren Regionen in den neuen Bundesländern sinnvoll sind.

Aber, so der Meinungsforscher, "neben dieser Frage nach der wirtschaftspolitischen Orientierung konzentriert es sich natürlich auf die Fragen: Versucht die AfD eher rechts von der Mitte enttäuschte Nationalkonservative an sich zu binden? Ein Kurs, für den Jörg Meuthen ganz klar steht. Oder setzt man künftig auf deutlich radikalere Positionen im Wahlkampf? Dafür steht ja allen voran Björn Höcke."

Neigung zu radikalen Ansätzen

Der ließ unmittelbar nach der Wahl bereits wissen, das "Schielen nach der ominösen bürgerlichen Mitte" habe sich einmal mehr als falsch erwiesen. Nichtwähler bringe man nicht mit angepassten Positionen an die Wahlurne. Die AfD müsse aufpassen, nicht als "jüngste Altpartei der Republik" zu enden, warnt Höcke in einem Aufsatz.

Eine Warnung, der Wahlforscher Siegel von Infratest dimap seine Analysen gerade mit Blick auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt Anfang Juni entgegensetzt: "Im Osten sind es tatsächlich mehr, die auch zu radikaleren Ansätzen neigen und zu diesem sozialpolitisch nationalen Kurs, aber die AfD hat dort auch bürgerliche Wähler. Auf jeden Fall verschreckt man mit Sicherheit mit einem sehr radikal ausgeprägten Kurs, einen Teil der Wählerschaft, die 2016 (in Sachsen-Anhalt) noch die AfD gewählt hat."

Keine weitere liberale Partei

Zurück in der Oberlausitz: Im Bürgerbüro in Weißwasser, ist Tino Chrupalla, der eine Teil der AfD-Bundesspitze, schon einige SMS und Telefonate zur Wahlauswertung weiter. Und er kommt zu einem anderen Ergebnis als sein Co-Vorsitzender Jörg Meuthen.

Chrupalla betont, der Kurs im Osten sei der richtige, wenn die AfD ihre alte Stärke behalten wolle: "Ich denke, die Bürger wollen keine weitere liberale Partei haben. Da gibt es mit CDU und FDP schon genug. Wie gesagt: Wir müssen unser Profil mit Personen und mit Themen schärfen."

Wie genau diese Schärfung aussieht und wie radikal sich die AfD künftig positioniert, das dürfte nicht zuletzt vom Treffen der Bundes- und Landesspitzen der Partei an diesem Wochenende abhängen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. März 2021 | 06:09 Uhr

Mehr aus Politik

Mehr aus Deutschland