Debatte Corona-Studie: AfD sieht Diffamierung - Linke fordert Aufklärungskampagne

In einer Studie kommt das Jenaer "Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft" zu dem Ergebnis, dass die Corona-Infektionszahlen in Regionen mit hohen AfD-Wahlanteilen besonders stark angestiegen sind. In der Politik stößt die Untersuchung auf gemischte Reaktionen. Der AfD-Bundesvize Stephan Brandner bezeichnete die Ergebnisse als lächerlich. Die Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss (Linke) forderte eine verstärkte Aufklärungskampagne.

Stephan Brandner (AfD)
Stephan Brandner sieht die AfD von "linksradikalen Kräften" diffamiert. (Archivfoto) Bildrechte: dpa

Die AfD hat die Autoren einer Studie zum Zusammenhang zwischen Corona-Infektionen und dem Wahlverhalten kritisiert. AfD-Bundesvize Stephan Brandner bezeichnete die Ergebnisse als lächerlich. Es sei "mehr als schäbig", der AfD mit "pseudowissenschaftlichen Studien die Schuld an Corona-Erkrankten zuschieben zu wollen". Das federführende Jenaer Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) sei "von linksradikalen Kräften durchsetzt und sein Hauptgeschäft die Diffamierung der AfD".

Linke-Abgeordnete fordert Aufklärungskampagne

Als Reaktion auf die Studie forderte die Landtagsabgeordnete der Linken Katharina König-Preuss, dass die Ergebnisse in die Pandemiebekämpfung einfließen. Ihrer Meinung nach müsste in den Orten und Regionen, in denen die AfD hohe Zustimmungswerte bekommen habe, eine zusätzliche Aufklärungskampagne gestartet werden. Die Wirkmacht der Fehlinformationen über soziale Medien, Chatgruppen und rechte Hassprediger sei bei einem Teil der Bevölkerung stark und viele Positionen von Corona-Leugnern seien verfestigt, so Preuss. Deshalb dürfe nicht lockergelassen werden. Es gehe schließlich um die Gesundheit und Freiheit aller Menschen in Thüringen sowie um das soziale und kulturelle Leben und eine funktionierende Wirtschaft.

Katharina König-Preuss, 2017
Katharina König-Preuss fordert, dass die Ergebnisse der Studie in die Pandemiebekämpfung einfließen. Bildrechte: dpa

Studie sieht Zusammenhang zwischen Wahlverhalten und Infektionszahlen

Forscher des IDZ hatten mit Kollegen in München und Bielefeld untersucht, ob es in den 401 Kreisen und kreisfreien Städten in Deutschland einen Zusammenhang zwischen dem AfD-Zweitstimmenanteil bei der Bundestagswahl 2017 und dem Anstieg von Corona-Infektionszahlen in den Wellen vom Frühjahr und Herbst 2020 gab. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass in Kreisen und kreisfreien Städten mit hohen AfD-Wahlanteilen die Infektionszahlen besonders stark angestiegen sind. Das geringe Vertrauen der AfD-Anhänger in den Staat führt nach Ansicht der Wissenschaftler auch zu einer geringeren Akzeptanz der Corona-Regeln. Faktoren wie etwa die Grenznähe einer Region, die Anzahl der Schulen oder Homeoffice-Quoten könnten als alternative Erklärungen ausgeschlossen werden.

Quelle: MDR(seg,cfr)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 19. November 2021 | 19:00 Uhr

Mehr aus Politik

Mehr aus Deutschland