Bundeswehr Afghanistan-Einsatz kostete mehr als 17 Milliarden Euro

20 Jahre dauerte der Einsatz in Afghanistan – doch der Abzug gipfelte im Chaos. Auch die Kritik am Zeitplan der geplanten Afghanistan-Konferenz reißt nicht ab. Unterdessen werden Zahlen zu den Kosten bekannt.

Soldaten steigen aus dem Airbus A310 der Luftwaffe nach der Landung auf dem niedersächsischen Stützpunkt Wunstorf. Die ersten Soldaten der Bundeswehr sind von ihrer Evakuierungsmission in Afghanistan nach Deutschland zurückgekehrt. Auf dem Luftwaffenstützpunkt Wunstorf bei Hannover landeten am Freitagabend kurz vor 20.00 Uhr drei Militärmaschinen. Für den Rückflug der Soldaten nach Deutschland wurden ein Airbus A310 der Luftwaffe und zwei Militärtransporter A400M eingesetzt . Die Einsatzkräfte waren in Taschkent gestartet, der Hauptstadt von Usbekistan. Dort hatte die Bundeswehr ein Drehkreuz eingerichtet, um in kurzen Shuttleflügen Deutsche und bedrohte Afghanen aus Kabul auszufliegen.
Ende August kehrten die letzten Bundeswehr-Soldaten aus Afghanistan zurück – nach einem zunehmend chaotischen Evakuierungseinsatz. Bildrechte: dpa

Der deutsche Afghanistan-Einsatz hat nach Angaben der Bundesregierung mehr als 17,3 Milliarden Euro gekostet. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Fraktion hervor. Den weitaus größten Posten in dem 20 Jahre dauernden Einsatz machte das Militär mit 12,3 Milliarden Euro aus.

Das Auswärtige Amt gab demnach rund 2,48 Milliarden Euro für sogenannte projektbezogene Personal- und Sachkosten aus. Nicht enthalten sind darin Personal- und Sachkosten des Auswärtigen Amtes im regulären diplomatischen Betrieb. Das Entwicklungsministerium stellte rund 2,46 Milliarden Euro in Afghanistan zur Verfügung. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gab 33 Millionen Euro aus.

Strack-Zimmermann: Ein Nachmittag reicht nicht für Aufarbeitung

Im Bundestag soll am Mittwoch Bilanz gezogen und der 20-jährige Einsatz debattiert werden. Verteidigungsexperten mehrerer Fraktionen sagten ihre Teilnahme jedoch bereits im Vorfeld ab.

FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann sagte MDR AKTUELL, ihre Fraktion werde nicht dabei sein. Das Thema solle man erst besprechen, wenn sich der neue Bundestag konstituiert habe und auch die neuen Parlamentarier da seien. Ein Nachmittag reiche nicht, um 20 Jahre aufzuarbeiten. Das Verteidigungsministerium hält trotz fraktionsübergreifender Kritik an dem Termin fest.

Militärpfarrer: Evakuierung brachte "moralische Zumutungen" mit sich

Ende August hatten die letzten Bundeswehrsoldaten Afghanistan verlassen. Zuvor hatten sich die Evakuierungen zunehmend chaotisch gestaltet. Der bei dem Einsatz beteiligte Militärpfarrer Thomas Bretz-Rieck spricht rückblickend von "moralischen Zumutungen" für die Soldatinnen und Soldaten. Er sagte dem Evangelischen Pressedienst, in der Ausbildung seien sie auf Situationen wie in Kabul nicht wirklich eingestellt gewesen.

Die Soldatinnen und Soldaten hätten gelernt, mit anderen Kämpfern zu tun zu haben. "In Kabul standen aber Frauen, Männer und Kinder in Zivil vor ihnen, die in einer existenziellen, bedrohlichen, ausweglosen Lage waren", sagte Bretz-Rieck. Einzelnen seien dabei "sehr viele existenzielle Entscheidungen aufgebürdet – in der Konsequenz vielleicht über Leben und Tod". Der Einsatz hinterlasse Spuren. Gleichzeitig heiße das aber nicht, "dass man gleich einen bleibenden Schaden davonträgt".

Quelle: MDR, dpa, epd

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Oktober 2021 | 08:30 Uhr

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