Afghanistan Kabul: Zwei Deutsche auf Weg zum Flughafen verletzt

In der afghanischen Hauptstadt Kabul ist ein zweiter Deutscher auf dem Weg zum Flughafen verletzt worden. Er soll leicht verletzt worden sein. Zuvor war bereits ein Mann angeschossen worden. Er ist Behördenangaben zufolge außer Lebensgefahr. Um die Evakuierung von Deutschen sowie afghanischen Ortskräften zu unterstützen, schickt die Bundeswehr zwei KSK-Hubschrauber nach Kabul.

US-Soldaten bewachen eine Absperrung am internationalen Flughafen.
Hunderte Afghanen warten immer noch darauf, auf den Flughafen in Kabul zu gelangen. Bildrechte: dpa

In der Nähe des Flughafens der afghanischen Hauptstadt Kabul ist offenbar ein weiterer Deutscher verletzt worden. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa) unter Berufung auf das Auswärtige Amt. Es handele sich um eine leichte Verletzung. Ob es eine Schussverletzung ist, blieb zunächst unklar.

Bereits zuvor hatte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer bestätigt, dass ein anderer Deutscher auf dem Weg zum Flughafen angeschossen wurde. Der Zivilist soll nach einem dpa-Bericht durch einen Streifschuss der Taliban verletzt worden sein. Einer der beiden Verletzten sei bereits ins usbekische Taschkent ausgeflogen worden. Der andere sei transportfähig, halte sich aber weiterhin in Kabul auf.

Verzweiflung am Flughafen Kabul

Am Flughafen nimmt unterdessen die Verzweiflung der Menschen zu, die auf eine Ausreise aus Afghanistan hoffen. Auf einem Videoclip, der sich unter anderem auf Twitter und in US-Medien verbreitete, war zu sehen, wie aus einer Menschenmenge ein Baby über eine Mauer mit Stacheldraht an US-Militärs übergeben wurde. Ein Soldat packte das Baby am rechten Arm und reichte es an Kollegen weiter.

Ein Sprecher der US-Marineinfanteristen erklärte, der Soldat in dem Clip sei ein Mitglied einer ihrer Einheiten. Das Baby sei zu einer medizinischen Station auf dem Gelände gebracht worden und werde dort von Gesundheitspersonal versorgt. Zu den Umständen der Szene – etwa dazu, was mit den Eltern des Kindes ist – äußerte sich der Sprecher auf Anfrage zunächst nicht weiter.

Auch auf anderen – allerdings nicht offiziell bestätigten – Videos in sozialen Medien war zuvor zu sehen gewesen, wie Menschen kleine Kinder über Mauern mit Stacheldraht an die US-Soldaten reichten.

Flughafen ist blockiert

In den vergangenen Tagen sind am Flughafen Kabul zahlreiche Menschen getötet und verletzt worden. Medienberichten zufolge starben mehrere Afghanen im Gedränge auf dem Rollfeld, als sie versuchten, in eines der Flugzeuge zu gelangen. Auf Twitter kursieren Videos, die zeigen, wie sich Menschen an die startenden Maschinen klammern und schließlich in den Tod stürzen.

Der Flughafen wurde inzwischen von afghanischen Zivilisten geräumt. Die wartenden Menschen werden auf der einen Seite von US-Soldaten, die den Flughafen absichern, in Schach gehalten. Auf der anderen Seite kontrollieren die Taliban nach wie vor den Zugang zum Flughafen. Der britische Sender BBC beruft sich auf einen internen UN-Bericht und schreibt, dass die Islamisten systematisch nach Gegnern und ihren Angehörigen suchen. Demnach überprüfen Taliban-Kämpfer die Identität von Afghaninnen und Afghanen, die auf dem Weg zum Flughafen sind. Gleichzeitig mehren sich Berichte, dass eine Reihe ehemaliger Regierungsmitarbeiter, die sich in der vergangenen Woche ergeben hatten, verschwunden oder in Taliban-Gefangenschaft sind.

KSK verlegt Hubschrauber nach Afghanistan

In dieser unübersichtlichen Situation hat die Bundeswehr für ihren Evakuierungseinsatz in Kabul zwei Hubschrauber nach Afghanistan verlegt. Wie das Bundesverteidigungsministerium bestätigte, handelt es sich um Helikopter des Kommandos Spezialkräfte (KSK). Sie sollen zur Rettung aus der Luft eingesetzt werden. Die Helikopter seien zum Transport verladen worden und bereits am Samstag in Kabul einsatzbereit.

Die KSK-Hubschrauber seien auf die Befreiung von Geiseln ausgerichtet, sehr beweglich und könnten selbst in eng bebauten Städten landen. Denkbar seien Einsätze zur Rettung einzelner Menschen aus Gefahrenlagen oder deren Abholung von abgelegenen Orten. Die Helikopter sollten insgesamt dafür sorgen, dass die Bundeswehr vor Ort ein erweitertes Handlungsspektrum erhalte. In aller Regel müssten Menschen, die ausgeflogen werden wollen, aber weiterhin selbst zum Flughafen kommen.

Mehr als 1.600 Menschen evakuiert

Die Bundeswehr hat nach eigenen Angaben zwischen Montag und Freitagmittag mehr als 1.600 deutsche Staatsbürger und afghanische Helfer mit Angehörigen in Sicherheit gebracht. Das Auswärtige Amt geht davon aus, dass sich noch Hunderte Deutsche in Afghanistan befinden.

Unterdessen ist ein Evakuierungsflug der Bundeswehr in Hannover gelandet. Wie das niedersächsische Innenministerium mitteilte, waren 158 afghanische Ortskräfte und Familienangehörige an Bord. Unter den Geretteten seien etwa 30 bis 40 Kinder und Jugendliche, von denen 20 unbegleitet seien. Die unbegleiteten Kinder und Jugendlichen sollten vom Landesjugendamt betreut werden.

Quelle: dpa, AFP

Die Entwicklung in Afghanistan:

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. August 2021 | 11:00 Uhr

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