Heiße Zukunft für Städte Gesundheitsrisiko Hitze: Mitteldeutschland ohne Aktionspläne

Ine Dippmann, Landeskorrespondentin in Sachsen
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Die durchschnittliche Zahl der Hitzetoten in Deutschland ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Mit sogenannten Hitze-Aktionsplänen sollen Länder und Kommunen gegensteuern. Das ist seit Jahren klar – doch passiert ist bisher wenig.

Frau holt sich Wasser an einen Trinkbrunnen
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Wer aufmerksam durch die Erfurter Innenstadt läuft, sieht sie inzwischen häufiger: Trinkbrunnen. Inzwischen spenden rund 15 Brunnen Wasser und werden von den Erfurtern und ihren Gästen gut angenommen. Die Trinkbrunnen sind nur eine Maßnahme des Hitzeaktionsplans der Stadt Erfurt.

Stadtklimatologe Ulf Riediger erklärt: "Der Hitzeaktionsplan dreht sich darum, dass man versucht, die Hitze, die man aufgrund des Klimawandels nicht mehr vermeiden kann, so erträglich wie möglich zu machen." Das hieße, man versuche mit gezielten Tipps zum Verhalten bei Hitze gegenzusteuern. Zusätzlich gebe es ein Hitzeportal, in dem alle wichtigen Dinge, die die Hitze betreffen, zusammengefasst werden.

Trink- und Springbrunnenkarte in Erfurt

Unter erfurt.de/hitze gibt es eine Karte von Trink- und Springbrunnen in der Stadt, Informationen zu kühlen Orten, zur Begrünung von Plätzen, zu Risikogruppen und wie man hitzebedingte Notfälle erkennt und richtig reagiert.

An vielen Stellen in der Stadt wird auf dieses Hitzeportal hingewiesen. An großen Ein- und Ausfahrtsstraßen wurden Stadtinformationstafeln aufgestellt, die beim Überschreiten bestimmter Temperaturen mit Hinweisen versehen werden. Damit werde darauf aufmerksam gemacht, dass man es mit Hitze zu tun habe und wo man sich auf den städtischen Seiten zu dem Thema informieren kann.

Erfurt als Vorreiter-Stadt bei Hitzeaktionsplan

Erfurt gehört damit zu den wenigen Städten in Deutschland, die einen Hitzeaktionsplan aufgestellt haben. Dabei ist spätestens seit 2003 klar, dass die Politik handeln muss. Im Sommer 2003 waren in Europa durch die Hitzewellen tausende Menschen gestorben. Länder wie Frankreich, Spanien und England begannen schon im Jahr darauf, Hitzeaktionspläne aufzustellen und umzusetzen. In Frankreich haben Städte Register mit älteren, alleinstehenden Personen eingeführt. Bei anhaltender Hitze bekommen sie Hilfe und Beratung von Sozialarbeiterinnen und -arbeitern. Und: Rathäuser bieten gekühlte Räume an und versorgen jene, die sich nicht selbst helfen können.

Bundesländern fehlt Plan gegen Hitze

In Deutschland gibt es bis heute kein Bundesland, das einen solchen Aktionsplan aufgestellt hat. Lediglich Hessen hat 2004 einzelne Maßnahmen in einem Ministerialerlass für Stationäre Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen verankert.

2017 veröffentlichte das Bundesumweltamt Handlungsempfehlungen für die Erstellung von Hitzeaktionsplänen. Darin hieße es unter anderem: "Eine zentrale Koordinierungsstelle sollte auf Landesebene beispielsweise in einer Gesundheitsbehörde eingerichtet werden."

Aus dem Sächsischen Sozialministerium heißt es auf MDR-Anfrage, das Ministerium sei zwar mit der Thematik Hitzeaktionspläne befasst und stehe im Austausch mit sächsischen Akteuren. Aber: "Auf Landesebene wird es in Sachsen keine zentrale Koordinierungsstelle geben. Die Zuständigkeit für die Erstellung dieser Pläne wird federführend bei den Kommunen gesehen", so das Sächsische Sozialministerium.

Hier herrscht länderübergreifend Konsens: Wie Sachsen verweist auch das Ministerium in Sachsen-Anhalt auf einen Beschluss der Gesundheitsministerinnen und -minister vom vergangenen Jahr. Hitzeaktionspläne sollen auf Grundlage der Empfehlungen des Bundesumweltamts innerhalb von fünf Jahren aufgestellt werden – allerdings von den Kommunen.

Erfurt und Dresden sagen Hitze den Kampf an

Erfurt ist diesen Schritt schon gegangen und beteiligt sich zudem gemeinsam mit Dresden an einem Projekt zur hitzeresilienten Stadt. Hans-Guido Mücke vom Umweltbundesamt, der solche Pilotprojekte beobachtet, sagt: "Thüringen hat im vergangenen Jahr auch eine Konferenz dazu durchgeführt. Das ist wichtig, solche Starter-Städte zu haben, an denen sich dann andere Städte orientieren können."

Aktionspläne mindern Sterblichkeitsrate bei hohen Temperaturen

Eine Befragung des Bundesumweltamtes zeigt, dass in den Kommunen Geld und Personal fehlen, um Hitzeaktionspläne zu entwickeln und anschließend auch umzusetzen.

Was die Hitzeaktionspläne bewirken können, das lässt sich nach einer Analyse des Bundesumweltamts nicht generell sagen – nur so viel: Es liegen vielversprechende Befunde vor, dass sich die hitzebedingte Sterblichkeit bei ältere Personen verringert, wenn ein Hitzeaktionsplan umgesetzt wird.

Quelle: MDR Aktuell

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 18. Juni 2021 | 08:06 Uhr

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