Wegen gestiegener Löhne und Preise Hartz-IV-Sätze steigen stärker als bekannt

Die Hartz-IV-Grundsicherung steigt im kommenden Jahr stärker als zunächst geplant. Grund ist das komplizierte zweistufige Berechnungsverfahren. Alleinstehende Erwachsene erhalten ab Januar 14 Euro mehr als derzeit.

Unter einer Lupe ist 2006 der Schriftzug 'Hartz IV' zu sehen.
Die Hartz-IV-Regelsätze steigen zum 1. Januar stärker als zunächst geplant. Die Bundesregierung musste ihren ersten Beschluss vom August jetzt ändern. Bildrechte: dpa

Die Hartz-IV-Sätze steigen ab dem kommenden Jahr etwas stärker als bislang bekannt. Wie das Bundesarbeitsministerium mitteilte, erhalten alleinstehende Erwachsene ab 1. Januar 446 Euro im Monat, das sind 14 Euro mehr als bisher. Ehegatten und Partner erhalten künftig 401 Euro.

Mehr Geld auch für Kinder und Jugendliche

Erwachsene unter 25 Jahren ohne eigenen Haushalt erhalten 357 Euro. Der Regelsatz für Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren steigt um 45 Euro auf 373 Euro. Kinder bis fünf Jahre erhalten dann 283 Euro statt wie bislang 250 Euro.

Für Kinder zwischen 6 und 13 Jahren gibt es dagegen nur einen Euro mehr. Sie erhalten künftig 309 Euro. Das Ministerium erklärte, diese Altersgruppe habe bei der letzten Neuberechnung für 2017 überproportional profitiert. Der Anstieg von 2016 auf 2017 habe 21 Euro betragen.

Zweistufige Anpassung der Regelsätze

Die Bundesregierung hatte im August noch eine geringere Anhebung der Hartz-IV-Sätze zum Jahreswechsel auf den Weg gebracht. Die nun bekanntgegebene Anpassung ist der zweite Schritt in einem komplizierten Berechnungsverfahren.

Die Hartz-IV-Regelsätze werden alle fünf Jahre neu festgesetzt, wenn eine neue sogenannte Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) vorliegt. Diesen Schritt hatte die Bundesregierung im August gemacht.

Sie ist zudem gesetzlich verpflichtet, die Regelsätze jährlich entsprechend der Lohn- und Preisentwicklung anzupassen. Dieser Schritt erfolgte jetzt. Beide Schritte zusammen ergeben die neuen Hartz-IV-Regelsätze, denen der Bundestag und der Bundesrat noch zustimmen müssen.

Einkommens- und Verbrauchsstichprobe Bei der EVS handelt es sich um eine amtliche Statistik. Dabei werden die Einnahmen und Ausgaben von rund 60.000 repräsentativ ausgewählten Haushalten erhoben. An den Ausgaben von Haushalten unterer Einkommensgruppen orientieren sich dann die Hartz-IV-Sätze.

Kritik vom Wohlfahrtsverband und Kinderhilfswerk

Auch an den höher ausfallenden Hartz-IV-Sätzen gibt es Kritik. Der Paritätische Wohlfahrtsverband erklärte, die geplanten neuen Regelsätze seien realitätsfern, nicht bedarfsgerecht und viel zu niedrig. Der Verband warf der Bundesregierung statistische Trickserei und unverschämtes Kleinrechnen vor.

Das Deutsche Kinderhilfswerk kritisierte, es fehle nach wie vor ein politisches Gesamtkonzept, mit dem die Situation der von Armut betroffenen Kinder und Jugendlichen in Deutschland nachhaltig verbessert werde.

Knapp sechs Millionen Betroffene

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit beziehen rund 5,7 Millionen Menschen in Deutschland Hartz IV. Die Bezeichnung geht zurück auf Sozialreformen unter dem damaligen Kanzler Gerhard Schröder von der SPD, die auf Vorschlägen des früheren VW-Managers Peter Hartz basierten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. September 2020 | 14:30 Uhr

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