EU-Beschluss Tierärzteverband: "Antibiotika-Verbot bedeutet schlimmstenfalls den Tod vieler Tiere"

Die EU plant eine Änderung des Antibiotika-Verbots. Viele Mittel wären dann für die Tiermedizin verboten. Tierärzte fürchten, dass sie viele Krankheiten bei Hunden, Katzen und Nutztieren nicht mehr behandeln können.

Hund beim Tierarzt
Auch Haustiere wären vom geplanten Antibiotika-Verbot betroffen. Bildrechte: Colourbox.de

Der Bundesverband Praktizierender Tierärzte fürchtet negative Folgen des von der EU geplanten weitreichende Antibiotikaverbots bei Tieren. Der Verband kritisiert, dass nicht nur Nutztiere von einem Anwendungsverbot betroffen seien, sondern alle Tierarten – Haus- wie Nutztiere. Am Dienstag startete der Bundesverband deswegen eine Petition, um Stimmen gegen das Verbot zu sammeln.

Der Präsident des Bundesverbandes, Siegfried Moder, erläuterte im Gespräch mit MDR AKTUELL dazu: "Zum Wohl aller Tiere müssen wir uns dafür einsetzen, dass alle für die Tiermedizin zugelassenen Antibiotika auch in Zukunft weiter zur Behandlung zur Verfügung stehen. Anderenfalls würde es schlimmstenfalls den Tod vieler Tiere bedeuten."

Forderung: An Vorschlag der EMA halten

Eigentlich stimme man dem Plan des EU-Parlaments zu, die Antibiotika-Anwendung einzuschränken und bestimmte Wirkstoffe nur der Humanmedizin zu überlassen, sagte Moder.

Aber die Abgeordneten in Brüssel sollten sich an den Vorschlag der EMA halten und nicht mehr Wirkstoffe zum Verbot hinzufügen, da sonst einige Krankheiten nicht mehr behandelbar wären. Zudem bemühe man sich stets um einen reduzierten Einsatz von Antibiotika, sagte Moder. Seit 2012 habe man es geschafft, den Einsatz um 60 Prozent zu reduzieren.

Diskussion um Größe des Beschlusses

Im Beschluss der EU geht es darum, die sogenannten Reserveantibiotika ausschließlich der Humanmedizin vorzubehalten. Das bedeutet, dass bestimmte Medikamente nur noch bei Menschen angewendet werden und nicht mehr in der Tiermedizin. Damit will man unter anderem erreichen, dass weniger multiresistente Keime entstehen.

Der Vorschlag ist dem EU-Umweltausschuss jedoch zu lasch gewesen und soll nochmals überarbeitet werden. Das kritisieren nun die Tierärzten und Tierärztinnen. Zudem Moder zufolge nur fünf Prozent der multiresistenten Keime auf die Tiermedizin zurückzuführen seien und die restlichen 95 Prozent aus der Humanmedizin stammten.

Die finale Abstimmung darüber soll im EU-Parlament Mitte September stattfinden und ab Januar 2022 soll das neue Gesetz dann in Kraft treten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 12. August 2021 | 09:48 Uhr

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