Hörer machen Programm Warum ein Antikörpertest keine Corona-Genesung nachweist

Lydia Jakobi, Autorin und Reporterin
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Für Geimpfte, Getestete und Genesene fallen vielerlei Beschränkungen weg. Diejenigen, die eine Covid-19-Erkrankung durchgemacht haben, können das anhand eines PCR-Tests nachweisen. Ein nachträglicher Antikörpertest hingegen reicht nicht. MDR AKTUELL-Hörerin Edeltraud Renker aus Gera fragt sich, warum sie mit einem Antikörpertest kein Genesungszertifikat bekommt. Der Grund: Bisher sei noch zu wenig über den Schutz durch Antikörper bekannt, um eine Infektion mit dem Coronavirus auszuschließen.

Coronavirus Antikörper Zellen
Bisher ist noch nicht erforscht, wie hoch der Schwellenwert der Antikörper sein muss, um zuverlässig vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen. Bildrechte: IMAGO / Science Photo Library

Im Mai dieses Jahres hatte Edeltraud Renker aus Gera plötzlich Symptome, die auf Corona hindeuteten. Ihr Mann und ihre Schwiegertochter waren erkrankt, Renkers eigener Test fiel negativ aus. Trotzdem fand der Arzt in ihrem Blut Antikörper.

Die Vorstellung ist: Man weist Antikörper im Blut nach und dann weiß man anhand der Menge der Antikörper, jemand ist besser oder weniger gut geschützt. Aber dieses Wissen ist einfach nicht da.

Lothar Wieler, RKI-Chef

Ob sie damit längerfristig vor Covid-19 geschützt ist, sei allerdings unklar. Das erklärte Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts, in der Bürgersprechstunde des Gesundheitsministeriums: "Diese Frage zu den Antikörpern hören wir unheimlich oft und sie führt zu sehr viel Verwirrung. Die Vorstellung ist: Man weist Antikörper im Blut nach und dann weiß man anhand der Menge der Antikörper, jemand ist besser oder weniger gut geschützt. Aber dieses Wissen ist einfach nicht da. Das heißt, es kann Menschen geben, die haben Antikörper im Blut, aber die schützen gar nicht und es gibt andere, da weist man gar keine Antikörper nach, aber sie sind trotzdem geschützt."

Nicht alle Antikörper schützen vor Covid-Infektionen

Wieder andere waren dem Robert Koch-Institut zufolge mit einem sonstigen Virus der Corona-Familie infiziert, haben Antikörper gebildet und diese Abwehrstoffe helfen nun auch gegen den neuartigen Sars-CoV-2-Erreger. Um es noch etwas komplizierter zu machen: Antikörper ist nicht gleich Antikörper. Uwe Gerd Liebert, langjähriger Leiter des Instituts für Virologie an der Uniklinik Leipzig, sagt: "Es gibt von diesem Virus natürlich eine ganze Reihe von Proteinen oder Eiweißkörpern, die Antikörper hervorrufen können. Aber nur ein kleiner Teil dieser Antikörper verhindert tatsächlich eine Neuinfektion – ist also neutralisierend. Das sind Antikörper, die vor allem gegen das Spike-Protein gerichtet sind."

Genesenen-Zertifikat gibt es nur mit positivem PCR-Testergebnis

Kurz gesagt: Wie sicher und wie lange welcher Abwehrstoff vor einer Neuinfektion schützt, wird noch erforscht. Deshalb bekommen nur diejenigen ein Genesenen-Zertifikat, die die überstandene Erkrankung mit einem positiven PCR-Testergebnis belegen können – und zwar für ein halbes Jahr. Dazu sagt Sabine Dittmar, die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD: "Der aktuelle Stand der Erkenntnisse ist schlicht und ergreifend, dass man nur sagen kann: Sechs bis acht Monate nach durchgemachter Infektion kann man ziemlich sicher von einer Immunität ausgehen. Das heißt, wenn ich erneuten Kontakt mit dem Virus habe, ist die Chance zu erkranken sehr gering und auch das Virus weiterzugeben, sehr unwahrscheinlich."

Neue Forschungen zu Corona-Antikörpern

In Zukunft könnten die Antikörper allerdings eine größere Rolle in der Pandemiebekämpfung spielen, erklärt Dittmar. Wenn man zum Beispiel wisse, ab welchem Schwellenwert – im Fachjargon "Titer" genannt – ein Mensch immun sei. "Wir kennen das ja auch von anderen Erkrankungen, zum Beispiel von der Hepatitis, dass ich einfach weiß: Bei bestimmten Titer brauche ich eine Auffrischungsimpfung oder eben keine. Wenn wir zu diesen Erkenntnissen auch bei der Corona-Erkrankung kommen, dann ist das Ganze sehr viel einfacher zu handhaben", erklärt Dittmar.

Genesene brauchen nur noch eine Corona-Impfung

Seit Ende Juni können sich Genesene mit Antikörpernachweis zumindest über eine Erleichterung freuen: Sie brauchen nur noch eine Impfdosis. Die ständige Impfkommission empfiehlt sogar, die betreffenden Patienten grundsätzlich als genesen anzuerkennen. Das müsste der Bund aber noch in seine Verordnung schreiben.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. Juli 2021 | 08:25 Uhr

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