Nach Abschluss im Bundestag Arbeitgeber kritisieren neues Kinderkrankengeld

Wer kümmert sich um die Kinder? Diese Frage stellen sich zurzeit viele Eltern. Denn Schulen und Kitas haben geschlossen und vor allem kleinere Kinder brauchen zuhause Betreuung, Mittagessen und Hilfe bei den Hausaufgaben. Um Arbeitnehmern entgegen zu kommen, haben Bundesregierung, Länder und Bundestag nun die Zahl der Kinderkrankentage erhöht. Arbeitnehmer können nun bis zu 20 Tage bezahlt krank machen, auch wenn das Kind gar nicht krank ist. Den Arbeitgebern gefällt das allerdings gar nicht.

Ein Mädchen sitzt vor ihren Hausaufgaben.
Den Eltern kommt die neue Regelung zum Kinderkrankengeld sehr entgegen, die Arbeitgeber aber äußern Kritik. Bildrechte: Hessischer Rundfunk

Scharfe Kritik üben die Arbeitgeberverbände an der neuen Regelung, wonach Eltern im Jahr 2021 Anspruch auf mehr Kinderkrankengeld haben sollen. 20 statt zehn Tage. Alleinerziehende sogar 40 statt 20 Tage. Diese Erhöhung sei nicht zu akzeptieren und eine Zumutung, sagt Dr. Sigrun Trognitz, die Geschäftsführerin des Allgemeinen Arbeitgeberverbands Sachsen-Anhalt. Nicht jeder Betrieb könne bis zu 20 Tage auf Mitarbeiter verzichten. "Denn Ausfall des Mitarbeiters heißt immer: Ersatz durch einen anderen Mitarbeiter. Und das fällt in Zeiten des Fachkräftemangels äußerst schwer."

Höhere Lohnnebenkosten für Arbeitgeber

Ein weiterer Kritikpunkt der Arbeitgeber: Die Finanzierung der extra Kinderkrankentage sei nicht geklärt. Normalerweise, wenn gerade keine Pandemie herrscht, kommt nämlich der Arbeitgeber für die Kinderkrankentage auf. Das heißt, er zahlt dem Mitarbeiter, der sich um das kranke Kind kümmern muss, den Lohn in vollem Umfang weiter. Der Arbeitgeber kann das zwar im Arbeitsvertrag ausschließen, dann springt aber bei gesetzlich versicherten Mitarbeitern die Krankenkassen ein.

Nun aber, in der Pandemie, haben Bund, Länder und Bundestag für eine ganze andere Situation gesorgt: Nun sollen Krankenkassen oder Arbeitgeber den Lohn weiterzahlen, obwohl das Kind gesund ist, kritisiert Ute Zacharias vom Verband der Wirtschaft Thüringen. "Die Entscheidung ist grundsätzlich richtig, den Arbeitnehmern in der Kinderbetreuung zu helfen, das ist gar keine Frage. Allerdings soll dieses Kinderkrankengeld ja jetzt gezahlt werden für Kinder, die gesund sind. Das heißt, es ist eine versicherungsfremde Leistung, das ist nicht ganz so zielführend."

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände sieht das genauso. Am Ende würden Unternehmen durch die neue Regelung mit höheren Lohnnebenkosten belastet, weil Krankenkassenbeiträge ja von Arbeitgebern und Arbeitnehmern je zur Hälfte gezahlt werden. Nicht nur die Arbeitgeberverbände, auch die Krankenkassen üben daher diese Kritik. Die gesetzlichen und privaten Krankenkassen fordern, die zusätzlichen Kinderkrankentage aus Steuermitteln zu finanzieren.

Gewerkschaften zeigen kein Verständnis

Die Aufregung von Arbeitgebern und Krankenkassen kann die Arbeitnehmerseite dagegen nicht nachvollziehen. Susanne Wiedemeyer vom Deutschen Gewerkschaftsbund Sachsen-Anhalt sagt: "Man darf ja auch nicht vergessen, aus welchem Grund das eingerichtet worden ist. Wir leben in einer Pandemie. Der Staat hat lange versucht, Kindergärten, Schulen zu öffnen und offen zu halten." Seit dem 8. Dezember sind diese nun geschlossen. Aber die Überlegung, Kitas & Co. so schnell wie möglich wieder zu öffnen, sei ja da, betont Wiedemeyer.

Von daher kann ich das überhaupt nicht nachvollziehen. Und ich möchte die Eltern nur aufmuntern, auf jeden Fall die Tage zu nehmen.

Susanne Wiedemeyer, Deutscher Gewerkschaftsbund Sachsen-Anhalt

Noch ist die neue Regelung nicht unter Dach und Fach. Endgültig wird der Bundesrat in der kommenden Woche darüber abstimmen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Januar 2021 | 10:09 Uhr

23 Kommentare

MDR-Team vor 45 Wochen

Hallo Rein,
man darf das durchaus noch schreiben. Es geht lediglich darum Corona im Vergleich zur Grippe nicht zu verharmlosen.
Ein Faktencheck zeigt: Das Coronavirus ist ansteckender, die Krankheit nach den bisher vorliegenden Daten gefährlicher als eine Grippe. Das liegt daran, dass es in der Bevölkerung keine Grundimmunität gibt, zudem fehlen wirksame Medikamente und die Impfungen haben gerade erst begonnen. Mehr Infos dazu gibt es im Faktenfinder der Tagesschau: https://www.tagesschau.de/faktenfinder/corona-grippevergleich-101.html
Liebe Grüße aus der MDR.de-Redaktion

Ekkehard Kohfeld vor 45 Wochen

"Ich halte es für bedenklich, dass Journalisten nicht einmal in der Lage sind, diesen einfachen und auf jeder Webseite einer Krankenkasse erklärten Sachverhalte nachzuprüfen und korrekt darzustellen."

Ich auch,sogar für sehr bedenklich.🤬🤬🤬

lk2001 vor 46 Wochen

Da ist die Kritik der Arbeitgeberverbände wohl an die falsche Adresse gerichtet. Selbst wenn es kein Geld gibt, die Arbeitnehmer fehlen trotzdem. Die Schuld liegt wohl eher an einer in Krisen Organisation unfähigen Politik. Von Impfmenge bis Lockdown klappt doch nichts.

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