Impfkampagne gegen Corona Ethikrat kritisiert zunehmenden Druck auf Mediziner

Je länger die Welt unter der Last der Corona-Pandemie ächzt, desto höher wird der Druck auf Forschende aus der Medizin – denn sie bieten mit Impfungen und wirksamen Medikamenten theoretisch den Ausweg aus der Krise. Doch es gibt hohe Hürden vor der Zulassung neuer Pharmazie. Ist der öffentliche Druck auf Medizinerinnen und Mediziner zu hoch? Ethikratsvorsitzende Alena Buyx schätzt die Situation ein.

Alena Buyx
Alena Buyx, Vorsitzende des Ethikrats und selbst Medizinerin Bildrechte: imago images/Reiner Zensen

Der Deutsche Ethikrat sieht Mediziner durch die Corona-Pandemie einem stärkeren öffentlichen Druck ausgesetzt. "Es wird schon unglaublich viel erwartet", sagte die Ethikrats-Vorsitzende Alena Buyx MDR AKTUELL am Freitag. Das sei normal in der Krise.

Aber für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sei das "tatsächlich eine etwas schwierige Situation, weil sie doch insgesamt unerwartet und auch unerwartet schnell in eine bestimmte Aufmerksamkeits-Position gerutscht sind. Und das sind wir als Wissenschaftler auch gar nicht gewöhnt." Das sei herausfordernd und alle seien da "auf der berühmten steilen Lernkurve."

Kein "Gefälligkeitsgutachten" für Astrazeneca

Die meisten Wissenschaftler schaffen es Buyx zufolge gut, mit dem Druck umzugehen. Die wissenschaftliche Methode erfordere "ein bestimmtes Vorgehen. Und die meisten Kolleginnen und Kollegen sind sehr gut darin, sich darauf zu konzentrieren und jetzt nicht irgendwelche Sprünge zu machen oder dem Druck nachzugeben und einfach nur das zu erzählen, was man hören will."

Das gilt nach Ansicht von Buyx auch für das Vorgehen der Ständigen Impfkommission bei der Zulassung des Astrazeneca-Impfstoffs für Menschen über 65 Jahre. Das sei „ein sehr schönes Beispiel dafür, dass das nicht abgekürzt oder ein Gefälligkeitsgutachten war", so Buyx. Die Stiko habe sich die Daten aus Großbritannien sehr sorgfältig angeguckt und dann bestätigt.

Stiko hat Impfpflicht schon mehrfach abgelehnt

Buyx wies außerdem Forderungen zurück, der Ethikrat müsse eine generelle Impfpflicht prüfen. Das habe man bereits zwei Mal getan. "Deswegen gehe ich davon aus, dass wir uns nicht noch ein drittes Mal damit beschäftigen." Mit Blick auf die Corona-Impfstoffe habe man "eine allgemeine Impfpflicht ausgeschlossen", betonte Buyx.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. März 2021 | 08:47 Uhr

13 Kommentare

H.E. vor 5 Wochen

Was hat denn der Ethikrat bis jetzt gebracht. Nur daß 80- bis über einhundert Jährige zuerst geimpft werden sollen und da sind noch sehr viele nicht geimpft, besonders diejenigen, die zu Hause leben. Ansonsten hört man nichts!

H.E. vor 5 Wochen

Kritik an Ärzten habe ich wirklich noch nicht gehört und auch nicht von meinen Bekannten und Freunden mit denen ich viel telefoniere.
Kritik kommt aber am Deutschen Ethikrat mit ihren etwas merkwürdigen Vorgaben, sich ganz strikt nur die ab 80 bis über einhundert - Jährigen zu impfen. Etwas anderes habe ich von der Buyx noch nicht gehört.
Es gibt eben auch Schwerstkranke und Schwerstbehinderte 20-jährige bis 80-jährige, aber die scheinen im Weltbild vom Deutschen Ethikrat nicht zu existieren.

pepe79 vor 5 Wochen

Natürlich ist das besser aber sie vergessen dass das im Vergleich gilt wenn keiner geimpft wäre. Wären hypothetisch alle geimpft haben die 30% die sich dennoch infizieren könne eine sehr geringe Begegnungswahrscheinlichkeit dich zu infizieren so dass das Risiko weit unter diesen 30% lieht. Dann ist es auch egal ist womit alle geimpft wurden, da der bessere Impfstoff keinen relevanten Zusatznutzen hat. Aktuell wäre Biontech sinnvoller um das Risiko schneller zu reduzieren das geht aber nicht da nicht genug da ist. Man kann sich jetzt leicht ausrechnen wann man erfolgreicher ist...2 Jahre Impfen und nur mit mRNA dafür relatub lange ein großer Anteil ungeschützter oder in 1 Jahr den Großteil impfen so das Herdenimmunität besteht und die geringere Wirkung des Impfstoffes zu vernachlässigen ist. Ich teile jedoch die Auffassung das ich eher jüngeren Menschen zu mRNA raten würde und Astrazeneca und Sputnik eher für ältete weniger bedenklich sind. Einfach aufgrund der Art des Impfstoffes.

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