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Das Atomkraftwerk in Grohnde in Niedersachsen ist eines der letzten in Deutschland. Bildrechte: dpa

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Warum steigt Deutschland trotz Klimakrise aus der Atomenergie aus?

von Jan Kröger, MDR AKTUELL

Stand: 03. August 2021, 15:59 Uhr

Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima vor zehn Jahren beschloss Deutschland, schneller aus der Atomenergie auszusteigen. Bis Ende 2022 sollen die letzten deutschen Kraftwerke stillgelegt werden. Eine Entscheidung, mit der MDR AKTUELL-Hörer Kurt Hertwig aus Markersdorf in der Oberlausitz nicht einverstanden ist. Er fragt sich warum sich Deutschland gegen die Atomenergie sträubt, obwohl sie eine gute Alternative zu Kohle, Öl und Gas sei und die Umwelt weniger verschmutze.

Mit Kernkraft gegen die Klimakrise – das fordert auch ein politischer Verein namens Nuklearia. Mit dabei: die Technikhistorikerin Anna Veronika Wendland. Sie ist Leipzigerin, zum Zeitpunkt des Interviews aber auf Forschungsreise. Passenderweise in einem der letzten sechs deutschen Atomkraftwerke: im niedersächsischen Grohnde. Wendland argumentiert unter anderem mit einer Studie des Weltklimarats: "Da liegt die Kernenergie gleichauf mit Windkraft: mit 12 Gramm CO2-Äquivalent pro Kilowattstunde. Das ist ein sehr niedriger Wert und der ist auch ungefähr viermal niedriger als die Photovoltaik."

Jochen Ahlswede ist Forschungsleiter beim Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE). Auch er kennt die Zahlen vom Weltklimarat, beurteilt sie aber skeptisch: "Es hängt sehr stark damit zusammen, welche Annahmen man trifft. Insbesondere im Bereich der gesamten Entsorgung - das ist ja ein ungelöstes Problem. Deswegen gibt es gewisse Unsicherheiten in der Frage, wie viel Gramm pro Kilowattstunde genau bei der Kernenergie anzusetzen sind." Neben dem Risiko schwerer Unfälle ist die Frage der Entsorgung für die Bundesbehörde das wichtigste Argument gegen die Kernkraft.

Fortschritte bei Gewinnung von Atomenergie

Andere Forscher sind beim Atommüll weniger skeptisch. Sören Kliem, Experte für Reaktorsicherheit am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf, denkt zurück an die Entdeckung der Radioaktivität vor knapp 130 Jahren und an die Fortschritte, die es seitdem gegeben hat: "Wenn man bedenkt, dass wenn man jetzt einen Endlagerstandort findet und zu füllen beginnt, dass das ungefähr 80 bis 100 Jahre dauert, dann sind wir ungefähr im gleichen Zeitrahmen und ich kann mir gut vorstellen, dass in 130 Jahren von heute die abgebrannten Brennelemente kein Müll mehr sind, sondern ein Rohstoff."

Jochen Ahlswede vom BASE hält wenig von diesem Optimismus: "Im Moment können wir nur eine Bilanz machen, wie die letzten 70 Jahre nach Einführung dieser Technologie gelaufen sind. Da kann man festhalten, dass die Entsorgungsproblematik von allen Seiten unterschätzt worden ist. Da werden wir sicherlich noch Jahrzehnte dran arbeiten."

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Atomkraft - Nein Danke?

Mehrheit der Deutschen für Atomausstieg

Bei der Frage, weshalb sich Deutschland gegen die Atomenergie sträubt, sind sich dagegen alle einig. Sie erinnern an die Proteste in der Bundesrepublik ab den späten 70er-Jahren. Anna Veronika Wendland macht aber auch hier eine Einschränkung: "Ganz wichtig zu bemerken ist, dass Ostdeutschland in dieser Debatte eigentlich überhaupt keine Rolle spielt. Ich bin Wessi, aber ich wohne seit 20 Jahren in Leipzig und ich habe in Ostdeutschland wirklich selten Leute erlebt, die so emotional und engagiert über Kernenergie debattieren, wie das im Westen Usus ist."

Was die Deutschen wirklich vom Atomausstieg halten, überprüft alle zwei, drei Jahre das Allensbach-Institut. 2021 finden ihn 56 Prozent richtig, 25 Prozent falsch. Eine klare Mehrheit – aber es gibt auch einen anderen Trend: 2012 lag die Zustimmung noch bei 73 Prozent – seitdem ist sie jedes Mal um ein paar Prozentpunkte zurückgegangen.

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 03. August 2021 | 06:00 Uhr

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