Tarifkonflikt Keine weiteren Bahn-Streiks bis kommende Woche

Die GDL will nach eigener Aussage am Wochenende nicht streiken. GDL-Chef Weselsky bezeichnete den heute Nacht zu Ende gegangenen Streik als "sehr erfolgreich". Die Bahn hatte zuvor erklärt, die GDL habe ihr Streikziel verfehlt. Mehr als 48 Stunden lang hatte der Streik der Lokführergewerkschaft GDL den Personen- und Güterverkehr der Deutschen Bahn weitgehend lahmgelegt. Seit Freitagmorgen fahren die Züge weitgehend nach Plan. Ein Ende des Tarifkonflikts ist aber noch nicht in Sicht.

Streikende der Gewerkschaft GDL am Kölner HBF.
Für die GDL ein "sehr erfolgreicher" Streik, nach Ansicht der Bahn das Streikziel verfehlt: Im Tarifkonflikt zwischen Bahn und GDL ist keine Entspannung in Sicht. Bildrechte: imago images/Future Image

Den zweitägigen Streik im Güter- und Personenverkehr hat die Gewerkschaft der Lokführer GDL für sich als Erfolg verbucht. Wie GDL-Chef Claus Weselsky am Freitag nach Ende des Streiks erklärte, sei dieser "sehr erfolgreich" gewesen. Weselsky sprach von einer großen Solidarität der Eisenbahnerinnen und Eisenbahner über alle Berufsgruppen hinweg. Nicht nur GDL-Mitglieder, sondern auch Nichtmitglieder hätten "Flagge gezeigt".

Am Wochenende und Anfang kommender Woche werde die GDL zu keinen weiteren Streiks aufrufen. Stattdessen werde es am Dienstag eine Protestveranstaltung vor dem Bahntower in Berlin geben, um "dem Management die rote Karte zu zeigen". Weselsky drohte mit weiteren Arbeitskampfmaßnahmen, sollte die Bahn nicht "schnellstens ein verhandelbares Angebot" vorlegen.

Bahn: Streikziel verfehlt

Die Bahn hatte zuvor erklärt, die GDL habe ihr Streikziel verfehlt. So hätten nur etwa 5.400 Lokführer von insgesamt etwa 19.700 DB-Triebfahrzeugführern die Arbeit niedergelegt. Zudem seien rund 72 Stellwerker, 30 Beschäftigte in der Instandhaltung und 18 Servicemitarbeiter im Ausstand gewesen. Eine Bahn-Sprecherin sagte, abgesehen von Lokführern und einem geringeren Anteil Bordpersonal habe in der Infrastruktur so gut wie niemand gestreikt. Das stehe im kompletten Gegensatz zu den Ankündigungen der GDL-Führung, Beschäftigte im Netz, in den Werkstätten oder an den Bahnhöfen repräsentieren zu wollen.

Diese Darstellung wies Weselsky auf der Pressekonferenz scharf zurück: Zahlreiche Beschäftigte seien "in Ruhezeit oder im Urlaub" gewesen und hätten daher gar nicht streiken können. Vielmehr habe die Bahn ihr Versprechen nicht halten können, im Fernverkehr 25 Prozent der Züge und im Regionalverkehr 40 Prozent weiterhin anzubieten.

Weselsky hatte bereits zu Beginn des Streiks angekündigt, über weitere Arbeitskämpfe in der nächsten Woche zu beraten. Die Gewerkschaft will 1,4 Prozent Lohnerhöhung und eine Corona-Prämie von 600 Euro für das Jahr 2021 sowie eine Erhöhung um 1,8 Prozent für das Jahr 2022 erreichen. Die Bahn hat ein Angebot unterbreitet, verlangt aber eine längere Laufzeit.

Bahnverkehr weitgehend normal gestartet

Nach dem Ende des Streiks am Freitagmorgen um 2 Uhr hat sich der Bahnverkehr in Deutschland weitgehend normalisiert. Wie ein Sprecher der Deutschen Bahn mitteilte, sei der Verkehr, auch im Osten, "planmäßig gestartet". Es seien keine Ausfälle zu erwarten. Ziel sei, im Laufe des heutigen Freitags sowohl im Fern- als auch im Regionalverkehr sowie bei den S-Bahnen wieder das komplette Fahrplanangebot zu fahren.

Allerdings könne es vereinzelt noch zu Einschränkungen kommen. Die Bahn rief die Fahrgäste auf, sich vor Fahrtantritt im Internet oder per Hotline über ihre Zugverbindungen zu informieren.

Volle Züge erwartet

Für heute und das Wochenende erwartet die Bahn vollere Züge – auch aufgrund des Streiks. Man rechne mit den reisestärksten Tagen in diesem Jahr, teilte der Konzern mit. Viele hätten ihre Reisen wegen des Streiks verschoben. Zudem ließen die Ferien in vielen Bundesländern und das sommerliche Wetter eine hohe Auslastung erwarten.

Die Bahn empfiehlt daher, einen Sitzplatz zu reservieren oder möglichst erst in den kommenden Tagen zu fahren. Die Gültigkeit der Zugtickets sei um eine Woche bis zum 20. August verlängert worden.

Quelle: dpa, AFP

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 13. August 2021 | 06:00 Uhr

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