Zugverkehr Schnelle Bahnverbindung für Chemnitz nicht vor 2028

Ine Dippmann, Landeskorrespondentin in Sachsen
Bildrechte: MDR/Jan Bräuer

Zwischen Leipzig und Chemnitz gibt es keinen Fernverkehrszug. Dass sich das ändert, dafür setzen sich seit Jahren die Stadt, Verkehrsexperten und auch Landespolitiker ein. Vor ein paar Wochen konnte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer verkünden: Es ist geschafft, die Strecke soll elektrifiziert und ausgebaut werden. Demnächst beginnen die Gespräche mit dem Bund über die Finanzierung.

Ein Zug der Mitteldeutschen Regiobahn (MRB) fährt in den Hauptbahnhof Chemnitz.
Chemnitz soll an den Fernverkehr angebunden werden. Bildrechte: dpa

Einmal pro Stunde fährt aktuell ein Zug von Leipzig nach Chemnitz – und ebenso häufig in die Gegenrichtung. Die Waggons hinter der Diesellok stammen aus Reichsbahn-Zeiten. Die Stufen sind hoch, der Zug ist ziemlich laut. Immerhin kann man in den Abteilen mal ein Fenster öffnen und lüften. In Corona-Zeiten ein Vorteil. Doch abgesehen davon sehnen viele Reisende und Pendler eine Modernisierung auf der Strecke herbei.

So auch Enrico Brettschneider, der für seine Dienstreisen lieber den Zug als das Auto nimmt: "Gerade für die Erzgebirgsregion ist es eigentlich eine wichtige Verbindung nach Leipzig, um auch in Mitteldeutschland eine Verbindung zu schaffen, Leute in die Region reinzubekommen, also Touristen oder Menschen, die pendeln. Um Arbeit zu finden, die Region Chemnitz und Erzgebirge zu stärken. Und Chemnitz ist ja das Tor ins Erzgebirge."

Streckenausbau in Strukturfördergesetz hineinverhandelt

Doch zu diesem Tor zu gelangen, ist mit dem Zug zumindest beschwerlich. Dietmar Richter leitet das Referat Wirtschaftsförderung/ Standortentwicklung der IHK Chemnitz. Von dem Informationsblatt, in dem Politiker und Wirtschaftsvertreter erklären, warum die Region Chemnitz Eisenbahn-Fernverkehr braucht, ist nur noch eines übrig. Er verteilt sie seit etwa zehn Jahren, alle Argumente sind zigfach vorgebracht: "Wenn Chemnitz an den Fernverkehr angebunden ist, heißt das natürlich auch, dass viel mehr Möglichkeiten für die Wirtschaft existieren", sagt Richter. Bisher seien Kongresse in Chemnitz aufgrund der schlechten Zuganbindung kaum oder nur in geringem Maße durchführbar. Das sei auch für die Hochschulen in der Region ein Problem.

Chemnitz werde als Vorort von Leipzig wahrgenommen, meint Richter, weil von dort eben nur ein Regionalzug fahre. In das 40 Milliarden-Euro schwere Strukturfördergesetz, mit dem die Braunkohleregionen wettbewerbsfähig gemacht werden sollen, haben die Sachsen den Ausbau und die Elektrifizierung der Strecke Chemnitz – Leipzig hineinverhandelt. Eine parteiübergreifende Anstrengung, an der zuletzt Bundestagsabgeordnete der Grünen, der CDU und SPD beteiligt waren.

Maßnahmen sollen bis 2028 abgeschlossen sein

Der Freistaat ist in den vergangenen Jahren schon, soweit es ging, in Vorleistung gegangen; die Vorplanungen an der Strecke sollen in diesem Jahr abgeschlossen werden. Im Konkurrenzkampf um die erste Tranche der Bundesmittel könnte der Ausbau der Strecke Chemnitz Leipzig deshalb vor anderen Projekten liegen.

Denn auch wenn die einzelnen Projekte im Gesetz aufgeführt sind, sagt das noch nichts darüber aus, welches wann finanziert wird. Aus der Sächsischen Staatskanzlei heißt es dazu auf Anfrage:

Wir werden in Kürze Gespräche mit dem Bund aufnehmen über die Finanzierung. Ziel ist ein Abschluss der Maßnahmen bis 2028.

Sächsische Staatskanzlei

Und nicht nur mit dem Bund, der die Kosten trägt, muss verhandelt werden. Auch die Bahn hat ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Schließlich geht es deutschlandweit um knapp 40 zusätzliche Bauprojekte, die neben dem Bundesverkehrswegeplan eingetaktet werden müssen.

Eine Sprecherin teilt auf Anfrage schriftlich mit: "Die Frage der konkreten Projektinhalte ist bei dieser Abstimmung ebenso wichtig wie die nach den für Planung und Bau notwendigen Finanzierungsvereinbarungen. Sobald die Aufträge für die Projekte an die Bahn erteilt worden sind, werden wir zur Planung und Umsetzung in den Dialog mit den regionalen Stakeholdern gehen."

Gegenwind aus der Region befürchtet

Die regionalen Stakeholder, also diejenigen, die von dem Bau der Strecke betroffen sind, können ganz unterschiedliche Interessen haben. Dietmar Richter, Leiter des Verkehrsreferats der IHK Chemnitz, kennt Projekte, die schon vor 30 Jahren in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans aufgenommen und bis heute nicht umgesetzt worden sind. Das Ziel, die Strecke bis 2028 zu elektrifizieren, sei zumindest ambitioniert, sagt er und erklärt: "Es ist ja nicht nur die Elektrifizierung. Es ist ja auch teilweise ein zweigleisiger Ausbau, wo es um Flächen geht, Flächenankäufe."

Richter erwartet auch, dass es Kritiker geben wird, die zum Beispiel mit Bürgerinitiativen versuchen würden, den Ausbau der Strecke abzuwenden: "Es ist ein langer Weg, erst einmal alle Gemüter dort zu beruhigen, eine Planung auf den Weg zu bringen." Die meisten dieser Vorhaben würden nicht beim Bund und oder am Geld scheitern, sondern in der Region selbst.

Batteriebetriebene Züge ab 2023 geplant

Die Nachricht von der nun doch etwas näher gerückten Elektrifizierung der Strecke weckt bei Pendlern zumindest Hoffnungen: "Ich fände es auf jeden Fall gut, weil der Zug dann öfter fahren würde, und hoffentlich auch zuverlässiger. Es gab ja immer mal Ausfälle, weil die Loks kaputt waren", sagt eine Reisende.

Sie sieht in der geplanten Elektrifizierung auch einen Vorteil für die Umwelt, "weil diese ganze Dieseltechnik nicht mehr die Luft verschmutzen würde". Hier will der Verkehrsverbund Mittelsachen aber in Eigenregie Abhilfe schaffen. Schon im vergangenen Jahr wurde beschlossen, dass ab 2023 batteriebetriebene, moderne, schnellere Züge auf der Strecke Chemnitz-Leipzig eingesetzt werden sollen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. August 2020 | 06:11 Uhr

22 Kommentare

Exilerfurter vor 38 Wochen

Wenn man tatsächlich den Citytunnel für den Fernverkehr frei gibt, müsste man das S - Bahn - Angebot dementsprechend ausdünnen, da ja die Gleise in beide Richtungen im 5 Minuten - Takt belegt sind und ein Fernzug sicherlich auch nicht an allen Stationen hält.

GEWY vor 38 Wochen

Richtig was Sie schreiben. Zur Eröffnung und bei Baumaßnahmen im Hbf. sind ICE durch den Tunnel gefahren. Da bin ich wohl einer "Ente" oder dem Wunschdenken von Meckerern auf den Leim gegangen. Jetzt will man aber wohl vom geregelten Fernverkehr durch den Tunnel aus "bahntechnischen" Gründen Abstand nehmen. Oder ist das wieder eine Ente?

Peter vor 38 Wochen

GEWY, Sie irren. Natürlich können ICE durch den City-Tunnel fahren. Ich darf Ihnen mitteilen, dass ich schon einmal selbst dort in einen ICE eingestiegen bin. Zu einer Zeit, als an den oberirdischen Bahnsteigen des ICE gebaut wurde,

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