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Balkonkraftwerk800-Watt-Grenze gilt doch noch nicht

11. Juli 2024, 18:08 Uhr

Im Solarpaket 1 hat die Bundesregierung verankert, dass Balkonkraftwerke bis zu 800 Watt ins Stromnetz einspeisen dürfen. Doch noch gilt die alte Begrenzung von 600 Watt aktuell, wie das Wirtschaftsministerium dem MDR auf Nachfrage erklärt.

von Redaktion Wirtschaft und Ratgeber

Weiterhin nur Einspeisung bis 600 Watt erlaubt

Trotz neuer Gesetzesregelung im Zuge des Solarpaket 1, wonach Balkonkraftwerke bis zu einer Leistung von 800 Watt ins Stromnetz einspeisen dürfen, ist dies aktuell noch nicht möglich. Grund dafür ist die fehlende Änderung der Normierung, wie das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz auf MDR-Nachfrage mitteilte.

So sei auch bis auf Weiteres nur eine Einspeisung von 600 Watt erlaubt. Das Ministerium teilte mit: "Derzeit wird von der Deutschen Kommission Elektrotechnik eine Produktnorm zu Stecker-Solargeräten erarbeitet, die zukünftig Wechselrichterleistungen bis 800 Watt beziehungsweise Voltampere erlauben würde. Daher wurden Stecker-Solargeräte im Solarpaket bereits mit 800 Watt Wechselrichterleistung definiert". Weiter hieß es in dem Schreiben: "Derzeit darf der Wechselrichter einer Balkonsolaranlage eine Nennleistung von maximal 600 Watt beziehungsweise Voltampere haben. Das ergibt sich aus der technischen Normung."

Derzeit darf der Wechselrichter einer Balkonsolaranlage eine Nennleistung von maximal 600 Watt beziehungsweise Voltampere haben.

Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz

Produktnorm für 800 Watt steht noch aus

Der zuständige Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik – kurz VDE - erarbeitet derzeit eine Produktnorm zu diesen sogenannten Stecker-Solargeräten, die Wechselrichterleistungen bis 800 Watt erlauben würden. Trotz dieser fehlenden Produktnorm wurden dennoch Stecker-Solargeräte per Gesetz bereits mit 800 Watt Wechselrichterleistung definiert, wie der Verband auf MDR Nachfrage mitteilt: "Bislang gibt es noch keine Produktnorm für das Gesamtprodukt Balkonkraftwerk, diese wird aber derzeit erarbeitet". Es sei zu erwarten, dass sie bis Ende des Jahres noch vorläge. Bis dahin gilt weiter die Grenze von 600 Watt.

Auch noch Zukunft: Balkonkraftwerk an normale Steckdose anschließen

Laut Bundesregierung ist zudem vorgesehen, dass Balkonkraftwerke künftig über eine normale Steckdose ans Stromnetz angeschlossen werden können. Auch das ist bislang noch Zukunftsmusik. "Hierzu muss noch eine Norm mit den Verbänden erarbeitet werden", so die Bundesregierung zu den Plänen auf ihrer Homepage. "Ein Balkonkraftwerk darf nach den aktuell gültigen Regeln nicht an eine herkömmliche Haushaltssteckdose angeschlossen werden. Es gibt zwei Möglichkeiten: Ein Anschluss ist entweder mit einer Energiesteckvorrichtung erlaubt, für die eine spezielle Energiesteckdose vorhanden sein muss, oder eine Elektrofachkraft muss das Balkonkraftwerk direkt verdrahten", erklärt der VDE.

Ein Balkonkraftwerk darf nach den aktuell gültigen Regeln nicht an eine herkömmliche Haushaltssteckdose angeschlossen werden.

Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik

Wer sich jetzt wundert: Oftmals werden Balkonkraftwerke bereits jetzt einfach über die Haushaltssteckdose, auch als Schuko-Stecker bekannt, in Betrieb genommen und so geduldet. Als Grund dafür gibt der Verbraucherzentrale Bundesverband an, dass Schuko-Stecker in den bisherigen Regelungen nicht "explizit verboten" werden. In der neuen Produktnorm für Steckersolar-Geräte soll die Haushaltssteckdose dann als "geeigneter Stecker" mit aufgeführt werden, so der Verband.

Zum VDEDer VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V. (VDE) ist ein 1893 unter dem Namen Verband Deutscher Elektrotechniker (VDE) gegründeter technisch-wissenschaftlicher Verband in Deutschland. Die Kernthemen des Verbandes sind Prüfung, Standardisierung, Zertifizierung und Anwendungsberatung im Fachbereich Elektrotechnik

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MDR (cbr)