Run auf Langzeitstudie Über eine Million Bewerber für bedingungsloses Grundeinkommen

Für ein Forschungsprojekt zum bedingungslosen Grundeinkommen haben sich nach drei Tagen schon mehr als eine Million Menschen beworben. Mindestens 120 Auserwählte sollen drei Jahre lang monatlich 1.200 Euro bekommen. Finanzminister Scholz lehnt die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens als "neoliberal" und "unbezahlbar" ab.

Mehr als eine Million Menschen haben sich für die Teilnahme an einem Pilotprojekt zum bedingungslosen Grundeinkommen in Deutschland beworben. Das teilte der private Verein "Mein Grundeinkommen" in Berlin mit. Das Forschungsprojekt war erst am Dienstag mit der Freischaltung einer Bewerbungsseite gestartet.

Drei Jahre 1.200 Euro monatlich

In der Langzeitstudie wollen Wissenschaftler untersuchen, was ein bedingungsloses Grundeinkommen mit Menschen macht. Dazu sollten ab Frühjahr 2021 ursprünglich 120 Testpersonen drei Jahre lang jeden Monat 1.200 Euro erhalten. Finanziert wird das Projekt über Spenden von mehr als 140.000 Privatpersonen.

Aufgrund der großen Anfrage soll der Teilnehmerkreis nun jedoch erweitert werden. Um wie viele Plätze genau, hänge vom Spendenaufkommen bis zum 10. November ab, hieß es. Bis dahin sei eine Bewerbung zur Studienteilnahme weiterhin möglich.

Wohnsitz in Deutschland, Mindestalter 18 Jahre

An dem Forschungsprojekt sind neben dem Verein "Mein Grundeinkommen" auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), das Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern sowie die Universität Köln beteiligt. Für eine Studienteilnahme kann sich jeder bewerben, der seinen ersten Wohnsitz in Deutschland hat und mindestens 18 Jahre alt ist.

Scholz lehnt bedingungsloses Grundeinkommen ab

Olaf Scholz (SPD), Bundesminister der Finanzen, gibt ein Statement zur Außerordentlichen Lufthansa-Hauptversammlung.
Scholz: "Das wäre Neoliberalismus." Bildrechte: dpa

Bundesfinanzminister Olaf Scholz lehnt die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens trotz der großen Resonanz weiterhin ab. "Das wäre Neoliberalismus. Und wenn man fair und richtig rechnet, ist das auch unbezahlbar", sagte der SPD-Kanzlerkandidat den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Ein bedingungsloses Grundeinkommen habe er nie für richtig befunden. "Das würde viele Errungenschaften des Sozialstaates wie die Renten- oder die Arbeitslosenversicherung gefährden." Scholz forderte stattdessen einen höheren Mindestlohn.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. August 2020 | 10:00 Uhr

41 Kommentare

AnitaR vor 43 Wochen

Unliebsame Tätigkeiten würden allerdings bis fast auf Hälfte der Tätigkeiten ausbreiten, da der durchschnittlicher Lohn knapp über 1.300 Euro beträgt.
Wir reden also über alle Hilfsarbeiten, Lageristen, Verkäufer etc. Jede gesellschaftliche Utopie scheitert daran, dass der Mensch der Utopie nicht entspricht. Es gibt viel zu große Zahl von Menschen, die nur deswegen arbeiten, weil sie Geld verdienen müssen. Fällt diese Notwendigkeit aus, gehen sie auch nicht mehr arbeiten. Kommunismus scheiterte auch an die Utopie, dass der Mensch uneigennützig handeln würde.

ralf meier vor 43 Wochen

Hallo Erichs Rache: Das sehe ich in allen Punkten genau so wie Sie, auch wen ich meine Möglichkeiten , dieses Ziel zu fördern, eher als gering einschätze.
Chancengleichheit heißt für mich übrigens nicht. Alle haben die gleiche Chance 'and the winner takes it all'. Da sind wir uns sehr vermutlich auch einig.

goffman vor 43 Wochen

Oh, stimmt, ich erinnere mich. Danke. Es gab die Begriffe in der Spieltheorie. Sie beziehen sich aber nicht auf die Bezahlbarkeit des Systems, sondern ob die Einzahler im System genauso viel herausbekommen, wie sie einzahlen. Unter diesem Aspekt wäre das BGE fairer, als das jetzige System, da die Kosten für die Bürokratie wesentlich geringer wären und vom eingezahlten Geld mehr ausgezahlt würde.

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