Geschlechtergerechte Sprache Bundestag diskutiert über geschlechtergerechte Sprache

Die AfD will die Verwendung geschlechtergerechter Sprache in den Schriftstücken des Bundestags verbieten. Zwei Anträge der Partei werden im Parlament diskutiert. Wie argumentiert die AfD und was sagen SPD und CDU dazu?

Ehemaliger Reichstag in Berlin
Im Bundestag wird nach zwei Anträgen der AfD über das Gendern diskutiert. Bildrechte: colourbox

Als Bundesjustizministerin Christine Lambrecht im Oktober ihr Gesetz für ein neues Insolvenzrecht vorlegte, schlugen die Wellen hoch. Allerdings nicht des Inhalts wegen. Sondern weil der Entwurf ausschließlich weibliche Formen enthielt.

Thüringens AfD-Vorsitzender Björn Höcke mit AfD-Bundestagsmitglied Stephan Brandner
Stephan Brandner und Björn Höcke auf dem Parteitag der Thüringer AfD. Bildrechte: MDR/Alexander Reißland

Das sei Unsinn, meint Stephan Brandner, stellvertretender Bundessprecher der AfD: "Wir beobachten das schon längere Zeit mit Sorge, dass dieser Gender-Unfug auch im Bundestag um sich greift. Dieser Gesetzesentwurf, der durchgehend in der weiblichen Form eingebracht wurde von Frau Lambrecht, der war ein Punkt, aber nicht der Entscheidende."

Gegen Gendern in Texten der Regierung

Man habe auch bemerkt, sagt Stephan Brandner weiter, dass Grüne, Linke und SPD in ihren Schriftstücken teilweise mit Sternchen, Binnen-Is oder Unterstrichen arbeiten würden. Das will die AfD künftig unterbinden. In den Texten des Bundestages und denen der Regierung soll nach ihrem Willen das generische Maskulinum verwendet werden.

Stephan Brandner sagt: "Gut lesbar sollte alles sein, denn es ist ja auch im Sinne des Bürgers. Wenn ich bloß noch weibliche Formen nehme, das versteht ja kein Mensch da draußen. Es benachteiligt im Übrigen auch diejenigen, die nicht richtig Deutsch können, die das erst lernen."

CDU arbeitet an eigener Leitlinie

Christian Hirte, Abgeordneter der CDU und Vorsitzender seiner Partei in Thüringen, findet die Forderung der AfD zu ideologisch: "Ich glaube, man muss berücksichtigen, wie das normale Sprachempfinden ist und dazu gehört, weder ausschließlich das generische Maskulinum zu verwenden noch das Gendern vorzuschreiben."

Die CDU-Fraktion sei gerade dabei, eigene Leitlinien für den Umgang mit geschlechtergerechter Sprache zu entwickeln. Aktuell würden es alle unterschiedlich machen, so Christian Hirte.

Gesetzliche Vorgaben

Für die Ministerien und Einrichtungen des Bundes legt unter anderem das Bundesgleichstellungsgesetz fest, dass dienstlicher Schriftverkehr, Rechts- und Verwaltungsvorschriften die Gleichstellung von Männern und Frauen auch sprachlich zum Ausdruck bringen müssten.

Elisabeth Kaiser (SPD) spricht auf der 146. Sitzung des Bundestages
Elisabeth Kaiser, Bundestagsabgeordnete der SPD aus Thüringen Bildrechte: dpa

Elisabeth Kaiser, Bundestagsabgeordnete der SPD aus Thüringen, erklärt, was das konkret bedeutet: "Ich glaube, in der Praxis ist es so, dass man eher versucht, beide Formen zu verwenden, weil es auch einfacher ist und weil es nicht immer so einfach ist, einen neutralen Begriff zu finden. Bei Studierenden ist das ganz gut gelungen, bei anderen aber noch nicht."

Diskussionsprozess

Von den Anträgen der AfD hält Elisabeth Kaiser nichts: "Die Vielfalt der Geschlechter sollte auch in der Sprache sichtbar werden. Und ich finde es gut, dass auch in der Bundesverwaltung dieses Thema angekommen ist und dass man jetzt auch darüber diskutiert, wie man das macht, ist auch wichtig."

Christine Lambrechts Gesetz in weiblicher Form musste nach Kritik des Innenministeriums übrigens noch mal überarbeitet werden. Es ging dann mit den männlichen Begriffen durchs Kabinett.

Quelle: MDR / Lydia Jakobi

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. Juni 2021 | 08:11 Uhr

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