Untersuchungsausschuss Ex-Wirecard-Chef Braun: Kein unlauteres Verhalten von Aufsicht und Politik

Er ist der erste und gleich einer der wichtigsten Zeugen vor dem Bundestags-Untersuchungsausschuss zum Wirecard-Skandal: Ex-Vorstandschef Markus Braun. Am Donnerstag sollte er befragt werden, vor allem zu seinen Kontakten in die Politik. Allerdings verlas Braun nur ein kurzes Statement.

Markus Braun, Vorstandsvorsitzender von Wirecard, steht bei einem Fototermin in der Firmenzentrale.
Markus Braun, hier noch als Vorstandsvorsitzender des Münchner Fintech-Unternehmens Wirecard. Seit dem Sommer sitzt er in U-Haft. Im Juli hatte der insolvente Konzern Scheinbuchungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt. Bildrechte: dpa

Bei seiner Ladung vor den Bundestags-Untersuchungsausschuss hat der ehemalige Top-Manager des Skandalkonzerns Wirecard, Markus Braun, nur ein kurzes Statement verlesen. Darüber hinaus machte er von seinem Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern. Zeugen müssen sich nicht selbst belasten.

Es gebe ein umfangreiches Ermittlungsverfahren zu dem Fall, sagte der 51-jährige Österreicher in Berlin. Er vertraue auf die Unabhängigkeit und Objektivität der Justiz, in dem Fall der Münchner Staatsanwaltschaft. Siee werde den Fall aufklären. Er wolle zunächst und vorrangig gegenüber der Staatsanwaltschaft Auskunft geben.

Zugleich verlas Braun, dass er zu keiner Zeit die Feststellung getroffen oder auch nur Hinweise darauf erhalten habe, dass sich Behörden oder Aufsichtsstellen nicht korrekt, pflichtwidrig oder unlauter verhalten hätten. Das gelte auch für den Aufsichtsrat und die Wirtschaftsprüfer, die "offenbar getäuscht" worden seien. Vor diesem Hintergrund sei nicht nachvollziehbar, warum externe Aufsichtsstellen, die "viel weiter weg" seien, Versäumnisse zu verantworten haben sollten.

Verbindungen zur Politik und zu Behörden

Der Ausschuss wollte Braun vor allem zu Kontakten zu Politik und Behörden befragen. Unter anderem steht im Raum, dass sich Finanzstaatssekretär Jörg Kukies zu einem Vier-Augen-Gespräch mit Braun getroffen hat, als die Vorwürfe der Bilanzfälschung gegen Wirecard längst bekannt gewesen sind. Auch der Finanaufsichtsbehörde Bafin wird im Fall Wirecard Versagen vorgeworfen. Zudem ist fraglich, was Finanzminister Olaf Scholz zu welchem Zeitpunkt gewusst hat. Er und auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sollen ebenfalls von dem Ausschuss befragt werden.

Braun sitzt seit dem Sommer in Augsburg in Untersuchungshaft. Nach seinem ehemaligen Co-Vorstand Jan Marsalek wird weiter international gefahndet. Braun und Marsalek sind österreichische Staatsbürger. Im Fall von Marsalek gibt es Anhaltspunkte, dass er als V-Mann für den österreichischen Geheimdienst gearbeitet hat. Eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hatte zuletzt ergeben, dass dem Justizministerium und dem Generalbundesanwalt Anhaltspunkte für eine V-Mann-Tätigkeit Marsaleks vorliegen. Das berichtete die "Süddeutsche Zeitung" Ende Oktober.

1,9 Milliarden Euro verschollen

Das Zahlungsdienstleistungsunternehmen Wirecard hatte Ende Juni Insolvenz angemeldet. Es soll jahrelang seine Bilanzen gefälscht haben. Insgesamt 1,9 Milliarden Euro, die auf Treuhandkonten in Asien liegen sollten, sind nicht auffindbar. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. November 2020 | 14:30 Uhr

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