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Die Luftfahrtbranche verzeichnet einen starken Anstieg an Treibhausgas-Emissionen. Bildrechte: imago images/Christian Ohde

Fast wie vor CoronaCO2-Ausstoß stark gestiegen: Umweltbundesamt fordert weniger Emissionshandel

von MDR AKTUELL

Stand: 16. Juni 2022, 15:13 Uhr

Der Ausstoß von Treibhausgasen hat wieder stark zugenommen. Laut einer Erhebung des Umweltbundesamt wurde mit dem Abklingen der Corona-Pandemie 2021 mehr schädliches Kohlendioxid freigesetzt als erwartet. Damit steigt auch der Handel mit europäischen CO2-Zertifikaten. Das Umweltbundesamt fordert daher eine Senkung der Obergrenzen für Treibhausgas-Zertifikate.

In der Europäischen Union sind zuletzt fast so viele klimaschädliche Treibhausgase ausgestoßen worden wie vor der Coronavirus-Pandemie. Das geht aus einem Bericht der Deutschen Emissionshandelsstelle im Umweltbundesamt hervor.

Emissionen wie vor Corona-Pandemie: CO2-Ausstoß hat stark zugenommen

So haben die im EU-Emissionshandel erfassten deutschen Fabriken und Unternehmen im vergangenen Jahr wieder fast genauso viel Treibhausgase ausgestoßen wie 2019 vor Beginn der Pandemie.

Demnach gaben rund 1.730 erfasste Anlagen etwa 355 Millionen Tonnen Kohlendioxid oder vergleichbare Gase ab. Das entspricht einem Anstieg von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr und liegt nur um etwa acht Millionen Tonnen unter dem Niveau des Jahres 2019.

"Der Wiederanstieg der Emissionen im Jahr 2021 war erwartbar, jedoch nicht dessen Ausmaß", sagte UBA-Präsident Messner. Er forderte, entschieden gegenzusteuern und die Abkehr von fossilen Energien voranzutreiben.

Umweltbundesamt mahnt: schärferer Handel mit CO2-Zertifikaten nötig

Außerdem mahnt die Bundesbehörde in Dessau eine Verschärfung des europäischen Handels mit CO2-Zertifikaten an. Im Rahmen der laufenden Verhandlungen zur Neuausrichtung der europäischen Klimapolitik müssten Rat und Europäisches Parlament konsequent auf eine Senkung der Obergrenzen für Treibhausgas-Zertifikate setzen.

Der europäische Handel mit Emissionszertifikaten soll die Treibhausgase in der gesamten EU senken. Unternehmen benötigen für jede Tonne CO2, die in die Atmosphäre gelangt, eine Berechtigung – ein Zertifikat. Diese Zertifikate können gehandelt werden. Spart ein Unternehmen beispielsweise Kohlendioxid ein, kann es überschüssige Zertifikate an andere Firmen, die ihre Grenze nicht einhalten können, verkaufen.

Obergrenzen, wie viele Tonnen CO2 von einer Branche oder einem Unternehmen insgesamt ausgestoßen werden dürfen, legt dabei die Politik fest. Jährlich sinkt die erlaubte Gesamtmenge, sodass Zertifikate teurer werden. Je höher der Preis, desto eher lohnt sich der Umstieg auf Technik ohne CO2, also ohne Kohle, Öl oder Gas. Doch betrifft diese Maßnahme nur einige Wirtschaftsbranchen.

Emissionen der deutschen Energieanlagen erstmals seit 2013 wieder angestiegen

In Deutschland nehmen an dem System Betreiber von großen Energieanlagen und energieintensiven Industrieanlagen sowie alle Luftfahrtunternehmen teil. Deren wiedererwachte Branche verzeichnet einen Anstieg von 20 Prozent.

Auch die Emissionen der deutschen Energieanlagen sind laut dem Bericht erstmals seit 2013 wieder angestiegen. Sie lagen gegenüber 2020 mit 235 Millionen Tonnen Kohlendioxid um 14 Prozent höher. Gründe dafür seien eine gestiegene Stromnachfrage aufgrund der konjunkturellen Erholung sowie zunehmende Emissionen aus der Verbrennung von Stein- und Braunkohle. Die Preissteigerungen bei den Erdgasimporten sowie eine deutlich geringere Einspeisung aus Windkraftanlagen hätten die Kohlekraftwerke wieder rentabler gemacht.

dpa,epd(lin)

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 16. Juni 2022 | 06:00 Uhr

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