Abzug Letzte Bundeswehr-Soldaten aus Afghanistan ausgeflogen

Die Bundeswehr hat den Afghanistan-Einsatz nach fast 20 Jahren beendet. Die letzten deutschen Soldaten haben das Land verlassen. Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer erklärte, ein historisches Kapitel gehe zu Ende.

Soldaten der Bundeswehr besteigen ein Flugzeug
Die Luftwaffe hat die letzten deutschen Soldaten aus Afghanistan ausgeflogen, die Bundeswehr hat damit ihren Einsatz nach fast 20 Jahren beendet. Bildrechte: dpa

Nach fast 20 Jahren hat die Bundeswehr ihren Afghanistan-Einsatz beendet. Die letzten verbliebenen deutschen Soldaten der Nato-Mission "Resolute Support" haben nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums das Einsatzgebiet im Norden Afghanistans verlassen.

Soldaten aus Masar-i-Sharif ausgeflogen

Die Soldaten wurden von der Luftwaffe aus dem Feldlager in Masar-i-Scharif ausgeflogen. An Bord der Flugzeuge waren demnach auch die zur Absicherung des Lagers in den Norden Afghanistans verlegten Soldaten des Kommandos Spezialkräfte. Die Soldaten werden am Mittwoch in Deutschland erwartet.

In den vergangenen Wochen waren bereits Soldaten und Material der Bundeswehr aus den verbliebenen Standorten in Kabul und Masar-i-Scharif nach Deutschland zurückgebracht worden. Vor Beginn des Truppenabzugs im Mai waren noch rund 1.100 Soldaten und Soldatinnen vor Ort.

Kramp-Karrenbauer erinnert an gefallene und verletzte Soldaten

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer erklärte: "Ein historisches Kapitel geht zu Ende, ein intensiver Einsatz, der die Bundeswehr gefordert und geprägt hat, bei dem sich die Bundeswehr im Kampf bewährt hat. Ein Einsatz, bei dem Angehörige unserer Streitkräfte an Leib und Seele verletzt wurden, bei dem Menschen ihr Leben verloren haben, bei dem wir Gefallene zu beklagen hatten." Während des Einsatzes waren nach Angaben der Bundeswehr 59 Soldaten ums Leben gekommen, 35 vo ihnen durch "Fremdeinwirkung".

Trauerfeier für getöteten Soldaten
Trauerfeier für einen in Afghanistan getöteten deutschen Soldaten. Insgesamt 59 Bundeswehr-Soldaten kamen während des Einsatzes ums Leben. Bildrechte: IMAGO / photothek

Unions-Politiker zieht gemischte Bilanz

Der Unions-Außenpolitiker Jürgen Hardt zieht eine gemischte Bilanz. Der Bundestagsabgeordnete sagte MDR AKTUELL, das Land sei kein Rückzugsort mehr für internationalen Terrorismus. Außerdem gebe es deutliche Fortschritte bei Infrastruktur, Wohlstand und Schulbildung. Leider sei es aber nicht gelungen, zwischen den verschiedenen Gruppierungen im Land Frieden herzustellen. Damit stelle sich die Frage, wie nachhaltig die erzielten Fortschritte seien.

Erstes Afghanistan-Mandat 2001 erteilt

Die Bundeswehr hatte den Einsatz in Afghanistan begonnen, um die USA nach den Terroranschlägen vom 11. September militärisch zu unterstützen. Im Dezember 2001 hatte der Bundestag das erste Mandat für den Einsatz beschlossen. Im Januar waren die ersten deutschen Soldaten in Afghanistan eingetroffen und hatten sich an Patrouillen beteiligt. Bis zuletzt unterstützte die Bundeswehr die Nato-Ausbildungsmission "Resolute Support".

Taliban starteten Offensive nach Abzugs-Ankündigung

Mit der Ankündigung von US-Präsident Joe Biden, die US-Truppen aus Afghanistan abzuziehen, hatte auch die Bundesregierung den Abzug der Bundeswehr angekündigt. Mit dem Rückzug der internationalen Truppen hat sich die Sicherheitslage in Afghanistan schnell verschlechtert. Die radikal-islamistischen Taliban starteten in vielen Landesteilen eine Offensive und eroberten etwa 90 der rund 400 Bezirke des Landes. Weil auch ein Angriff auf das deutsche Lager in Masar-i-Sharif befürchtet wurde, wurden die KSK-Soldaten zur Absicherung des Abzugs vor Ort stationiert.

Quelle: dpa, AFP

Mehr zum Bundeswehr-Abzug aus Afghanistan

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. Juni 2021 | 06:00 Uhr

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