Evakuierungspläne Bundeswehr soll Deutsche und Ortskräfte aus Afghanistan holen

Die Bundeswehr soll deutsche Staatsbürger und ihre ehemaligen Helfer in Afghanistan vor den Taliban in Sicherheit bringen. Allerdings muss der Bundestag der Bundeswehr erst ein entsprechendes Mandat erteilen.

Fallschirmjäger der Division Schnelle Kräfte (DSK) gehen nahe des einzunehmenden Flughafens zu ihrem Sammelpunkt.
Fallschirmjäger der Division Schnelle Kräfte sollen nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa die Evakuierung von deutschen Staatsangehörigen und afghanischen Ortskräften aus Afghanistan absichern. Bildrechte: dpa

Die Bundeswehr soll angesichts des rasanten Vormarschs der radikalislamischen Taliban dabei helfen, deutsche Staatsbürger und verbündete Ortskräfte aus Afghanistan zu holen. Das teilten Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und ein Regierungssprecher mit.

Bundestag soll Mandat für Bundeswehr-Einsatz erteilen

Kramp-Karrenbauer sagte, die Bundeswehr halte dafür einsatzbereite Kräfte bereit. Erste Kräfte sollten schnellstmöglich in Marsch gesetzt werden. Es habe jetzt absolute Priorität, die zu Schützenden sicher nach Deutschland zu bringen. Weitere Details wollte sie nicht nennen.

Die CDU-Politikerin sprach aber von "einer mandatierenden Operation" der Bundeswehr. Das bedeutet, dass der Bundestag dem Einsatz zustimmen muss. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa wird das Mandat derzeit vorbereitet. Der Bundestag soll dann in der kommenden Woche darüber abstimmen.

Fallschirmjäger sollen Evakuierung absichern

Nach dpa-Informationen sollen vor allem Fallschirmjäger der Division Schnelle Kräfte (DSK) die Evakuierung der deutschen Staatsangehörigen und der afghanischen Ortskräfte absichern. Die DSK wird von der Bundeswehr als Teil der Nationalen Risiko- und Krisenvorsorge für solche Aufgaben bereitgehalten.

Krisentelefonat der Bundesregierung

Kramp-Karrenbauer hatte zuvor an einer telefonischen Krisenkonferenz des Bundeskabinetts teilgenommen. Nach Angaben des Regierungssprechers beriet Kanzlerin Angela Merkel dabei mit den wichtigsten Ministern über die Evakuierungsaktion.

Mehr als 100 Deutsche in Afghanistan

Derzeit sind noch deutlich mehr als 100 Deutsche in Afghanistan, darunter die Diplomaten und Beschäftigten der Botschaft in Kabul sowie Experten anderer Ministerien und Organisationen. Die genaue Zahl der Ortskräfte ist noch unklar. Allein Organisationen aus dem Geschäftsbereich des Bundesentwicklungsministeriums haben noch mehr als 1.000 einheimische Mitarbeiter vor Ort.

Forderung nach Rettung afghanischer Ortskräfte

Angesichts der Taliban-Erfolge in Afghanistan hatten sich die Forderungen nach rascher Rettung der afghanischen Ortskräfte gemehrt. Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet sprach von einer moralischen Verpflichtung. Bundesinnenminister Horst Seehofer sagte eine erleichterte Einreise von Ortskräften zu.

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock sprach sich ebenfalls für eine sofortige Evakuierung der Ortkräfte aus. Sie warf der Bundesregierung vor, ehemalige Hilfskräfte der Bundeswehr im Stich zu lassen.

Außenminister Heiko Maas hatte vor wenigen Tagen angekündigt, dass ein bis zwei Charterflüge vorbereitet würden, um noch vor Ende des Monats eine größere Anzahl von Menschen aus Afghanistan auszufliegen. 

Quelle: dpa, Reuters, afp, MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. August 2021 | 17:30 Uhr

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