Rekrutierung Wehrbeauftragte schlägt Musterung aller jungen Menschen vor

Die Wehrbeauftragte Eva Högl wirbt für eine generelle Musterung aller jungen Männer und Frauen. Auch an Schulen solle mehr um Nachwuchs für die Bundeswehr geworben werden, fordert sie. Die Linken kritisieren den Vorstoß als Militarisierung der Gesellschaft.

RekrutiInnen auf der Sturmbahn
Rekrutinnen auf der Sturmbahn Bildrechte: imago images/localpic

Die Wehrbeauftragte des Bundestags, Eva Högl, hat sich für die Wiedereinführung der Musterung für die Bundeswehr ausgesprochen. Die SPD-Politikerin sagte dem Nachrichtenportal "T-online.de", man könne wie in Schweden einen gesamten Jahrgang junger Leute für die Bundeswehr zur Musterung einladen. Diese Musterung solle sich "an alle Geschlechter richten". Eine Rückkehr zur Wehrpflicht schloss sie gleichzeitig aus.

Die Idee eines verpflichtenden Dienstjahres im zivilen oder militärischen Bereich halte sie jedoch für diskussionswürdig. Junge Menschen sollten zu einer Musterung eingeladen werden und dann über ein mögliches Engagement selbst entscheiden.

Debatte um Bundeswehr-Werbung an Schulen

Högl sprach sich zudem dafür aus, dass die Bundeswehr an allen Schulen in Deutschland um Nachwuchs werben dürfe. In Baden-Württemberg etwa ist Bundeswehr-Werbung an Schulen seit 2014 verboten. Högl erklärte, es brauche insgesamt mehr Anstrengungen, um genug Personal für die Bundeswehr zu gewinnen. "Auch nach Ende des Krieges in der Ukraine müssen wir gegen die Gefahr eines Aggressors, sei es Russland oder jemand anderes, gewappnet sein", sagte sie.

recap-Folge: Wie Deutschland seine Haltung zum Militär verändert

Die Personalgewinnung sei noch wichtiger als die Herausforderung beim Material. Zugleich betonte sie, die Bundeswehr müsse zeigen, "dass sie ein attraktiver Arbeitgeber ist. Mit modernen Führungsstrukturen und ausreichend Material und Ausstattung". Wenn junge Menschen zur Bundeswehr kämen und "in ihrer Stube nicht mal WLAN" hätten, sei das ein Problem.

Linke spricht von Schritt zur Militarisierung der Gesellschaft

Bei den Linken stieß der Vorschlag auf scharfe Kritik. Bundesgeschäftsführer Tobias Bank sagte der Nachrichtenagentur AFP, eine solche verpflichtende Musterung wäre "ein Schritt zur Militarisierung der Gesellschaft". Es bestehe keine reale Gefährdungslage, die derartige Eingriffe in das Selbstbestimmungsrecht junger Menschen rechtfertige. Zudem sei eine verpflichtende Musterung "effektiv eine vorbereitende Maßnahme zur Wiedereinführung der Wehrpflicht", kritisierte er.

Die Bundesregierung wollte Högls Aussagen nicht direkt kommentieren. Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums zog aber die schnelle Umsetzbarkeit einer allgemeinen Musterung in Zweifel. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hatte am Donnerstag eine neue Anwerbekampagne der Bundeswehr angekündigt.

AFP(rnm)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 02. Juni 2023 | 12:30 Uhr

36 Kommentare

steka vor 15 Wochen

Bei der Wehrpflicht wurde darauf auch nicht Rücksicht genommen. Und auch für das Pflichtjahr gibt es branchengerechte Einsätze.
Auch Krankenhäuser brauchen Handwerker oder Computerleute.

Wessi vor 16 Wochen

also @ Harka2 ... da muß ich jetzt entschieden widersprechen!Lyn (und Frau Högl) hat Recht, denn das ging früher auch, zumal viele Studiengänge derzeit nicht so starr in Zeiten gefasst wurden.Damals hat sich kein anderer "Studierter" darüber Gedanken gemacht, wie lange Bildung nötig ist, um einen Abschluß zu haben.Und die Formulierung "Menschen...für den Staat sinnvoll..." halte ich für etwas "merkwürdig".Zivis und Eingezogene waren beides primär keine "billigen Arbeitskräfte", sondern haben der Gesellschaft etwas zurückgegeben und auch vor dem Studium, mnache vor der Ausbildung das Arbeitsleben kennengelernt....und dafür Geld bekommen+in die Rentenkasse eingezahlt, sei es auch mit kleinen Beiträgen, bei einer Verpflichtung in den Streitkräften sogar mehr.Als Anrechnungszeit kann das (Grundrente!) sogar wichtig sein!

Milo vor 16 Wochen

@steka: "ein Pflichtjahr bei Sozialeinrichtungen, THW oder Feuerwehr würde niemanden schaden"

Es würde den Start ins Berufsleben aber noch weiter nach hinten verschieben, wenn jeder nach der Ausbildung noch ein Jahr zu irgendeinem Pflichtdienst muss. Wenn ich z. B. alle fertig ausgebildeten Handwerker nach der Lehre ein Jahr als Hilfskraft ins Krankenhaus (oder ähnliches) schicke, fehlen diese natürlich in ihren eigentlichen Berufen.
Das Beispiel könnte man auf die meisten Branchen übertragen.

Mehr aus Politik

Mehr aus Deutschland

Sinead O’Connor, Tina Turner, Jane Birkin, Heide Simonis, Silvio Berlusconi, Klaus Feldmann, Heinz Florian Oertel, Harry Belafonte
Bildrechte: IMAGO / BRIGANI-ART, IMAGO / MediaPunch, dpa, IMAGO / Eibner, IMAGO / Matteo Gribaudi, MDR, IMAGO / Thomas Lebie, dpa