Evakuierung Merkel: 10.000 Menschen müssen aus Afghanistan geholt werden

Um die Evakuierung von Diplomaten und Ortskräften sicherzustellen, will die Bundesregierung mehrere hundert Soldaten nach Afghanistan schicken. Bundeskanzlerin Merkel rechnet mit insgesamt 10.000 Menschen, die in Sicherheit gebracht werden müssen. Unterdessen hat die Lufthansa die Überflüge über afghanischen Luftraum eingestellt. Wegen der Gefahr durch die Taliban will eine deutsche Hilfsorganisation in Kabul ihre "sicheren Häuser" auflösen.

Ein Transportflugzeug vom Typ Airbus A400M der Luftwaffe startet am Morgen auf dem Fliegerhorst Wunstorf in der Region Hannover. Angesichts des rasanten Vormarschs der Taliban in Afghanistan will die Bundeswehr am Montag (16.08.2021) mit der Evakuierung deutscher Staatsbürger und afghanischer Ortskräfte aus Kabul beginnen.
Mit solch einem Transportflugzeug vom Typ Airbus A400M der Luftwaffe sollen die Menschen aus Afghanistan herausgeholt werden. Bildrechte: dpa

Deutschland will nach Angaben von Bundeskanzlerin Angela Merkel rund 10.000 Menschen aus Afghanistan in Sicherheit bringen. Das hat Merkel nach übereinstimmenden Berichten am Vormittag im CDU-Bundesvorstand angekündigt. Neben etwa 80 deutschen Bürgerinnen und Bürgern, die sich derzeit noch in Afghanisten aufhalten, hat die Bundesregierung vor Monaten bereits 2.500 Ortskräfte identifiziert. Bei 600 wisse man derzeit nicht, ob sie bereits in Drittstaaten seien. Zudem sollten weitere 2.000 Personen wie Menschenrechtler und Anwälte ausreisen. Hinzu kämen Familienangehörige.

Bundeswehrmaschine in Kabul gestartet

Am Dienstagmorgen (MESZ) ist eine erste Bundeswehrmaschine mit Schutzsuchenden in Kabul gestartet. Der Evakuierungseinsatz hatte sich zuvor verzögert. Die Militärtransporter vom Typ A400M waren aufgehalten worden, weil sie wegen des Chaos auf dem Flughafen Kabul nicht landen konnten.

Hunderte Soldaten sollen Evakuierung absichern

Insgesamt will Deutschland mehrere hundert Soldaten für den Evakuierungseinsatz nach Afghanistan schicken. Wie ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums sagte, geht die Bundesregierung nach Konsultation mit den USA davon aus, dass es für die Evakuierung ein "Operationsfenster bis zum 31. August" gibt. Die Regierung wollte aber nicht ausschließen, dass sich das Fenster für die Evakuierungseinsätze früher schließen könne.

Scharfe Kritik wegen später Evakuierungen

Die Opposition im Bundestag warf der Regierung unterdessen mangelnde Fürsorge und Verantwortungslosigkeit gegenüber den afghanischen Ortskräften vor. Dem Grünen-Verteidigungsexperten Omid Nouripour zufolge geht es um etwa 8.000 Menschen: "Wir diskutieren den Schutz derjenigen, die in Gefahr sind, weil sie uns Deutschen geholfen haben, seit neun Jahren." Die Bundesregierung rede seit Wochen davon, habe 1.700 Menschen herausgeholt, aber Tausende nicht. Das sei ein moralisches Versagen.

Der außenpolitische Sprecher der CDU, Jürgen Hardt, wies dagegen Vorwürfe zurück, die Evakuierung der Deutschen in Afghanistan komme zu spät. Er sagte MDR AKTUELL, es seien bereits einige hundert Ortskräfte und fast alle Deutschen ausgeflogen worden. Hardt sprach sich zugleich für ein Asylprogramm für afghanische Politikerinnen, Journalistinnen und Forscherinnen aus. Sie sollten nach Deutschland gebracht werden und hier ein Visum erhalten.

Mitteldeutsche Länder nehmen Ortskräfte auf

Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen beteiligen sich an der Aufnahme von Menschen aus Afghanistan. Das Sächsische Innenministerium teilte mit, 76 Ortskräfte und ihre Familienangehörige seien bereits im Freistaat angekommen. Die Aufnahme von weiteren 36 sei zugesichert. Das Innenministerium von Sachsen-Anhalt erklärte, bislang seien 61 Menschen im Land verteilt worden.

Aus Thüringen wird die Aufnahme von 60 Menschen vermeldet. Migrationsminister Dirk Adams regte ein Landesaufnahmeprogramm an, ähnlich wie es das bereits für Syrien gibt. Mit dem Programm sollen Afghanen, die schon lange in Thüringen leben, ihre Angehörigen vereinfacht nachholen können. Adams sagte, die Lage vor Ort gerate zunehmen außer Kontrolle. Viele in Thüringen lebende Afghaninnen und Afghanen machten sich große Sorgen um ihre Angehörigen.

Quelle: AFP, Reuters

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. August 2021 | 12:00 Uhr

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