Neuer CDU-Vorsitzender Armin Laschet und der Osten

Die CDU hat einen neuen Vorsitzenden gewählt. Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Armin Laschet und Friedrich Merz. Welche Erwartungen gibt es im Osten an den neuen Chef der Christdemokraten?

Armin Laschet
Armin Laschet ist neuer Vorsitzender der CDU. Der NRW-Ministerpräsident hatte die Stichwahl gegen Friedrich Merz gewonnen.   Bildrechte: dpa

Viele Menschen, die im Viertel von Jessica Heller leben, wählen die AfD. Die CDU-Delegierte lebt in einem Vorort von Leipzig. Die Einwohner haben sich in den vergangenen 30 Jahren einen kleinen Wohlstand aufgebaut, sagt die 30-Jährige. Diesen sähen viele durch die Politik der Bundesregierung in der Euro- oder Flüchtlingskrise und auch durch die Energiewende bedroht.

Jessica Heller
Jessica Heller sitzt für die CDU-Fraktion in Leipzig im Stadtrat. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Warum im Osten so viel AfD gewählt wird? Es war halt einfach diese Leistungsfähigkeit zu sehen, die der Staat mit einem Mal hatte, als es darauf ankam", sagt die Politikerin. Das hätten viele Menschen in und nach der Umbruchszeit durch die Wende vermisst. So seien der CDU viele Wähler verloren gegangen. Jessica Heller hat sich beim digitalen CDU-Parteitag als eine der wenigen Delegierten aus Sachsen nicht für Armin Laschet oder Friedrich Merz entschieden, sondern für Norbert Röttgen als neuen Vorsitzenden gestimmt.

Viele sind von der Politik der Bundesregierung enttäuscht

"Es geht um Zukunftskompetenz", sagt Jessica Heller. Es gehe darum, als Partei Themen zu setzen, bevor die Menschen deswegen auf die Straße gingen – wie etwa, wenn es um Migration gehe. Sie sitzt für die CDU im Leipziger Stadtrat und will sich in Leipzig bei der Wahl im September um ein Bundestagsmandat bewerben. Ihre eigenen politischen Schwerpunkte habe sie eher in der Gesundheits- und Sozialpolitik. Auch deshalb könne sie mit dem Angebot von Friedrich Merz weniger anfangen.

Dagegen war Merz in Magdeburg beim Bundesverband der Mittelständigen Wirtschaft der Wunschkandidat. Dort hofft man, dass er nun zumindest Wirtschaftsminister wird – wenn das Amt frei ist. "Aus ostdeutscher Perspektive habe ich vor allen Dingen die Erwartung, dass Reformen angestrebt werden", sagt Peter Martini vom Verband. Diese erhoffe er sich insbesondere für die in Ostdeutschland stark ausgeprägte mittelständische Wirtschaft.

Die Situation der Menschen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

"Ich glaube, Armin Laschet muss noch sehr daran arbeiten, dass er nicht nur Kontakte zu den Ministerpräsidenten und Spitzenpolitikern hier im Osten hat", findet der DGB-Vorsitzende in Sachsen, Markus Schlimmbach. Er findet, wenn der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen die besondere Situation der Menschen im Osten besser nachfühlen könnte, dann "könnte er sich auch für mehr als zum Parteivorsitzenden eignen. Dann könnte er auch Kanzlerkandidat der CDU werden."

Doch dafür wird die Partei geschlossen zusammenstehen müssen, findet Jessica Heller. Deshalb ist sie enttäuscht über den neu aufgeflammten Streit zwischen den beiden großen Lagern in der CDU. "Ich hoffe, dass wir das noch hinkriegen", sagt sie. Davon hänge der künftige Erfolg ab.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 27. Januar 2021 | 20:15 Uhr

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