Meinung Dreikampf in der CDU: Merz, Röttgen oder Braun

Die Drei scheint für die CDU zur magischen Zahl zu werden: Innerhalb von drei Jahren wählt die Partei zum dritten Mal einen neuen Parteivorsitzenden. Schon wieder gibt es drei Männer als Kandidaten – und Friedrich Merz unternimmt dabei den dritten Anlauf, um in dieses Amt zu kommen. Konkurrenz machen ihm Norbert Röttgen und Helge Braun. Für wen von den Dreien wirklich aller guten Dinge drei sind, entscheidet ab 4. Dezember die Parteibasis.

Friedrich Merz, Norbert Röttgen und Helge Braun
Einer von ihnen wird der neue CDU-Vorsitzende: Friedrich Merz, Norbert Röttgen oder Helge Braun. Bildrechte: dpa

Von den Umfragen her ist das Rennen schon gelaufen. Danach hat Friedrich Merz wohl die besten Chancen, endlich CDU-Vorsitzender zu werden. Doch seit der Bundestagswahl und dem überraschenden Wahlsieg der SPD sollten Politiker und wir Journalisten mit Prognosen vorsichtig sein. Neben Merz treten noch der Außenpolitiker Norbert Röttgen sowie der bisherige Kanzleramtsminister Helge Braun an. Bei Merz und Braun verdienen aber auch die Kandidaten und Kandidatinnen für den Posten des Generalsekretärs Aufmerksamkeit.

Friedrich Merz – der ewige Kandidat

Auf alle Fälle ist Merz der Kandidat der Basis, besonders in Ostdeutschland. In den Umfragen unter der Mitgliedschaft lag er auch bei den vorangegangen Vorsitzendenwahlen immer vorn. Trotzdem scheiterte er. Bei seiner Kandidatur 2018 wurde ihm sein Wirken für den Vermögensverwalter Black Rock angekreidet und suggeriert, er würde nach einer möglichen Wahl die Kanzlerin in den vorzeitigen Ruhestand schicken. Beim Online/Briefwahl-Urnengang 2021 wurde ihm ein möglicher politischer Rechtsdrall unterstellt, weil er Wähler der AfD zurückgewinnen wollte. Er unterlag erneut und will das nun auch nicht mehr. Bei seinem dritten Versuch fällt den Kritikern nicht mehr viel ein. Vielmehr geht die Hoffnung in der Partei um, dass Friedrich Merz das letzte Bollwerk sein könnte gegen den Niedergang der CDU als Volkspartei. Wenn man sich mit einem Wahlergebnis von 24,1 Prozent bei der Bundestagswahl überhaupt noch als Volkspartei bezeichnen kann.

Friedrich Merz hält eine Rede zum Auftakt des Deutschlandtages der Jungen Union.
Er will es zum dritten Mal wissen: Friedrich Merz. Bildrechte: dpa

Nachdem Merz immer als Wirtschaftsliberaler galt, hat er nun sein Herz fürs Soziale und für die Frauen entdeckt. Der "Zeit" diktierte er in den Notizblock: "Wir müssen weg von diesem Image, dass uns immer noch anhaftet, dass wir eine Partei von Männern sind." Um das Gegenteil zu beweisen, holte er mit Christina Stumpp eine Bundestagsnewcomerin aus Baden-Württemberg und junge Mutter in sein Wahlteam. Eine Überraschung ist sein Kandidat für den Posten des Generalsekretärs: Mario Czaja. Er hat gerade in Berlin-Marzahn bewiesen, wie man eine Hochburg knackt. Er nahm der langjährigen Platzhalterin von der Linkspartei, Petra Pau, das Direktmandat sowie der AfD Stimmen ab. Czaja gilt als "rote Socke der CDU", weil er – sicher anders als Merz – keine Berührungsängste mit der Linken hat. Als ehemaliger Berliner Sozialsenator weiß er um die Probleme der Normalbürger ohne dickes Konto.

Genau da hatte Merz bisher ein inhaltliches Manko. Merz ist mittlerweile für mehr Klimaschutz, sicher auch, weil die Industrie und Wirtschaft nun darauf setzt. Persönlich liegt ihm weniger das Moderieren, sondern das Ansagen. Von Basisdemokratie hält der Kandidat der Herzen wenig. Die Mitgliederbefragung zum neuen Vorsitzenden soll einmalig bleiben.

Norbert Röttgen – der moderne Konservative

Norbert Röttgen ist auch ein Wiedergänger beim Kampf um den CDU-Parteivorsitz. Er trat schon beim letzten Rennen 2021 an und bekam rund ein Viertel der Stimmen. Röttgen inszeniert sich damals wie heute als moderner Konservativer, "der dem Neuen nicht nur nachlaufen, sondern das Neue annehmen will, dabei den Wandel gestalten und die Umbrüche gestalten möchte, um dabei die Werte des Menschlichen zu bewahren".

Dem Klimaschutz fühlt er sich besonders verpflichtet – aus seinem christlichen Menschenbild heraus. Lange vor Angela Merkel setzte er sich als Bundesumweltminister für einen Ausstieg aus der Kernenergie ein und bezog dafür aus den eigenen Reihen heftig Prügel. 2011, nach dem Atomunfall von Fukushima und vor den Landtagswahlen in Baden-Württemberg, konnte es der Kanzlerin mit dem Atomausstieg dann nicht schnell genug gehen. Endgültig in Ungnade fiel Röttgen bei der Kanzlerin nach seiner Niederlage als Spitzenkandidat der CDU bei den Landtagswahlen in NRW 2012. Er wollte nicht die harte Oppositionsbank im langweiligen Düsseldorfer Landtag drücken, sondern lieber Bundesumweltminister im hippen Berlin bleiben. Das sah Merkel anders und entließ ihn als Minister.

Norbert Röttgen
Röttgen bewirbt sich zum zweiten Mal für das Amt des CDU-Vorsitzenden. Bildrechte: Getty Images

In den letzten Jahren war sein politisches Betätigungsfeld die Außenpolitik. Er möchte sich wieder stärker an die USA binden und Deutschland mehr Verantwortung in der Welt übernehmen lassen. Nach dem Afghanistan-Desaster nicht unbedingt ein Gewinner-Thema. Allerdings hat er nun den Osten für sich entdeckt. Bei der Bekanntgabe seiner Kandidatur verkündete er die viel gepflegten Binsenweisheiten, man müsse "mehr reden zwischen Ost und West" und überhaupt alles wieder mehr "aus der Perspektive normaler Menschen betrachten".  Deshalb soll ein Ostdeutscher im Falle seiner Wahl Parteivize werden. Natürlich brauchte auch er eine Frau an seiner Seite als Kandidatin für das Amt der Generalsekretärin, musste aber lange suchen. Am Ende fiel seine Wahl auf Franziska Hoppermann, bisher Kommunalpolitikerin in Hamburg und gerade frisch in den Bundestag eingezogen.

Helge Braun – Merkels Schattenmann

Angela Merkel kann es einfach nicht lassen. Sie will weiter im Machtkampf um die Parteispitze der CDU mitmischen und Friedrich Merz vielleicht doch noch verhindern. Warum sonst meldete ihr Kanzleramtsminister Helge Braun seine Kandidatur für das CDU-Spitzenamt an. Er soll mit seinem Stimmenanteil einen Durchmarsch von Merz im ersten Wahlgang verhindern und so eine Stichwahl erzwingen.

Von den vier Chefs des Kanzleramtes unter Merkel war Braun nach Thomas de Maizière, Ronald Pofalla und Peter Altmaier der Unscheinbarste. In der Corona-Krise durfte der promovierte Mediziner immer mal einen Testballon für härtere Maßnahmen mit dem Einverständnis Merkels steigen lassen. Allerdings zerplatzten sie meist im Mediengewitter und politischen Sperrfeuer. In seinem Bewerbungsschreiben an die CDU-Mitglieder beklagte er die mangelnde inhaltliche Profilierung der Partei in den letzten Jahren. Daran trägt er als Mann an der Seite der Kanzlerin keine geringe Mitschuld. Er möchte sich als CDU-Vorsitzender für die "Sicherheit des Arbeitsplatzes, der Altersversorgung und der Wohnung" einsetzen. Doch welcher Politiker – egal ob von der CDU oder einer anderen Partei – möchte das nicht?

Helge Braun
Helge Braun gilt als einer der engsten Vertrauten Merkels. Bildrechte: dpa

Interessanter als der Kandidat für den Parteivorsitz selbst ist sein Vorschlag für die Generalsekretärin. Serap Güler hat einen sozialen Aufstieg aus dem politischen Bilderbuch der Bundesrepublik hinter sich. Ihre Eltern sind türkischer Herkunft, Vater Bergmann, Mutter Putzfrau. Sie machte nach dem Abitur eine Ausbildung als Hotelfachfrau, studierte dann Kommunikationswissenschaft und Germanistik. 2017 wurde sie Staatssekretärin für Integration unter Ministerpräsident Armin Laschet. Sie galt als eine seiner engsten Beraterinnen. Das ist ihr Handicap. Obwohl selbst mit Migrationshintergrund, spricht sie sich gegen weitere Zuwanderung aus. Die Integrationskraft Deutschlands sei erschöpft. Andererseits kritisierte sie die Aufstellung von Ex-Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen als Bundestagskandidat in Thüringen mit den Worten: "Wie kann man so irre sein".

Warten bis 16. Dezember

Helge Brauns Kandidatur werden nicht mehr als Außenseiterchancen eingeräumt, trotzdem könnte sie ihm nutzen – in seinem hessischen CDU-Landesverband. Dort wird dringend ein Nachfolger für Ministerpräsident Volker Bouffier gesucht. Braun wäre einer Kandidatur als Spitzenkandidat bei den nächsten Landtagswahlen sicher nicht abgeneigt.

Für wen es am Ende reicht, werden wir nach dem 16. Dezember, bei einem zweiten Wahlgang erst im Januar 2022 erfahren. Das Ergebnis muss dann noch der digitale CDU-Parteitag am 21. Januar 2022 bestätigen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. November 2021 | 06:00 Uhr

Mehr aus Politik

Mehr aus Deutschland

Reporter interviewt Mann 34 min
Bildrechte: MDR/Isabel Theis
34 min

MDR AKTUELL - Das Nachrichtenradio Wie sicher ist die Rente?

Wie sicher ist die Rente?

19.01.2022 | 08:01 Uhr

Die gesetzliche Rente ist für viele eine Blackbox. Man zahlt sein Leben lang ein. Aber was am Ende genau rauskommt, kann einem keiner sagen. In diesem Podcast erklären wir das Rentensystem und welche Baustellen es gibt.

MDR AKTUELL Mi 19.01.2022 08:00Uhr 33:58 min

Audio herunterladen [MP3 | 31,1 MB | 128 kbit/s] Audio herunterladen [MP4 | 62 MB | AAC | 256 kbit/s] https://www.mdr.de/nachrichten/podcast/wirtschaftspruefer/audio-rente-rentner-wie-viel-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio
Peter Sodann 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
2 min 19.01.2022 | 07:10 Uhr

Am 19. Januar 1992, also vor genau 30 Jahren wurde der erste Tatort aus dem Osten Deutschlands ausgestrahlt. Peter Sodann damals einer der Tatort-Kommissar. Kann er sich noch an seinen ersten Tatort erinnern?

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Mi 19.01.2022 07:10Uhr 02:15 min

https://www.mdr.de/sachsenradio/audio-jubilaeum-tatort-peter-sodann-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio