Corona-Impfungen Ärzteverbände kritisieren mangelndes Tempo beim Boostern

Ärzteverbände in Sachsen haben den Bund scharf kritisiert für Lieferengpässe bei den Corona-Impfstoffen. Die stellvertretende Vorsitzende des sächsischen Hausärzteverbands, Hennesthal, sagte MDR AKTUELL, von Leipzig bis ins Erzgebirge bekämen Mediziner deutlich weniger Impfstoff als sie eigentlich geordert hätten. Das sei offensichtlich ein Versagen des Bundes.

Zahlreiche Menschen stehen bei einer Impfaktion des DRK vor dem Stadthaus in Pirna in einer Warteschlange an.
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"Wir würden gerne losimpfen, aber wir können eben nicht, weil uns die Impfdosen fehlen", sagt Susann Hennesthal. Sie ist Hausärztin im sächsischen Coswig und stellvertretende Vorsitzende des Sächsischen Hausärzteverbandes. Mehr Tempo beim Impfen fände auch sie gut und sagt, theoretisch wäre das auch drin.

Flächendeckend zu wenig Impfstoff

Doch in der vergangenen Woche bekam ihre Praxis von der Apotheke die Nachricht, nur ein Teil der bestellten Impfstoffmenge könne geliefert werden – bei BioNTech und Moderna.

Hennesthal sagt: "Von Leipzig bis ins Erzgebirge bekommen die Leute deutlich weniger Impfstoff, als sie eigentlich geordert haben. Was der Grund dafür ist, wissen wir nicht genau, aber es ist hier offensichtlich ein Versagen vom Bund."

Bund bestreitet Lieferprobleme

Das Bundesgesundheitsministerium streitet Lieferschwierigkeiten ab. Das Ministerium schreibt MDR AKTUELL, dass Impfstoffbestellungen von Impfzentren und Praxen verspätet eingegangen seien. Dennoch sollen in dieser Woche 11 Millionen Impfdosen für Boosterimpfungen ausgeliefert werden. Das Tempo soll also anziehen.

Die Quote für Auffrischungen lag vergangenen Freitag bundesweit bei 9,6. Das heißt: Knapp jeder zehnte Geimpfte in Deutschland hat eine Auffrischungsimpfung bekommen. In Sachsen liegt die Quote nur bei 7,5, in Thüringen dagegen schon bei fast elf.

Ausbau der Impfstrecken

Thüringen hat entgegen der Empfehlungen des Bundes seine Impfstellen nie geschlossen. Dort würden die Impfstrecken jetzt verdoppelt bis vervierfacht, sagt Jörg Mertz. Er leitet den Coronastab der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen. Für die kommenden Wochen hat er Unterstützung durch die Bundeswehr und das Technische Hilfswerk beantragt.

Fünf Millionen Booster-Impfungen wöchentlich, sagt Mertz, "das sind für Thüringen rund 120.000. Ich gehe davon aus, dass wir spätestens in der nächsten Woche diese Größenordnung auch stemmen werden, gemeinsam mit den niedergelassenen Ärzten hier in Thüringen."

Scharfe Kritik von Ärztevertretern

Aber auch er kritisiert die quotierten Liefermengen des Bundes. Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen, Klaus Heckemann, würde in Sachsen gerne 200.000 Boosterimpfungen wöchentlich erreichen. Er sagt, dass das über die Hausarztpraxen und das DRK möglich wäre. Aber: "Leider ist da jetzt die Problematik der nicht lieferbaren Impfstoffe dazwischengekommen", sagt Heckemann.

Erst wurden bestimmte Liefermengen versprochen, dann die Quoten geändert – alles innerhalb nur einer Woche. Klaus Heckemann findet deutliche Worte: "Mehr kann man die, die man zum Impfen braucht, nicht demotivieren. Denn es sind ja Termine gemacht worden, man hat sich darauf verlassen, das sollte man nie bei der Politik, das haben wir jetzt alle gelernt, endgültig."

Ärzte zunehmend frustriert

Es werde ein Desaster entstehen, sagt Heckemann: "Wir können das, was wir eigentlich mal gehofft haben, die ganzen Boosterungen hinzubekommen, sicher vergessen. Ich denke mal, ganz viele Ärzte werden jetzt von der Fahne gehen und sagen: Das tue ich mir nicht noch mal an."

Auch Hausärztin Susann Hennesthal ist enttäuscht: Sie schiebt die vergebenen Impftermine hin und her. Und noch etwas bindet immer mehr Zeit in ihrer Praxis in Coswig: Die Versorgung von Menschen, die an Corona erkrankt sind.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. November 2021 | 06:06 Uhr

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