Verschärfte Corona-Maßnahmen Viele Fragen bei Umsetzung von 3G am Arbeitsplatz offen

Wer zur Arbeit geht, der muss nach den Plänen der Ampelparteien künftig wohl entweder geimpft, genesen oder negativ getestet sein und das auch nachweisen. 3G am Arbeitsplatz – lässt sich das so einfach umsetzen? Bisher dürfen nur wenige Unternehmen wie Krankenhäuser, Pflegeheime oder Kitas den Impfstatus ihrer Beschäftigten überhaupt erfragen.

Schild fordert Beschäftigte auf, einen 3G-Nachweis bereit zu halten.
Das 3G am Arbeitsplatz kommen soll, scheint unausweichlich – nur bei der Umsetzung hapert es noch. Bildrechte: dpa

3G am Arbeitsplatz: "Der richtige Weg" und "das beste Mittel in der jetzigen Situation" – da sind sich Arbeitgeber- und Gewerkschaftsseite einig. Nur bei der Umsetzung von 3G gehen die Vorstellungen auseinander. Markus Schlimbach sorgt sich als Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Sachsen um die Gesundheitsdaten der Angestellten: "Wie werden Kontrollen stattfinden, wie werden Testergebnisse aufbewahrt? Das muss unabhängig von der Personalakte geschehen." Eine Auskunftspflicht, bei der alle ihren Impfstatus offenlegen müssen, sieht er kritisch.

Impfstatus offenlegen oder täglich testen?

Für Achim Dercks dagegen ist das der wichtigste Punkt. Er ist der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). "Also man muss seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fragen können, ob sie denn geimpft sind. Das ist, glaube ich, auch im Interesse der Belegschaft insgesamt sehr wichtig, damit die Mitarbeiter das untereinander wissen."

3G am Arbeitsplatz heiße aber nicht automatisch, dass der Impfstatus offengelegt werden muss, sagt Silvio Lindemann, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Dresden: "Ich kann auch sagen, ich sage nichts zu meinem Impfstatus, müsste dann aber den Test über mich ergehen lassen und das dann jeden Tag. Und das bedeutet natürlich einen immensen Druck und dann muss ich abwägen: Will ich den Test oder will ich meinen Impfstatus mitteilen?"

Frage nach der Kostenübernahme ungeklärt

Doch wer trägt die Kosten für den täglichen Test? Ute Zacharias, Sprecherin des Allgemeinen Arbeitgeberverbands Thüringen sagt, wenn die 3G-Regel am Arbeitsplatz komme, "dann gehen wir aber davon aus, dass diese Tests, die über die zwei wöchentlichen Tests pro Beschäftigten hinausgehen, über die öffentliche Hand, über kostenlose Testzentren zur Verfügung gestellt werden."

Das ist auch Achim Dercks vom DIHK wichtig – wegen der Kosten einerseits, dem organisatorischen Aufwand andererseits. Das Testergebnis könnten Arbeitgeber im Idealfall dann einfach per QR-Code über eine App scannen. Der Sächsische Gewerkschaftsbund dagegen könnte sich auch vorstellen, dass Unternehmen für die Testkosten aufkommen.

Unternehmen bereitet Regelung teils Unbehagen

Werde 3G am Arbeitsplatz zum Gesetz, müssten Firmen die Kontrollen dokumentieren und Angestellte eines der drei Gs erfüllen, sagt Arbeitsrechtler Silvio Lindemann: "Die Arbeitnehmer, die das nicht über sich ergehen lassen wollen, die sich dagegen wehren, müssen mit einer Abmahnung und beim wiederholten Male sogar mit einer Kündigung rechnen."

Nur geimpft, genesen oder getestet bei der Arbeit – bei einzelnen Firmen sorgt diese Ankündigung und die Pflicht zur Umsetzung dann doch für Unbehagen. Formulierungen wie "betrieblichen Frieden wahren" und "gespaltene Lager in der Belegschaft" fallen im Gespräch mit MDR AKTUELL. Man will die Regeln umsetzen, aber auch keine Debatten anheizen, bevor noch nichts Schwarz auf Weiß steht. Praktikable, möglichst unbürokratische und klar formulierte Regeln für 3G am Arbeitsplatz, das fordern dann wieder beide Seiten, Arbeitgeber wie Gewerkschaft, von der Politik.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. November 2021 | 08:10 Uhr

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